Tests28. März 2013 , 05:03 Uhr
“Sly Cooper: Jagd durch die Zeit” im Test
Für einen flinken, über die Dächer hüpfenden Waschbärdieb hat sich Sly ziemlich viel Zeit gelassen, bis er uns auf der PS3 beehrt. Es ist acht Jahre her, seit wir den geschmeidigen Taschendieb auf der PlayStation erleben durften. Bis auf ein paar veraltete Endgegnerkämpfe sowie die ein oder andere zu grelle Designwahl hat sich das Spiel wunderbar an die aktuelle Konsolengeneration angepasst.
Zeitreise zum Verwandtenbesuch
Dafür sind hauptsächlich die amüsanten Zeitreisen verantwortlich. Durch diese werden Sly und seine witzigen Freunde in eine Reihe sehr unterschiedlicher offene Welten versetzt, die voller Nebenattraktionen, skurriler Charaktere und glitzernder Beute zum Stibitzen sind. Die Art, wie man in die verschiedenen Zeitperioden geschleudert wird, erinnert ein wenig an „Assassin’s Creed”. Sly muss in jeder Welt einen seiner Vorfahren finden und diesem beim Putsch gegen den jeweiligen Bösewicht in der Spielwelt helfen. Dank der unterschiedlichen Vorfahren bietet jede der Spielwelten etwas Besonderes im Gameplay, sodass die Dinge durchweg interessant bleiben. Die Vielfalt wird durch die Originalität des Spiels perfekt unterstützt.
Einmal landet Sly als Pistolen schwingender Revolverheld im Wilden Westen. Ganz im Stil von “Red Dead Redemption” hat er die Fähigkeit, mehrere Gegner gleichzeitig abzuschießen. Er kann die Zeit verlangsamen, um bis zu fünf Zielpersonen anzupeilen, bevor er wieder im Hier und Jetzt landet und sie allesamt ausschaltet. In Kombination mit kniffeligen Rätselsequenzen sowie spannenden Zugüberfällen wird das Kapitel im Wilden Westen locker zu einem der besten und zufriedenstellendsten im gesamten Spiel.
In jeder der fünf Welten kann Sly außerdem ein neues Kostüm freischalten, das ihm besondere Fähigkeiten verschafft. Diese helfen ihm beim Betreten geheimer Bereiche oder beim Besiegen der Endgegner. Die Samurairüstung aus der japanischen Welt macht den Waschbären immun gegenüber Flammen, während ihn ein schickes Robin-Hood-Kostüm aus dem mittelalterlichen England dazu befähigt, mithilfe von Pfeilen und einem Tau eine Seilrutsche zu basteln. Das alles trägt dazu bei, dass man nur sehr selten Dinge wiederholen muss. Jede Spielwelt ist einzigartig und bietet eine vielfältige Auswahl an Zielvorgaben, die insgesamt eine farbenprächtige, einheitliche Welt ergeben.
Alleskönner von Akrobatik bis Schleichen
Das Herumflitzen auf Hausdächern und Hinaufklettern von Regenrinnen macht irrsinnigen Spaß. „Jagd durch die Zeit” schafft es, das ausschlaggebende Element von Open-World-Spielen genau richtig hinzubekommen: Die Freude an der Durchquerung der Spielwelt. Von A nach B zu kommen, ist manchmal interessanter als das, was einen am Zielpunkt erwartet. Besonders die unzähligen Ablenkungen in der bunten Spielwelt machen das Fortbewegen so amüsant. Man kann Dinge sammeln oder Safes öffnen (die zusätzliche Kräfte beinhalten). Die geklauten Schätze können dann zum Beweis der diebischen Fähigkeiten am Knotenpunkt der Spielwelten ausgestellt werden. Dank Slys flinker Finger kann man den patrouillierenden Wächtern das Geld direkt aus der Hosentasche ziehen.
Das Schleichen funktioniert auch super. Oftmals wird man bei direkter Konfrontation mit den Feinden von ihnen besiegt, aber es gibt immer ein Hausdach, von dem man sich schwingen oder ein Versteck, in das man sich drücken kann. Slys aufrüstbare Bewegungsmöglichkeiten verschaffen ihm irgendwann sogar einen Fallschirm, der genial für eine schnelle Flucht ist.
Zu viel Abwechslung ist auch nicht gut
Leider sind die Missionen einer der Schwachpunkte von “Sly Cooper: Jagd durch die Zeit”. In seinem unersättlichen Durst nach Abwechslung zwingt einen das Spiel manchmal dazu, in die Rollen von Slys lästigen Kumpels Murray und Bentley zu schlüpfen. Murray ist ein eintöniger Gameplaylangweiler (prügeln, schlagen, boxen und wieder prügeln), während Bentleys durchgeplante Herangehensweise die reinste Qual ist.
Es gibt auch Abschnitte, bei denen man zu unerträglichen Minispielen gezwungen wird (das mit der Geisha ist das schlimmste von allen). Diese müssen aber beendet werden, damit man im Game voranschreiten kann. Das ist nicht nur hinsichtlich des Spieldesigns eine bescheuerte Idee, es vermasselt auch den Handlungsablauf ein wenig. Daran sind aber auch die frustrierenden Endgegnerkämpfe schuld, bei denen man dieselben Angriffsmuster unendlich oft wiederholen muss.
Bis auf diese Kritikpunkte ist Slys Debüt auf der PS3 jedoch ein Plattformtriumph mit Charakter, Vielfalt und Charme. Auch der Einsatz der Cross-Play-Funktionen mit der PS Vita (dank Cross-Buy erhält man beim Kauf der PS3-Version von “Sly Cooper: Jagd durch die Zeit” eine kostenlose Vita-Version dazu) ist gut gelungen. Man kann damit zum Beispiel das Spiel fortsetzen, auch wenn der Mitbewohner das Fernsehgerät gerade mit „GZSZ“ blockiert. Es ist schön, „Sly Cooper“ nach so vielen Jahren wieder zurückzuhaben.

Quelle: opm