Tests19. März 2013 , 12:03 Uhr
“Sniper: Ghost Warrior 2” im Test
Das originale “Sniper: Ghost Warrior” hat viel versprochen und wurde dann von schrecklicher KI im Stich gelassen. Hat das Sequel mehr drauf?
Wir haben das Spiel getestet. Es gibt ein paar Verbesserungen, aber bei der KI sowie den unlogischen Schwierigkeitsgraden gleicht es leider seinem Vorgänger zu stark.
Der Schauplatz wird übertriebenen wild und draufgängerisch wie in einem schlechten Actionfilm dargestellt. Der Spieler übernimmt die Kontrolle von Captain Cole “Sandman” Anderson, der verschiedenen Feinden aus der ganzen Welt die Gesichter wegschießt. Irgendwo dazwischen versteckt sich auch eine Handlung. Diese ist voller schlechter Klischees und miesen Szenen, sodass wir gar nicht darüber nachdenken wollen.
Das liegt teilweise an den Dialogen, die manchmal überdramatisch (massenweise unnötige Auseinandersetzungen zwischen Anderson und seinen Vorgesetzten), verwirrend (militärische Fachwörter werden wie Konfetti geworfen), voller Schimpfwörter und total unrealistisch sind. Wenn man zu Beginn des Spiels ein Al-Kaida-Lager in die Luft fliegen lässt, werden deren Rufe etwa mit „Jesus Christus!“ übersetzt. Im Grunde genommen handelt es sich bei „Sniper: Ghost Warrior 2“ um eine Zusammenfassung aller schlechten Kriegsfilme auf einer Disc.
Schießen macht Spaß
Das Gameplay ist ebenfalls durchwachsen und wird generell in verschiedene Arten aufgeteilt. Die unterhaltsamsten Abschnitte sind, wenn man aus dem Hinterhalt schießt, um das Team zu beschützen und dabei verschiedene Feinde ausschaltet. Man wird dabei von einem “Späher” unterstützt, der über Funk bekannt gibt, welche Feinde man abknallen soll. Dann erscheint ein Symbol über dem entsprechenden Gegner und der Spaß kann losgehen.
Die Action ist nicht viel besser als ein langsamer Shooter, aber trotzdem unterhaltsam. Zum einen ist das eigentliche Abschießen der Feinde zufriedenstellend, und zum anderen muss man sich nicht mit der miesen KI des Spiels herumschlagen, weil man den genauen Befehl erhält, wer umzulegen ist.
Das ist aber leider nicht so, wenn Anderson vom Rest der Truppe abgetrennt wird und sich alleine durchschlagen muss. Die Situationen sind dann weniger vorgeschrieben und die Feinde kommen nicht automatisch in der richtigen Reihenfolge. Man muss also selbst entscheiden, welche Gegner man auslöschen kann, ohne dass die anderen es bemerken. Da die KI jedoch so sprunghaft und unvorhersehbar ist, muss man vieles durch Ausprobieren herausfinden.
Launische Feinde
Manche Feinde ignorieren es komplett, wenn ihr Partner direkt neben ihnen zu Boden fällt, solange sie ihm den Rücken zukehren. Andererseits führt ein einziger verfehlter Schuss aufs Dach einer Holzhütte nicht nur dazu, dass jeder einzelne Gegner in der Nähe sofort aufmerksam wird, sondern sie entdecken einen auch umgehend in der meilenweit entfernten, getarnten Scharfschützenposition. Sie greifen gemeinsam an und der Tod ist praktisch unausweichlich.
Der ausgewählte Schwierigkeitsgrad entscheidet darüber, ob man Schüsse verfehlen kann. Das ist eine kniffelige Entscheidung. Die mittlere Schwierigkeitsstufe macht das Schießen aus dem Hinterhalt viel zu einfach. Ein roter Punkt zeigt die exakte Position der Kugel an und berechnet sogar Wind und Entfernung mit ein. Die höchste Stufe ist jedoch viel zu schwierig, denn es gibt keinen roten Punkt, aber der erste Schuss muss sitzen, wenn man nicht entdeckt werden will.
Die Stealth-Abschnitte fühlen sich teilweise wie das reinste Ratespiel an. Wenn man im Gras herumkriecht, kann man manchmal unentdeckt direkt neben den Feinden liegen (während man über das Funkgerät gleichzeitig einen lautstarken Streit mit dem Vorgesetzten führt, erstaunlich!). In anderen Momenten wird man schon aus der Entfernung erspäht, wenn man mehr oder weniger das Gleiche macht.
Trotz all unserer Beschwerden sollte man “Sniper: Ghost Warrior 2” in den Läden nicht komplett ignorieren. Das Abschießen der Feinde aus der Entfernung ist eine befriedigende Angelegenheit, weshalb diese Abschnitte sehr unterhaltsam sind. Genau wie das Vorgängerspiel dauert es aber nie lange, bis die doofen Schleichsequenzen sowie die schwachsinnige KI zurückkehren. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass diese Mängel bei „Ghost Warrior 3“ endlich verbessert werden.
Quelle: cvg