Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr

Sonic Generations

Man kann kein “Sonic Generations”-Review schreiben, ohne etwas Wehmütiges über seine persönliche Geschichte mit dem Spiel preiszugeben. In meinem Fall gibt es da viel zu erzählen. Ich hatte eine Mega Drive, liebte das Game und spielte es bis zur Erschöpfung. Der Menübildschirm schien mich mit seinen Anweisungen allerdings regelmäßig zu bestrafen.

Aber ich war gewillt, das hinzunehmen, denn das Spiel war einfach einzigartig. Es gibt nach wie vor nichts, was dem originalen 2D-Sonic nahe kommt – schon gar nicht der 3D-Sonic. Der blaue Igel und ich haben uns mit jedem weiteren Sonic-Abenteuer stärker auseinanderentwickelt. Bei „Sonic Generations“ handelt es sich um eine seltsame Wiedervereinigung. Eine, die sich als besser erwies als erwartet.

Bereits der Anfang von “Sonic Generations” ist brillant. Sonic und all seine Freunde feiern eine Geburtstagsparty. Plötzlich werden Sonics stets mutige Kameraden in den Strudel eines großen, schwarzen Dämons gezogen, der die Zeit zurückversetzt.

Es ist die Aufgabe des Spielers, die Freunde in der Gestalt von Sonic zu retten. Nach dem Zwischenfall auf der Party findet sich Sonic in einer klinischen, weißen Umgebung wieder und der Gamer muss durch seine Erinnerungen dafür sorgen, dieser schneeweißen Welt wieder Farbe zu verleihen.

Der Spieler hat auch einen Freund, der ihm behilflich ist. Es handelt sich dabei um eine hellblaue jüngere Ausgabe des beliebten Igels. Jede nostalgische Karte in dem Spiel hat zwei Versionen. Eine in 3D und eine in 2.xD. Sobald man beide Versionen durchgespielt hat, wird einer der Freunde befreit.

In Sachen Fan-Service bietet “Sonic Generations” ziemlich viel. Drei Level stammen vom originalen Sonic-Spiel, drei von „Sonic Adventure“ (für die Dreamcast) und „Sonic Heroes“ sowie drei von der aktuellen Generation rund um „Unleashed“. Das Spiel wird in der Green Hill Zone (wo auch sonst?) gestartet. Darauf folgt die Chemical Plant Zone und dann Sonic & Knuckles’ Sky Sanctuary Zone. Die überarbeiteten Level sind altbekannt, aber dennoch verschieden genug, um dem Spieler etwas Neues zu bieten.

Nachdem jede Welt wiederhergestellt wurde, indem beide Versionen durchgespielt werden, öffnen sich fünf komplett unterschiedliche Karten für jede Welt. Der neue Sonic hat hier Freunde, die ihm helfen. Amy ist mit ihrem Hammer zur Stelle, Knuckles gräbt nach Schätzen und Cream stellt einige Ringe in ansonsten ringlosen Level zur Verfügung.

90 Prozent dieser Karten können freiwillig gespielt werden. Um die Boss-Schlüssel zu erhalten, muss nämlich nur eine von zehn Herausforderungen pro Welt bewältigt werden.

Es werden extravagante 2.5D-Tricks geboten. Das Problem dabei ist jedoch, dass diese nicht besonders reibungslos ablaufen.

City Escape, ein Rückbezug auf “Sonic Adventure 2”, ist ein gutes Beispiel dafür. Beide Sonics haben ihre eigenen Versionen des Duells mit einem sich verwandelnden Lastwagen. Beide Level bieten viele Ideen und eine Menge Action. Sie machen beide Spaß und bieten eine ausgewogene Balance zwischen Herausforderung und Fairness.

Allerdings passiert mehr, als das Spiel scheinbar verarbeiten kann. In den herausfordernden Momenten, in denen viel geschieht, bricht die Bildrate dramatisch ein. Das ist für mich der Hauptkritikpunkt an diesem Game. Die Xbox- und PS2-Versionen des Spieles bieten hingegen wesentlich reibungslosere 2D-Versionen.

Die Gamer wollen keine Abstriche bei 60 fps hinnehmen. Wenn es ein Spiel gibt, bei dem ein reibungsloser Ablauf für das Erlebnis wichtig ist, dann sind das definitiv Sonic-Spiele. Nach wie vor ist es Teil des Sonic-Erlebnisses, dass der blaue Igel zu schnell rennt, als das der Spieler angemessen reagieren könnte. Um die Spitzen, die aus dem Boden ragen, vermeiden zu können, muss man sie bereits im Voraus sehen können.

Wenn man seine Level-Punkte auf dem Mega-Drive-Controller nutzt und den originalen Sonic freischaltet, ist es ein Schock, wieviel leichter dieses Unterfangen durch gute Pixel und glatte Rolleffekte für die Augen wird.

Dieses Problem ist in den 3D-Leveln wesentlich geringer. Dort geschieht in allen Richtungen so viel auf einmal, dass ruckelartige Momente wesentlich schwächer wahrgenommen werden. Die in den Leveln steckende Kreativität hat es überraschenderweise zustande gebracht, dass ich den neuen Sonic seinem Original vorziehe. Wenn also „Sonic Generations“ etwas geschafft hat, dann diese kleine Unmöglichkeit, wahr zu machen.

Das Level-Design ist in diesem Fall wirklich gewaltig. Es gibt so viele potenzielle Pfade und Bonus-Bereiche, die einen am Ende des Levels oft das Gefühl geben, dass man lediglich an der Oberfläche der Welt gekratzt hat. Die fünf roten Sternenringe, die in jedem Akt zu finden sind, erweisen sich als schier unerreichbar. Man möchte es immer und immer wieder versuchen, bis man sie erwischt.

Wenn man seine Ringe bei einer Falle aus Spitzen verliert, ist das wirklich ärgerlich. Wenn man dann auch noch bemerkt, dass es einen besseren Pfad gegeben hätte, fängt „Sonic Generations“ an zu wirken. Es ist die pure Provokation gegenüber Perfektionisten.

“Sonic Generations” ist voller Momente, in denen sich der Spieler auf gefährlicheren Routen mit weniger Belohnungen wiederfindet. Dann sagt man zu sich selbst: „Nächstes Mal werde ich mich daran erinnern.“

Der Schwierigkeitsgrad der Level ist gut gelungen. Während die ersten sechs Level relativ einfach zu meistern sind, erweisen sich die mittleren drei bereits als größere Herausforderung und die letzten drei sind einfach nur als „draufgängerisch“ zu bezeichnen.

Crisis City verlangt dem Spieler mehr als nur einen Versuch ab und der Gamer wird anfangen, Sonics langsame Beschleunigung zu Beginn zu hassen.

Neben Chaos Emeralds (die man durch die Machtproben mit Sonics Rivalen Shadow und Silver sowie altbekannten Boss-Gegnern wie Death Egg Robot und Perfect Chaos erhält) bietet „Sonic Generations“ weitere Anreize für Sonic-Fans. Das Spiel drückt ungemein auf die Nostalgie-Drüse der Gamer und schafft es so, sein Ziel zu erreichen.