Tests24. April 2012 , 01:04 Uhr

SoulCalibur V

„SoulCalibur V” bringt eine eine lange Tradition mit sich: Der fünfte Teil ist eine Überraschung und bietet radikale Änderungen für Namco Bandais Kampfserie.

Alles ist genauso aufwendig und übertrieben wie gewöhnlich. Jedoch hat man das Kampfsystem sorgfältig überarbeitet. Sein größter Einfluss: „Street Fighter“. Dies wird vor allem bei ’Critical Edge’-Bewegungen deutlich, die jetzt grundlegend ‚Ultra Combos’ genannt werden. Bei vorhergehenden „SoulCalibur“-Versionen war der ‚Critical Edge’-Angriff eine komplizierte Tastenfolge, die exakt im richtigen Moment und darüber hinaus für jeden Charakter unterschiedlich gedrückt werden musste. Jetzt ist ‚Critical Edge’ eine Kombination aus drei Tasten für jeden Charakter, der aktiviert werden kann, sobald ‚Soul Gauge’ halb voll ist.

Dies ist eine gewaltige Veränderung des Kampfsystems von “SoulCalibur V”.

„SoulCalibur“-Veteranen könnten eventuell die Komplexität der alten ‚Critical Edge’-Angriffe vermissen, aber nachdem das System mit einer breiteren Auswahl an Fähigkeiten erweitert wurde, kann darin nur ein Vorteil gesehen werden. Bei den großen Kämpfen geht es jetzt mehr um Timing und nicht mehr nur um die Ausführung. Und natürlich ist es möglich, diese Angriffe zu stoppen, um dann den Gegner grün und blau zu schlagen.

Der alte Wächter

Eine weitere, weniger offensichtliche, aber wesentlich umfangreichere Veränderung ist das Verteidigungssystem. Dieses wurde ebenfalls überarbeitet. Die erste Veränderung ist der Zusatz von schnellen Schritten (Quick Step), indem man zweimal auf die Rauf-und-runter-Taste drückt. Dies macht ausweichende Angriffe um einiges einfacher und ist sehr nützlich bei langsamen Gegnern. Die Block-Taste funktioniert wie immer, aber die alte ‚Guard-Impact’-Bewegung wurde in zwei verschiedene Optionen aufgeteilt.

Der neue ‚Guard Impact’-Angriff funktioniert wie der Fokus-Angriff bei „Street Fighter IV“. Man drückt drei Tasten auf einmal um anzugreifen. Wenn der Gegner angreift, wird der Schlag abgedämpft und doppelt oder dreifach zurückgeben. Das verbraucht 25 Prozent des ‚Soul Gauge’, doch ist nützlich, wenn der Gegner einen bombardiert. Das Blocken ist mit der normalen Block-Taste verbunden und funktioniert, indem man diese kurz vor dem Anschlag drückt und nicht hält. Daher hat die Funktion den eher langweiligen Ausdruck ‚Just Guard’.

Der Zeitablauf dieser Funktionen ist ziemlich genau und die Vielseitigkeit von Bewegungen und Kampfstilen in „SCV“ bedeutet, dass es lange dauern kann, bis man diese beherrscht.

Man sieht den Einfluss von „Street Fighter“. Die Veränderungen von ‚Critical Edge’ und die neue Verteidigungsoption gibt den Kämpfen von „SoulCalibur V“ eine Unmittelbarkeit, welche das Game bisher kaum hatte. Das Spiel erhält ein Stück mehr Unberechenbarkeit und macht das anspruchsvolle Gegenspiel zugänglicher. Ryu und Co. sind damit einen mutigen Schritt nach vorn gegangen.

Der Kampfstil eines jeden “SoulCalibur”-Charakters ist größtenteils an seine Waffenwahl gebunden. Speere werden aus der Ferne abgeschossen, Nunchakus kommen im brutalen Nahkampf zum Einsatz, gigantische Hammer sind schwer, aber effektiv. Die Protagonisten von „SCV“ bieten eine breite Auswahl. Es ist die bei Weitem facettenreichste Serie, die man seit Langem gesehen hat. Die wiederkehrenden Charaktere wurden verbessert, während neue Charaktere tatsächlich neu sind.

Zum Beispiel hatte Nightmare (der Hauptgegner der Serie) in jedem Teil ein anderes Antlitz. In „SCV“ wurde wieder zum Ursprung zurückgegangen: ein Ritterkörper, eine Klauenhand und in der anderen Hand ‚Soul Edge’, das Schwert, welches eine groteske Klinge mit einem gelben Auge genau in der Mitte ist. Die tödlichen Bewegungen von Nightmare werden mit einem bestialischen Gebrüll und einem Grunzen unterlegt, dass man eine Gänsehaut bekommt. Die Klangeffekte wurden wirklich gut durchdacht.

Die leuchtende Seele

Die Art und Weise wie Nightmare kämpft, wurde auch visuell umgesetzt. Der Fokus liegt auf ‚Soul Edge’. Es schwingt in gigantischen Lichtbögen um seine Gegner herum, zermalmt Feinde und trifft mitten ins Schwarze. Gefangen in einer Reihe von Hieben, kann es mehr als die Hälfte des Gesundheitsstatus wegnehmen. Die Angriffe sind schonungslos.

Der neue Charakter Z.W.E.I. hat im Vergleich ein wesentlich kürzeres Schwert in seiner Hand. Es stößt nach vorn, sucht nach Lücken und beendet den Kampf mit einer Serie von bösartigen Anschlägen. Xiba kämpft mit einem Bo und geht damit äußerst leichthändig um. Das Schlangenschwert von Ivy peitscht den Gegner vor und zurück wie ein drehender Kreisel. Die Katana-Schläge von Mitsurugi sind genauso elastisch wie auch verheerend. Alle Waffen sind mit einer Liebe fürs Detail, großer Vorstellungskraft und einer Menge an Fähigkeiten animiert wurden.

„SCV“ legt großen (zu großen) Wert auf die Handlung, welche um einiges länger ist als für ein gewöhnliches Kampfspiel üblich. Das betrifft die Zahl der Gegner als auch die Videosequenzen zwischen den Kämpfen. Die Kampagne führt in die Charaktere des Spiels ein, bietet die Möglichkeit die Charaktere zu wechseln und bringt sie wenigstens einmal auf den Bildschirm. Es gibt außerdem über 20 erstklassige Hintergründe für die Gefechte. „SCV“ bietet hinsichtlich des Inhalts viel.

Die Geschichte konzentriert sich auf Patroklos und Pyrrha, ein lange verschollenes Geschwisterpaar. Ziemlich bald stellt sich heraus, dass die Waffen ‚Soul Edge’ und ‚Soul Calibur’ zurück sind und es folgt eine Zeit der Dunkelheit, es sei denn man schlägt einige Typen zusammen.

Ein gelungener Kampf-Charakter ist eine ausgefallene Figur mit einer übergroßen Personalität, der einige Kampfsportarten beherrscht. Hier verdirbt jedoch die überlange Geschichte die Lust am Spiel. Jedes Gespräch wirkt am Ende lächerlich. Man will eigentlich nur spielen, kommt aber kaum dazu. Kampf-Games sind einfach nicht der richtige Kontext für eine überlange Story mit regulären Videosequenzen und „Call of Duty“-ähnlichen Phantasien.

Aber die ganze Geschichte kann übersprungen und der Modus auf gewöhnliche Kämpfe reduziert werden. Dann kann sich das Spiel recht gut behaupten.

Während der Kämpfe kann man immer weitere Optionen und Gegenstände freischalten und seine Kämpferliste erweitern. Man wählt im Verlauf des Spiels einen grundlegenden Kampfstil oder eine Charaktermaske und kann die Standardangaben verändern. Aber Vorsicht, das ist ein versteckter Zeitfresser.

Obwohl „SCV“ seltsamerweise ein Spiel für Einzelspieler sein soll, ist es ein mutiger Schritt für die Serie. Auch wenn der Zorn der Fans aufgrund der Erweiterungen riskiert wird. „SoulCalibur“ war schon immer bekannt dafür, ein visuell attaktives Spiel zu sein. Die Charakterliste von „SCV“ wurde mit einem sauberen und sparsamen Design überarbeitet, wie zum Beispiel bei Siegfried und Mitsurugi. Diese bleiben kultig, aber es wurden Kinkerlitzchen über Bord geworfen.

Unterm Strich bietet „SoulCalibur V“ einen super Kampf. Es ist rascher als seine Vorgänger und kann ganz gewiss einfacher in Angriff genommen werden. „SCV“ behält den speziellen Geschmack der Serie bei. Die Waffen machen die Kämpfe schneller und tödlicher, und in Schlachten kann ein einziger Ausrutscher alles beenden. Die Mischung aus Spannung und rasender Gewalt ist wirksamer als zuvor. Das Game war zwar nie verschollen, doch „SoulCalibur V“ fühlt sich wie ein Comeback an.