Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr
Star Wars: The Old Republic
Angesichts von Patches und Updates kann man auch nach 100 Stunden kein endgültiges Urteil zu einem MMO wie „Star Wars: The Old Republic“ abgeben. Hier lest ihr, was wir zurzeit von BioWares ambitioniertem Online-RPG halten.
Eines der fesselndsten Elemente von “The Old Republic” ist definitiv die Spielewelt. Trotz der wenig überzeugenden Vorgängerspiele lieben die Fans „Star Wars“ nach wie vor und möchten auch weiterhin ein Teil dieses Universums sein. Genau das bietet „The Old Republic“ von Beginn an. Der Spieler bekommt von Anfang an die Möglichkeit geboten, sich wie ein waschechter Star-Wars-Charakter zu fühlen.
Jede Klasse (mit Ausnahme der imperialen Agenten, die im Grunde die „James Bonds des Weltalls“ sind) repräsentiert einen Archetyp der Originalfilme. Man kann ein gewitzter Schmuggler samt Wookiee-Begleitung sein, ein nobler Jedi, der die helle Seite der Macht erforscht, ein erbarmungsloser Kopfgeldjäger, der Kriminelle über die Galaxie hinweg verfolgt oder sich für einen bösen Sith-Lord entscheiden.
Ein weiteres Element, mit dem “The Old Republic” punkten kann, ist, dass es typisches MMO-Gameplay mit Singleplayer-Elementen mischt. In seinem Kern ist es wie jedes andere Online-Rollenspiel, allerdings wird ihm durch die Geschichte (interaktive Dialoge, verzweigte Pfade) zusätzliches Gewicht verliehen.
Während wir die meisten textbasierten Dialoge in “World of Warcraft” bei Level 40 bereits übersprungen haben, waren wir selbst bei Level 50 nach wie vor gebannt von „The Old Republic“. Allerdings sind nicht alle Dialoge und alle Elemente der Geschichte Top-Qualität (obwohl damit immer noch die Konkurrenz in den Schatten gestellt werden kann). Alderaan ist zum Beispiel sehr ermüdend und wiederholt lediglich die abgestumpfte “Weltraum-Politik” der mittelmäßigen Vorgängerspiele.
Natürlich werden auch in “The Old Republic” vor allem Feinde im Auftrag anderer um die Ecke gebracht. Dass aber jede Mission mit einem Plot endet und eine Vielzahl verschiedener Folgen nach sich ziehen kann, macht die unglaubliche Faszination dieses MMOs aus. Dass selbst die Nebencharaktere voll vertont sind, haucht der Geschichte zusätzliches Leben ein.
Jeder Planet hat seine eigenen Probleme und Konflikte. Der Spieler findet sich inmitten davon wieder und kann sich entscheiden, entweder die Republik oder das Imperium zu vertreten. Als ein Sith kann der Gamer zum Beispiel der imperialen Armee dabei helfen, eine Sklavenrevolte niederzuschlagen oder einen Aufstand zu zerschlagen.
Dennoch gibt es in diesem Star-Wars-Universum keine strenge Trennlinie zwischen Gut und Böse. Es ist möglich, ein Sith zu sein, der die helle Seite der Macht vertritt oder als ein Jedi mit fraglicher Moral durch das Universum zu ziehen.
Punkte für die helle beziehungsweise dunkle Seite erhält der Spieler für seine Handlungen und die Dialogauswahl, die er in den Zwischensequenzen trifft.
Die Macht der Spieler
Die Geschichte ist umfangreich genug, um theoretisch das gesamte Game alleine spielen und es dennoch genießen zu können. Allerdings wird man dadurch auch eine Menge verpassen. Wir können natürlich nicht für andere Server sprechen, aber auf Nightmare Lands ist die Gemeinschaft unglaublich freundlich und hilfsbereit.
Sobald der Spieler mit einem Boss-Gegner Probleme hat, reicht ein schneller Hilfeschrei über den Chat und jemand wird einem zu Hilfe kommen. Es ist auch von Vorteil, einer Gilde anzugehören, da man Teams formen und Entdeckungen mit anderen Mitgliedern teilen kann.
Reguläre Missionen können von dem Spieler alleine fertiggestellt werden, allerdings gibt es zwei Typen von Aufgaben, die vor allem für Gruppen gedacht sind: Flashpoints und Heldenquests. Letztere sind eigentlich ganz normale Quests, allerdings mit wesentlich schwereren Feinden und Mini-Boss-Gegnern.
Um diese zu bestehen, muss der Spieler eine Gruppe von bis zu vier Gamern (je nach Schwierigkeitsgrad) bilden. Im Chat fragen andere Spieler immer wieder nach Mitstreitern, um diese Quests abzuschließen. Als Belohnung winkt eine große Beute und viele Punkte.
Flashpoints sind etwas unterhaltsamer. Dabei handelt es sich um unabhängige Missionen für eine Gruppe von vier Spielern mit einem starken Fokus auf die dahinterliegende Geschichte. Hier findet der Spieler tolle Beute, Zwischensequenzen und NPCs. Unterm Strich sind diese Missionen wie traditionelle Game-Level mit eigenen Geschichten in einer jeweiligen Umgebung.
Während die Flashpoints zwar eine Menge Spaß machen, sind sie auch das größte Problem von “The Old Republic”. Frühe Flashpoints fühlen sich einzigartig an, bei fortgeschrittenem Level ändert sich das allerdings. Plötzlich sind die Zwischensequenzen ohne Dialog und die Umgebungen sind bereits von früheren Teilen des Spieles bekannt. Die Flahspoints sind dann lediglich etwas bessere Heldenquests, in denen man gegen eine Welle von Feinden und Boss-Gegnern ankämpft.
Diese Flashpoints nutzen die Stärke des Spieles nicht mehr völlig aus. Zukünftige Updates werden allerdings neue Flashpoints bieten und wir hoffen, dass BioWare jeden dieser neuen Flashpoints wieder zu einem einzigartigen Erlebnis macht.
Krieg der Klone
Wenn man sich die Dialoge und den Handlungsstrang von „The Old Republic“ wegdenkt, dann unterscheidet es sich nicht mehr besonders von anderen MMOs. Es orientiert sich sehr stark an „World of Warcraft“, benutzt die gleiche Terminologie und selbst spezifische Kampftaktiken werden von Azeroth abgekupfert.
Die Spieler im Chat reden im gleichen Stil wie sie es bei „WoW“ machen und haben manchmal sogar dieselben Benutzernamen. Das stört beim Eintauchen in das Spiel und dämpft das Star-Wars-Erlebnis.
Die Benutzeroberfläche, die Steuerung, die Kämpfe, die Missionsstrukturen, das Level-Design und die Boss-Gegner sind das pure „WoW“-Erlebnis. Das bedeutet, dass das Spiel ein unglaublich kompetentes MMO ist, bei dem Elemente, die Blizzard über Jahre hinweg verfeinert hat, ausgeborgt werden. Allerdings ist das auch ein Zeichen für eine Identitätskrise.
Jene Gamer, die noch nie “World of Warcraft” gespielt haben, wird das natürlich nicht stören. Glücklicherweise vernebeln das Dialogsystem und die Sprachausgabe die starken Einflüsse von „WoW“ stark genug, um im Allgemeinen über die Ähnlichkeit hinwegzutäuschen.
Allerdings bekommt man während des Spieles immer wieder Flashbacks und erinnert sich daran, wie man in Blizzards Spiel exakt die gleichen Dinge gemacht hat.
Vielversprechende Zukunft
Normalerweise sind MMO-Veröffentlichungen ein Desaster und von Server-Ausfällen und Fehlern gespickt. Verglichen mit anderen, lief bei „The Old Republic“ allerdings alles auffallend glatt. Das größte Problem (abgesehen von ein paar Bugs, die allerdings schnell durch Updates behoben wurden) waren zu Beginn die Wartezeiten auf den Servern. Aber auch das wurde mittlerweile behoben.
Es wird spannend zu sehen sein, wie das Spiel sich in ein paar Jahren präsentieren wird (vorausgesetzt natürlich, dass es das „TOR“ bis dahin noch gibt, denn bei MMOs kann man nie wissen).
Für alle Spieler, die noch nie ein MMO gespielt haben, ist mit „The Old Republic“ auf jeden Fall der passende Zeitpunkt dafür gekommen. Das Star-Wars-MMO hat genug Ähnlichkeiten mit einem Singleplayer-RPG, um neue Spieler langsam an die Umgebung eines MMOs zu gewöhnen und kann auch von Einzelgängern, ohne Abstriche beim Unterhaltungsfaktor hinnehmen zu müssen, gespielt werden. Außerdem bietet es eine unglaublich große Welt.
Selbst wenn man keine monatliche Mitgliedschaft abschließen möchte, kann man den ersten Monat kostenlos spielen, wenn man sich das Game zulegt. Davon kann man sich zahlreiche Stunden Rollenspiel-Unterhaltung erwarten, ähnlich wie es „Skyrim“ bietet.
Wenn BioWare seine Identitätskrise übersteht und “Star Wars: The Old Republic“ durch künftige Updates einzigartiger macht, könnte sich das neue Star-Wars-Game als eines der besten MMOs auf dem Markt erweisen. Momentan ist das Spiel „lediglich“ exzellent und ein mutiges Experiment, innerhalb dessen eine wertvolle Geschichte mit dem Online-Erlebnis verbunden wird.