Tests19. April 2012 , 02:04 Uhr
Super Mario 3D Land
Das größte Unrecht in der Geschichte des modernen Gamings ist wohl der Erfolg von 2D-Mario gegenüber seinem 3D-Pendant. Während „Super Mario Galaxy“ mit dreidimensionaler Spielmechanik in die Tiefen der menschlichen Vorstellung vordrang, geht „Super Mario 3D Land“ auf Nummer sicher.
Warum sollte man die Spieler nach unten, oben, links und rechts schicken, wenn sie lediglich linear vorankommen wollen? Nintendo zufolge ist das das Problem bei 3D-Spielen: Obwohl die Menschen sich jeden Tag im realen Leben in einer 3D-Umgebung befinden, können sie das im Spiel nicht umsetzen.
“Super Mario 3D Land” soll die Lösung darstellen oder versucht es zumindest. EAD Tokyo hat mit diesem Spiel die dritte Dimension in 2D-Ideen gepackt.
Grundlegend spricht das Spiel die gleiche visuelle Sprache wie Teil 1 oder 3 von “Super Mario Bros.“. Zerstörbare Mauern, Fragezeichen-Blöcke und bodenlose Gruben spicken den Weg bis zur Fahnenstange. Mario wird durch einen Treffer kleiner und nimmt durch einen Pilz an Größe zu. Außerdem bietet „Super Mario 3D Land“ ebenso wie „SMB3“ wieder ein Tanuki-Kostüm, wodurch Mario das Aussehen eines Waschbärs erhält, und Notenblöcke. Das Spiel sagt also: „Seid nicht ängstlich 3D-Verweigerer. Ihr kennt das bereits!“
Außerdem finden sich zahlreiche Versuche, um neuen Gamern den Einstieg zu erleichtern. Auf große Landmassen wurde zugunsten linearer Kurse verzichtet und Seitenwege bieten Möglichkeiten, Sternemedaillen und 1-Ups einzusammeln.
Bei “Super Mario 64” kann die Kamera gedreht werden, damit die komplexen 3D-Umgebungen einfacher gehandhabt werden können. Bei „Super Mario 3D Land“ kann die Kameraperspektive lediglich minimal nach rechts oder links korrigiert werden. Die Spieler werden also nicht durch verschiedene Kameraeinstellungen überfordert.
Unserer Meinung nach hat bereits “Super Mario Galaxy 2” in diese Richtung gewiesen.
Der Punkt ist, dass linear keineswegs als Synonym für einfach missverstanden werden darf. Das Problem ist jedoch, dass das Wort „einfach“ die erste Hälfte des Landes durchaus gut beschreibt.
“Super Mario 3D Land” bietet die einfachste Mario-Kampagne seit “Super Mario Land 2”. Das liegt daran, dass ständig Power-Ups zu finden sind. Das Tanuki-Power-Up steht in fast jedem Level zur Verfügung und erleichtert das ansonsten teuflische Leveldesign.
Ein wahrer Nachteil ist jedoch die Länge der Level. Diese sind so kurz, dass man sie schon fast als Mikrolevel bezeichnen könnte.
Die Zeitanzeige bietet 400 Sekunden für ein Level und man schafft es bereits bei 200 Sekunden das Ende des Levels zu erreichen. Die Kurzweiligkeit verhindert, dass die Level als eine echte Herausforderung wahrgenommen werden. Während bei „Galaxy“ anfangs noch ein spielerisches Level geboten wird, das dann zunehmend gesteigert wird, findet in „Super Mario 3D Land“ nicht einmal der Versuch statt, etwas mutiger zu sein.
Auf den ersten Wegstrecken sind die Level verlockend und die Vielfalt wird immer größer, bis Mario dann abrupt mit der Fahnenstange kollidiert. Man erwacht mit dem Gefühl, dass irgendetwas zu kurz gekommen ist.
Für Hardcore-Gamer werden die Kampagnen von “Super Mario 3D Land” jedoch nicht besonders befriedigend sein. Wir haben alle Level durchgespielt, alle Sternenmedaillen eingesammelt und 90 Extraleben erhalten. Das alles in lediglich vier Stunden.
Zum Glück ist “Super Mario 3D Land” jedoch ein Spiel, das aus zwei Hälften besteht. Nachdem man die acht Welten geschafft hat, öffnen sich nämlich acht weitere Spezialwelten. Letztere bieten Adrenalin pur. Die Level sind voller Feinde, das Zeitlimit veranlasst zum Hochleistungssprint und zudem kehrt Schatten-Mario zurück. Dieser befindet sich immer einen Schritt hinter unserem Helden.
Einige der neuen Kurse bieten dann endlich die bis dahin vermissten Extreme. Das Erklimmen von beweglichen Stufen und das Steuern von Plattformen auf nervenaufreibenden Strecken erinnern an „Super Mario Galaxy“ und lassen das Spielerherz höher schlagen.
Auch Flip-Swap und die sogenannten Beat-Blöcke, die je nach Musikrhythmus erscheinen beziehungsweise verschwinden, sind zu finden. Bei den Flip-Swaps muss Mario einen seitlichen Salto machen, um die Plattformen erscheinen zu lassen, auf denen er landen möchte.
Spätere Levels geben den veränderten Bewegungen, die dieser Mario mit sich bringt, einen Sinn. Zuvor fühlten sich das Fehlen des Dreisprungs und die reduzierte Geschwindigkeit wie eine unnötige Attacke gegen akrobatische Ausgelassenheit an. Wir lagen falsch.
3D-Mario ist einer für alle Fälle. Er lässt sich von neuen Gamern einfach steuern und bietet auch alteingesessenen Fans des Klempners ein nostalgisches Mario-Gefühl.
Es werden allerdings mehr als 16 Welten benötigt, um uns vom sogenannten Dash-Button (mittels dem Mario rennt) zu überzeugen. Drückt der Spieler auf die Y-Taste, legt Mario einen Zahn zu. Wir hatten den Button die meiste Zeit gedrückt und dachten uns, wenn man die Taste andauernd benutzen muss, könnte man Mario von vornhinein schneller gehen lassen und sich diese Drückerei ersparen. Ohne die Beschleunigung zeigt der Klempner nämlich, dass er bereits 26 Jahre auf dem Buckel hat. Schnelleres Vorankommen erweist sich jedoch in vielen Situationen als unverzichtbar.
Nintendo bezieht den Speedrun auch bei StreetPass ein, wodurch man seine Bestzeiten mit anderen Spielern vergleichen kann. Die kurzen und verzweigten Level und der Dash-Button bekommen dadurch Sinn. Was mit gemäßigtem Tempo ziemlich einfach erscheint, wird zu einer rasierklingenscharfen Jumb-‚n’-Run-Meisterleistung wenn man an Geschwindigkeit zulegt.
Die Welten in langsamerem Tempo zu spielen, hat auch seine Vorteile. Hinter der Fahnenstange und den Sternenmedaillen liegt eine abwechslungsreiche Welt.
“Super Mario 3D Land” führt die Tradition von “Galaxy” fort, wenn die Umgebung in jedem Level eine andere ist.
Der Spieler könnte sich jede Minute auf einem elastischen Hochseil mit Fuzzys konfrontiert sehen oder sich aus einer Kanone schießen lassen. Auch ein überdimensioniertes Piano wird dem Gamer geboten. Die 3DS hat die Vorstellungskraft von EAD Tokyo jedenfalls nicht eingeschränkt. Sogar für eine Hommage an „Zelda“ wurde Platz gefunden. Ein Tipp: Benutze die Feuerblume.
Erwähnt werden muss auch die Propeller-Box, mit der Mario dank der Rotorblätter abheben kann.
Dass Mario damit in die Lüfte steigen kann, haben sich die Designer zunutze gemacht. Plattformen in der Größe einer Briefmarke hängen über bedrohlichen Abgründen. Das sind Situationen, in denen dem Spieler das Herz wahrlich in die Hose rutscht. Wenn sich dann noch zahlreiche Para-Gumbas auf der Plattform tummeln, droht ein Herzstillstand. Dank des 3D-Designs werden diese Szenen nochmals intensiver erlebt, sie bieten neben einer guten Darstellung auch zusätzlich Nervenkitzel.
“Super Mario 3D Land” kann das 3D in seinem Namen mit Stolz tragen. Konstante Kamerawechsel fangen die Handlungen auf sehr gute Art und Weise ein. Wenn Mario in den Abgrund stürzt, schielt die Kamera ihm hinterher, sie ist an seiner Seite wenn ihm Kolben ins Gesicht fliegen und zeigt Mario im Geschosshagel von hinten.
Aber letztendlich machen die Gegner “Super Mario 3D Land” zu dem was es ist. Cheep-Cheeps, Kugelwillis, Piranha-Pflanzen und Bowsers Feuerbälle sollen Mario davon abhalten, Prinzessin Peach aus den Fängen von Bowser zu befreien. Und just zu dem Zeitpunkt, wo es in kitschigen Nervenkitzel ausartet, eröffnet die Welt einen geheimen Raum, der nur in 3D erlebt werden kann. Ein wirklich cleverer Einfall.
Die 3D-Tiefen erweisen sich als perfekt, denn sie machen die Welten von „Super Mario 3D Land“ noch fühlbarer. Nur wenige Spielewelten fühlen sich so solide an. Gestalterisch betrachtet ist „Super Mario 3D Land“ momentan wohl das beste 3DS-Spiel.
Technische Einschränkungen lassen das 3DS-Spiel zwar nicht im gleichen Licht wie „Mario Galaxy“ erstrahlen, allerdings zeigt bereits der häufige Vergleich von „Super Mario 3D Land“ mit dem Wii-Meisterstück „Galaxy“, dass es durchaus gelungen ist. Die Musik von „Super Mario 3D Land“ schafft es allerdings bei Weitem nicht an Stücke wie „Gusty Garden“ des Galaxy-Spieles heran.
Das ist zusammengefasst auch das Hauptproblem von “Super Mario 3D Land”: Es wird damit eine Welt betreten, die von vorangegangenen und brillanten Mario-Spielen vorbelastet ist.
Im direkten Vergleich wird das 2D/3D-Spiel immer den Kürzeren ziehen. Galaxy-Fans könnten den Kauf als Geldverschwendung empfinden und für Anhänger von „New Super Mario Bros.“ wird es wohl zu zahm sein. Der Versuch, allen zu gefallen, ist so gesehen nicht gelungen. Es ist ein Spiel, das aus vielen kleinen Teilen besteht, und dadurch nicht als Ganzes funktioniert.
Die erste Hälfte des Spieles fühlt sich zumindest so an. Das macht das Spiel nicht weniger liebenswert, aber man fühlt sich etwas veräppelt.
Die zweite Hälfte reißt das Spiel jedoch wieder heraus. Die Zeitlimits lassen die früheren, leichten Level in neuem Licht erscheinen.
Koichi Hayashida, der Spiele-Direktor von “Super Mario 3D Land” bezeichnete das Spiel als Hamburger im Vergleich zu dem Festtagsschmaus „Super Mario Galaxy“. So würden wir es zwar nicht unbedingt ausdrücken, aber klar ist auf jeden Fall, dass „Super Mario 3D Land“ etwas überteuert ist. Trotzdem ist das Spiel diese Sünde wert.