Tests14. September 2012 , 09:09 Uhr

Tekken Tag Tournament 2

Momentan vergeht kaum ein Monat ohne das Erscheinen eines weiteren Kampfspieles. Wie soll sich einer all diese Systeme, Kombos und Charaktere merken können?

Kampfkomödie

Namco war sich dieser gnadenlosen Überflutung anscheinend bewusst. Das Unternehmen entschied sich deshalb, „Tekken“ zu etwas machen, für das es schon immer bestimmt war: die erste Kampfspiel-Komödie. Alles in „Tekken Tag Tournament 2“ ist lustig. Die Hintergründe sind exzentrisch bis urkomisch. Die Mitgliederliste ist verrückt: Zum Ausgleich jedes „normalen“ Karate- oder Judotypen gibt es einen riesigen Bären oder Dinosaurier. Die Anpassungsoptionen sind so stark, dass man sich mit einem nassen Fisch in der Hand und einer Propellermütze in das Gefecht stürzen könnte, ohne dass auch nur jemand mit der Wimper zucken würde.

Trotz dieser spaßigen Seite wird uns mit dem Spiel eine Best-of-Sammlung geboten. Es handelt sich um das schnellste, direkteste und plastischste „Tekken“-Game in der glanzvollen Geschichte der Serie. Die Bewegungen sehen alle aus, als würden sie große Schmerzen hervorrufen und sie klingen auch so. Jeder abgewehrte Schlag wird durch einen metallisch-blauen Rauchstoß sowie ein hämmerndes Geräusch des Subwoofers unterstützt.

Durch die Dynamik des Zwei-gegen-Zwei-Modus wird der Action ein neuer Schwung verpasst. Das Ganze läuft aber weniger dramatisch ab als beispielsweise in „Marvel vs. Capcom“ oder „Street Fighter X Tekken“. Es wird das Vier-Tasten-System verwendet, das es schon immer gab. Diejenigen, die mit der „Eisernen Faust” vertraut sind, können mit Kombos um sich schlagen, als befänden sie sich wieder im Jahr 1996. Die Teamkameraden werden sehr sparsam ausgetauscht, eigentlich nur, wenn sie Probleme haben. Es ist außerdem möglich, dass man komplett alleine als einsamer Wolf gegen ein Zweierteam kämpft.

Wutanfälle

Wenn ein Kämpfer dem Tode gefährlich nahe kommt, kann dessen Partner einen „Wut-Modus” aktivieren. Dieser macht seine Angriffe um einiges stärker. Dieses System zwingt einen zu mehr Tags, ist aber sicherlich kein strategischer, komplizierter Balanceakt. Mit der Verbesserung seiner Fähigkeiten kann man diesen Zorn in seine Attacken einfließen lassen. Man hat außerdem die Möglichkeit, mitten in einem Kampfgefecht den Charakter auszutauschen. Die Kombination dieser Möglichkeiten wird deine Gesundheit davor bewahren, zu schnell zu sinken.

Außerhalb des Ringes bietet „Tekken Tag Tournament 2” eine großartige Auswahl an Onlineoptionen. Außerdem gibt es das Kampflabor als ausgefallene und witzige Singleplayerkampagne. Hier übernimmt man die Rolle eines Kampfroboters, der verschiedene Bewegungsabläufe der anderen Charaktere auswählen kann und sich so zu einer Hybrid-Todesmaschine entwickelt.

Es handelt sich um das erste traditionelle Kampfspiel, bei dem die Spieler mit einer Art „Erstelle deinen Kämpfer”-Modus herumspielen können. Gewöhnlich taucht das eher bei Wrestlingtiteln auf. Das Ganze wird durch alberne Zwischenvideos unterlegt und vermittelt einem insgesamt ein Gefühl von Übermut. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Die größte Freude kommt auf, wenn man sich mit Freunden im gleichen Zimmer prügelt und über dem heftigen Klicken der Eingabegeräte deren Seufzer oder Jubelrufe vernimmt.

„Tekken Tag Tournament 2” bietet im Vergleich zu seinen Vorgänger nicht genug Mehrwert, um einen besonderen Status zu beanspruchen. Es ist jedoch fraglos ein weiteres beeindruckendes Werk eines Teams, das schon sehr lange in der Branche arbeitet. Das Game soll nicht nur Hardcorefans befriedigen. Wie schon zuvor „Street Fighter IV” soll „Tekken“ an die guten alten Zeiten erinnern und alle motivieren, die digitales Kämpfen in den 90ern aufgegeben haben. Die Kampfspielbranche mag vielleicht am einbrechen sein, aber „Tekken Tag Tournament 2” hat genug Persönlichkeit und besitzt die wesentlichen Qualitäten, um sich darum nicht kümmern zu müssen.