Tests4. April 2013 , 12:04 Uhr

“The Elder Scrolls Online” – Ein erster Test

Bei einer Präsentation der Zenimax Online Studios warteten die “The Elder Scrolls Online”-Entwickler bis zur letzten Sekunde, um die wichtigste Info zu liefern. Kurz gesagt: Das Spiel wird einen vollständigen First-Person-Modus im „Elder Scrolls“-Stil bieten. Auf diese Ankündigung hat wahrscheinlich der Großteil der Fans schon immer gewartet.

Ich konnte den First-Person-Modus in der mir überlassenen Version des Spiels leider nicht ausprobieren, aber bei der Präsentation wurde uns ein Video gezeigt. Es sah toll aus. Die Beschränkungen bei der MMO-Entwicklung bedeuten, dass “The Elder Scrolls Online” (“TESO”) aus technischen Gesichtspunkten nicht so beeindruckend aussehen kann wie “Skyrim”. Nachdem ich mich durch etwa zwei Zonen an Inhalten durchgearbeitet habe (was den ersten sechs Leveln in der Fraktion Daggerfall Covenant entspricht), habe ich viele einzigartige und interessante MMO-Aspekte entdeckt. Aber die First-Person-Momente machen das eigentliche Game aus.

Ich werde versuchen, die Eindrücke meines dreistündigen Probespiels so gut wie möglich zu schildern. Vorher muss ich aber sagen, dass ich besorgt an die Sache herangegangen bin und sie zufrieden beendet habe. „TESO“ liefert viele neue Ideen. Da ich nicht glaube, dass man einen bestimmten Gamertyp als “Elder Scrolls”-Fan bezeichnen kann, wird das Spiel wahrscheinlich manchen gefallen und anderen nicht. Wer in „Skyrim“ die meiste Zeit damit verbracht hat, Leute in ihren Betten zu ermorden oder Käseräder zu stapeln, könnte diese Dinge in „TESO“ vermissen. Wer etwas mehr auf Struktur gibt, für den könnte das neue Spiel genau das Richtige sein.

Minimalistischste Benutzeroberfläche aller MMOs

Die einzigen dauerhaft auf dem Bildschirm erscheinenden Gegenstände sind ein Fadenkreuz, eine Minikarte und ein kleiner Questfinder. Gesundheits-, Ausdauer- und Magickaleisten erscheinen nur während der Kämpfe oder wenn man verwundet ist. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf der Spielwelt. Es gibt keine Schadenseinheiten oder sonstige Indikatoren für Feinde. Man weiß nur, was tatsächlich auf dem Bildschirm passiert.

Die Dialoge finden in hereingezoomter First-Person-Perspektive ähnlich wie in “Skyrim” statt. Es gibt aber ein etwas ausführlicheres Dialogmenü, das eher an „Morrowind“ erinnert. Die Dialoge sind komplett stimmlich unterlegt, aber die Animationen der Gesichter sind noch etwas ungeschliffen.

Die Inventar- und Fähigkeitenmenüs folgen dem Trend von “Skyrim” und stellen so viel wie möglich in der Spielwelt dar. Ruft man eines der Menüs auf, zommt die Kamera auf den Charakter, der dann als Anziehpuppe für die Ausstattung fungiert.

Kein MMO-typisches Kampfsystem

Die Kämpfe finden nicht in für MMOs typische Runden statt. Wie in allen “The Elder Scrolls”-Spielen nach “Morrowind” schwingt man die Waffe (beziehungsweise schießt den Pfeil) mit der linken Maustaste und wehrt mit der rechten Taste ab. Hält man einen Angriff für eine Weile auf, wird ein kraftvollerer Schlag ausgeführt. Wenn man es schafft, die Powerattacke eines Feindes zu blocken, schockiert man sie und kann ihnen dadurch noch mehr Schaden zufügen.

Die Aktionsleiste zeigt sechs Schlitze für Fähigkeiten und bietet Raum für eine ultimative Fähigkeit. Diese konnte ich leider nicht ausprobieren, aber es handelt sich dabei um sehr kraftvolle Zauber. Die Ähnlichkeit zur Aktionsleiste eines traditionellen MMOs ist irreführend, da die Fähigkeiten in „TESO“ keinen Cooldown benötigen. Ob man Fähigkeiten ausführen kann, liegt allein an verfügbarer Gesundheit, Ausdauer und Magicka. Somit geht es bei den Kämpfen mehr um effektive Ressourcennutzung, anstatt sich einen bestimmten Kampfrhythmus anzueignen. Blocken, Sprinten und Ducken benötigen zum Beispiel Ausdauer.

Im Gegensatz zu vorherigen “Elder Scrolls”-Spielen müssen Zauber nicht in die Hand genommen werden, bevor man sie ausführt. Sie werden sofort ausgelöst. Somit werden die Kämpfe schneller, was einer der Hauptgründe dafür ist, dass sich “TESO” so anders anfühlt. Es sind sehr viele Zauber von sehr vielen Spielern zu erwarten. Trotzdem ähnelt das System eher einem Singleplayerspiel als einem MMO.

Schleichen ist weniger wichtig als in “Skyrim”

Mit der Steuerungstaste geht man in die Hocke und betritt den Schleichmodus. Damit kann man ohne bemerkt zu werden an feindlichen Siedlungen vorbeischleichen oder Quests ohne Gewalt beenden. Das Schleichsystem basiert auf der Sichtlinie und man muss deshalb etwas vorausplanen. Schleichen ersetzt den Mauszeiger durch ein Auge im “Skyrim”-Stil und zeigt an, wann man leicht entdeckt werden könnte.

Man kann auch Verkleidungen von Feinden plündern oder aus Camps stehlen. Dadurch kann man sich in feindlichen Gebieten ganz normal bewegen. Kommt man jedoch einer bestimmten Feindesart zu nahe, fliegt die Deckung auf.

Fähigkeiten

Das Fähigkeitensystem ist eine Mischung aus “Skyrim” und “Guild Wars 2”, wobei die ausgewählten Elemente verbessert wurden. Wie in „Skyrim“ wird entweder die Gesundheit, die Ausdauer oder das Magicka gestärkt, wenn man in ein höheres Level aufsteigt. Außerdem erhält man einen Fähigkeitenpunkt. Man beginnt das Spiel mit einer Auswahl an Fähigkeiten je nach Klasse, Rasse und Ausstattung. Hier ein paar Beispiele für die Waffengruppen:

- Zweihändig

- Einhändig plus Schild

- Zwei Waffen

- Bogen

- Stab der Zerstörung

- Stab der Heilung

Man schaltet neue passive und aktive Fähigkeiten frei, wenn man in eine Fähigkeitengruppe investiert. Aktive Fähigkeiten werden durch deren Benutzung aufgerüstet. Auf dem fünften Rang kann man einen weiteren Fähigkeitenpunkt zur „Verwandlung“ dieser Zauber und Fähigkeiten in eine von zwei Varianten verwenden.

Obwohl ein Charakter nur eine bestimmte Anzahl an Fähigkeitenpunkten zur Verfügung haben wird, können mit der Zeit mehrere Fähigkeitengruppen angesammelt werden. Mitglieder der Kämpfer- und Magiergilden bekommen zum Beispiel je nach Rang in diesen Fraktionen neue Fähigkeiten. Es gibt besondere Fähigkeiten für den Spieler-gegen-Spieler-Modus, wodurch auch spezielle Spielerzustände wie Vampirismus möglich sind. Das System ist unglaublich präzise, da es so ausbaufähig ist. Neue Fähigkeitengruppen fügen neue Optionen hinzu, ohne dass die Balance verschoben wird.

Die Kämpfer- und Magiergilden wird es beim Launch geben, während Diebe und Dunkle Bruderschaft später hinzukommen werden. Die Mitglieder der Kämpfergilde erhalten die Aufgabe, Daedra zu jagen und Molag Bals dunkle Anker aus Tamriel zu entfernen. Magier müssen Überlieferungen zur Geisterbeschwörung finden.

Kraftvolle Feinde, nahtlose Quests

Die Nichtspielercharaktere in “TESO” führen ein plangesteuertes Leben, das auf den Spielerhandlungen basiert. Sie bewegen sich zwar in der Spielwelt, das ist jedoch abhängig vom Spielfortschritt innerhalb der verschiedenen Questbereiche. Während der Kämpfe sind sie aber flexibler. Die Feinde interagieren dann je nach Typ miteinander. Mehrere gleiche Feinde arbeiten beispielsweise zusammen, heilen sich gegenseitig oder führen Spezialattacken aus. Gehören mehrere Feinde der gleichen Fraktion an, haben sie außerdem zusätzliche Kräfte zur Verfügung. Monster verfügen ebenfalls über besondere Fähigkeiten.

Die Quests unterscheiden sich von denen typischer MMOs. Manchmal joggt der Questgeber neben einem her, nachdem er die Aufgabe überreicht hat. Oder man taucht aus einem Kerker auf und die Person, der man geholfen hat, kommt sofort mit der Belohnung angelaufen. Das liegt an der fast nahtlosen Integrierung der Quests.

Ein großer Teil der persönlichen Handlung besteht daraus, eine Heldengruppe aufzubauen. Diese Verbündeten sind nicht nur über die verschiedenen Zonen vorhanden, sondern erscheinen auch in der offenen Spielwelt (nicht nur in speziellen Abschnitten der Handlung). Die Begleiter anderer Spieler werden als anonyme Söldner dargestellt.

Aussehen eines “Elder Scrolls”-Spiels, Gerüst eines MMOs

Es wurden große Anstrengungen unternommen, damit das Design und die Geografie vorheriger „Elder Scrolls“-Spiele auch mit “TESO” zusammenpassen. Die Inhalte wurden jedoch vergrößert, damit mehr Spieler Zugang haben können. Uns wurde mitgeteilt, dass Höhenkarten von „Oblivion” und “Skyrim” die entsprechenden Zonen beeinflusst haben. Die Festungen aus dem Spieler-gegen-Spieler-Modus basieren beispielsweise auf Ruinen aus “Oblivion”, einschließlich ihrer Namen und der ungefähren Position.

Man kann unabhängig von der Fraktion als einzelner Charakter jede Zone durchspielen. Es gibt einen Grund dafür, warum nur wenige MMOs heutzutage noch drei Fraktionen bieten, denn dafür muss eine gewaltige Menge an Inhalten erstellt werden. Die in „TESO” angewendete Lösung ist raffiniert. Bis Level 50 folgt man seiner persönlichen Handlung mit der ausgewählten Fraktion. Danach kann man eine zweite Fraktion wählen, in der man das Spiel quasi zum zweiten Mal in einer Art Game+ durchlaufen kann. Zonen, Begegnungen und Beute wurden bis Level 50 auf die jeweiligen Fraktionen angepasst. Danach kann man die letzte Fraktion in einem noch schwierigeren Modus durchspielen. Man kann sich außerdem nur mit Mitgliedern der eigenen Fraktion zusammenschließen, man muss die Rasse aber nicht mehr entsprechend der Zone wählen.

Beim Handwerk wurden viele gute Elemente aus “Skyrim” übernommen und auf das neue System angepasst. Es gibt fünf Berufe: Rüstungsschmied, Waffenschmied, Zauberer, Alchemist und Koch. Man kann alle dilettantisch ausführen, aber nur einen Beruf vollständig beherrschen. Gegenstände werden aus ein paar grundlegenden Zutaten sowie einer Auswahl von Bonuszugaben mit verborgenen Eigenschaften hergestellt. Durch bestimmte Gegenstände kann man diese verborgenen Eigenschaften herausfinden und dann auf die eigenen Gegenstände anwenden. Für tragbare Gegenstände kann man außerdem einen bestimmten Stil auswählen.

“The Elder Scrolls Online” befindet sich zurzeit in der geschlossenen Betaphase.

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Quelle: pcgamer