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13. Juli 2004, 10:10 Uhr

Die Olympischen Spiele

Im August kehrt das größte Sportspektakel nach Athen zurück: Die olympischen Spiele. 1896 wurde hier der antike Körperkult wieder zum Leben erweckt, alle vier Jahre messen sich seither die besthen Athleten der Welt.

Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens beim Start zum 200-m-Lauf während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin© DPA

Als der Pferdebursche aus Maroussi ins gleißende Marmor-Stadion einbog, hielt es selbst Ihre Majestät Georg I. nicht mehr auf dem königlichen Hintern. Der Herrscher aller Griechen sprang auf, eilte dem Marathon-Ersten Spiridon Louis entgegen und begleitete ihn unter tosendem Beifall auf den letzten Metern ins Ziel. "Wie um das Delirium des Volkes zu unterstreichen, nahmen der Kronprinz und sein Bruder den Sieger hoch und trugen ihn auf den Armen zum Umkleideraum", schrieb bewegt ein gewisser Baron Pierre de Coubertin angesichts dieser Verbrüderung von Hochadel und gemeinem Volk.

Kein schlechter Einstand für ein internationales Festival der Leibesübung, das besagter französischer Baron ins Leben gerufen hatte und in dem die legendären Olympischen Spiele der griechischen Antike wieder aufleben sollten. Angeblich hatte ein Soldat hier in Athen fast 2500 Jahre zuvor sterbend den Sieg der Griechen über die Perser verkündet, nachdem er 40 Kilometer vom Schlachtfeld bei Marathon herbeigehetzt war. Auf diesem historischen Boden vereinte jetzt im April 1896 ein 23-jähriger Bauernsohn "Vergangenheit und Zukunft auf so ergreifende Weise", wie Coubertin weiter notierte.

Teilnehmen wichtiger als Siegen

Die Olympischen Spiele der Neuzeit waren geboren. Neben dem Automobil, der Glühbirne, der Impfpflicht gegen Pocken und einem zähnefletschenden Nationalismus hatte die zivilisierte Welt nun endlich auch ihr großes Sportfest, bei dem, so predigte Coubertin, Teilnehmen wichtiger als Siegen und die Völkerverständigung oberstes Ziel sein sollte.

Anspruch und Wirklichkeit jedoch klafften vom ersten Tag an auseinander. Viele von Coubertins Landsleuten, die noch immer schwer an der Niederlage gegen das preußische Deutschland im Krieg von 1870/71 litten, waren gegen jede "Verbrüderungsduselei". Sie fürchteten, dieser "Internationalismus" werde "das Heimatland zerstören". Umgekehrt wurden deutsche Turner vor der Abreise nach Athen als Vaterlandsverräter beschimpft. Wollten sie doch bei etwas mitmachen, das einer dieser heimtückischen Franzosen ins Leben gerufen hatte.

Bei den Olympischen Spielen nahm der Erbfeind Rache

Die Franzmänner revanchierten sich. Bei den zweiten Olympischen Spielen in Paris, vier Jahre später, beschmierten Chauvinisten die Unterkunft der Deutschen mit Parolen wie "Schweine! Nieder mit Preußen! Es lebe Frankreich" - und das Bett eines Turnfunktionärs sogar mit Fäkalien. Auch im Wettkampf nahmen sie am Erbfeind Rache. Hatten die Deutschen das Turnen in Athen klar beherrscht, kam ihr Bester im Mehrkampf nur auf Platz 29. Vor ihm lag das gesamte französische Aufgebot - zumindest in den Augen des ausschließlich französischen Kampfgerichts.

Auch wenn Coubertin "Uneigennützigkeit" als Grundlage seines Sportideals beschwor, spielte Materielles vom ersten Tag an eine Rolle für die Olympioniken. Viele Sportler hätten gern Geldpreise, klagte der Baron schon vor Beginn der Spiele. Und das erste offizielle Protokoll des Olympischen Komitees von 1896 hielt fest: "Hoteliers, Schneider, Friseure und andere Gewerbetreibende veröffentlichten Zeitungsanzeigen, in denen sie versprachen, dem glücklichen Sieger des Marathonlaufs gratis für eine gewisse Zeit oder sogar lebenslang ihre Dienste zur Verfügung zu stellen, falls er Grieche sei."

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