Vom Wiederaufbau in den Kalten Krieg: 1948 sind deutsche Sportler noch von Olympia ausgeschlossen. 1968 treten BRD und DDR erstmals getrennt an. Vier Jahre später überschattet ein Terroranschlag die Wettkämpfe von München. Und 1980 entwertet der Boykott des Westens die Spiele in Moskau

Einsame Spitze: Es sind seine Spiele, 1972 in München. Der Amerikaner Mark Spitz holt siebenmal Gold im Schwimmen, ein bis heute unerreichter Rekord. 20 Jahre später scheitert ein Comeback
Die deutsche Sportjugend missbilligt zutiefst die von den Vertretern des Nazi-Regimes begangenen Grausamkeiten." Mit dieser floskelhaften Verurteilung der Hitler-Zeit öffnete sich das Deutschland der Nachkriegsjahre die Tür zu den Olympischen Spielen in Helsinki 1952.
Die Zerknirschung kann nicht sehr tief gegangen sein. Immerhin hatte es ein Karl Ritter von Halt, IOC-Mitglied seit 1929, gerade mal sechs Jahre nach Kriegsende unbeschadet seiner Vergangenheit zum Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees gebracht. Bis 1945 war der ehemalige Zehnkämpfer überzeugter Nazi, war im "Freundeskreis Reichsführer SS", also Heinrich Himmlers und Hitlers letzter "Reichssportführer" gewesen. Doch dem IOC genügten die schönen Worte. Deutschland gehörte wieder der weltweiten olympischen Familie an.
1948 in London waren die Deutschen - und die Japaner - noch ausgeschlossen, als sich die Jugend der Welt zum ersten Mal wieder traf. Nach Hitlers Macht-und-Pracht-Spielen 1936 in Berlin zeigte sich die britische Hauptstadt nüchtern und bescheiden. Die Athleten wohnten in Schulen und Kasernen. Nach dem Ende der Schwimmwettbewerbe deckte man das Bassin mit Holzplatten ab und nutzte es als Arena für Boxer und Ringer. Lebensmittel gab es im Nachkriegs-England noch auf Karten - immerhin gestand man den Sportlern die Rationen für Schwerarbeiter zu.
Überragende Athletin war die Holländerin Fanny Blankers-Koen, 30. Die Hausfrau und Mutter gewann vier Goldmedaillen im Sprint und wäre wahrscheinlich auch im Hoch- und Weitsprung erfolgreich gewesen, hätte ihr nicht der Zeitplan die Teilnahme unmöglich gemacht. Bob Mathias aus den USA, der erst 17 Jahre alte Sieger im Zehnkampf, wurde nach seinen nächsten Plänen gefragt und antwortete: "Ich werde anfangen, mich zu rasieren." Und da war noch ein hagerer, knochiger Tschechoslowake namens Emil Zátopek, der auf der Bahn so aussah, als würde er jeden Augenblick kollabieren. Er gewann die 10 000 Meter mit klarem Vorsprung. Vier Jahre später, in Helsinki, machte der Tschechoslowake mit den Leidensgrimassen und der enervierenden Angewohnheit, auf der Piste seine Gegner anzusprechen, noch ganz anders von sich reden. Zuckend und keuchend lief die "tschechische Lokomotive" der Konkurrenz über 5000 Meter, 10 000 Meter und beim Marathon davon. Seine Frau Dana gewann auch noch das Speerwerfen - "3:1 für mich!", kommentierte der schwejkische Emil das Familienduell.
Im 5000-Meter-Lauf wurde der Solinger Herbert Schade Dritter. Auch die anderen deutschen Medaillengewinner mussten sich beim Nachkriegsstart mit Silber oder Bronze begnügen. In Helsinki waren die bis heute einzigen Spiele, bei denen kein deutscher Athlet Gold gewann. Das freute damals besonders die Sportführung des russisch besetzten Teils von Deutschland, der sich selbst Deutsche Demokratische Republik nannte, im Westen aber Ostzone oder SBZ hieß. Das IOC hatte verfügt, dass eine gesamtdeutsche Mannschaft anzutreten habe. Doch die beiden Teile Deutschlands konnten sich nicht auf ein gemeinsames Team einigen. So nahmen für Deutschland schließlich nur die Sportler der jungen Bundesrepublik teil. Endlose Querelen und Intrigen um den Olympiakader bestimmten für die nächsten 20 Jahre die deutsche Sportpolitik.