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21. Juli 2004, 12:05 Uhr

"Uahuahuuuaaah"

Er schwimmt schneller, als ein Krokodil zuschnappt, gewinnt fünf Goldmedaillen und wird im Kino zum ewigen Tarzan. Von Swantje Strieder

Johnny Weismuller, geboren 1904 in Ungarn, krault sich von Olympia nach Hollywood© KEYSTONE

Das Revier seiner Kindheit ist kein grüner Urwald mit Lianen, sondern der knallharte Großstadtdschungel von Chicago North. Der Sohn armer deutschstämmiger Emigranten wächst in verwahrlosten Hinterhöfen auf, der Vater stirbt am Suff, Johnny muss sich als Laufbursche durchschlagen. Im Sommer 1920 lungert er wochenlang am Eingang des vornehmen "Illinois Athletic Club" herum. Schließlich lässt ihn Trainer William Bachrach zur Probe in den Trainingspool. Der 16-Jährige hat keine Technik, er kommt aber mit seinen stakkatoartigen Armbewegungen rasend schnell voran.

Es dauert nur ein Jahr, und Johnny Weissmuller krault von Sieg zu Sieg. Das einzige Rennen, bei dem er geschlagen wird, verliert er, weil er nach seiner Badekappe angelt. 1922 schwimmt er die 100 Meter Freistil als Erster unter einer Minute (58,6 Sekunden). 1924 gewinnt er dreimal Gold. Er wird zum Liebling der Damen, die er mit Spungeinlagen wie Schraube und Salto entzückt. Vier Jahre danach heimst er in Amsterdam zwei weitere Goldmedaillen ein. Kurz darauf beendet er mit 25 seine Karriere. Er wird Vertreter für Bademoden, die er mit wiegenden Hüften an sich selbst vorführt.

Die Chance seines Lebens kommt 1932, als er in der Verfilmung des Romans "Tarzan" die Hauptrolle spielt. Er wird zum ewigen Tarzan, dem Affen-Mann mit dem Urschrei: "Uahuahuuuaaah!" Mimische Ansprüche dürfen die Regisseure nicht stellen. Wegen Johnnys Quäkstimme werden die Dialoge auf ein Minimum - "Ich Tarzan, du Jane" oder "Tarzan hungrig" - reduziert. Sein bester Stunt ist ohnehin die Nummer, in der er dem bösen Krokodil in Rekordzeit davonschwimmt.

Am Ende seiner Hollywood-Ära gibt Weissmuller nur noch eine traurige Figur ab. Er trinkt zu viel und kümmert sich zu wenig um seine fünf Frauen und zahlreichen Kinder. 1984 stirbt er in Acapulco. Im Pflegeheim für alte Schauspieler in Los Angeles hatte Tarzan zuvor nicht lange bleiben dürfen: Jeden Morgen hatte er seine Mitbewohner genervt - mit einem gellenden "Uuaahuuaahuuaaah!".

Von Swantje Strieder
 
 
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