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80 Tage allein im Wind

Was für Bergsteiger der Mount Everest ist, ist für die Segler der Welt die "Vendée Globe". Die härteste Segelregatta der Welt führt einmal um den Globus - ganz allein im Segelboot.

Von Joel Stubert

  Bei der "Vendée Globe" sind die Segler den Naturgewalten ausgesetzt

Bei der "Vendée Globe" sind die Segler den Naturgewalten ausgesetzt

  • Joel Stubert

Es stürmt auf dem Atlantik, die Wellen peitschen gegen das Boot von Alex Thomson. Wie es sich bei der "Vendée Globe" gehört, segelt der Brite allein. Allein auf einem Segelboot um die Welt. In der Nähe der Kapverden vor der Westküste Afrikas ist die Ruderstange seiner Segelyacht "Hugo Boss" gebrochen. Gut, dass der 38-Jährige vorgesorgt hat. Thomson holt seine Flex heraus und schneidet Kohlefaserstreifen, während hin und wieder eine Welle zwischen seine Beine schwappt. Danach klebt er die Ruderstange wieder zusammen. Sieben Stunden dauert die Reparatur, bei rasender Geschwindigkeit, das Boot nur durch den Autopiloten gesteuert. Selbst ist der Mann.

Es geht um nichts weniger als den Sieg im prestigeträchtigsten Einhand-Segelrennen der Welt, der "Vendée Globe". Am 10. November startete die siebte Ausgabe der 1989 ins Leben gerufenen Regatta. Einmal um die Welt, allein auf dem Boot und ohne Pause. Eine Aufgabe, an der viele scheitern. Über 80 Tage werden die besten benötigen, andere werden den Start- und Zielort Les Sables d‘Olonne per Boot nicht wieder erreichen.

Das härteste Rennen der Welt

24.050 Seemeilen ist die Strecke lang, von Frankreich geht es gewissermaßen einmal rund um die Antarktis und wieder zurück. Klingt eigentlich ganz entspannt. Mit dem Kap der Guten Hoffnung und Kap Horn liegen allerdings zwei der berüchtigtsten Seepassagen der Welt auf der Route. Und dann wären da noch die Roaring Forties und Furious Fifties (Brüllende Vierziger und Rasende Fünfziger): Eine Seeregion zwischen 40° und 50° südlicher Breite mit ganzjähriger Westwinddrift.

Kein Festland hält hier den Wind auf, dementsprechend ungemütlich kann es werden. Unbeständiges Wetter, Treibeis und heftige Stürme sind die Regel. "Das ist die letzte große wilde Region der Erde", sagt Segler Boris Herrmann, der beinahe selbst am Start gewesen wäre. "Es gibt Stellen, da ist das nächste Land 2.000 Seemeilen (rund 4.000) Kilometer entfernt, braucht es für eine Rettung elf Tage". Eine Faszination, die sich nicht jedem gleich erschließt. "Für einen Segler ist es die ultimative Herausforderung. Kein Rennen geht weiter, keines ist mit weniger Besatzung", weiß der 31-Jährige.

Gesegelt wird in der größten Bootsklasse Open 60, mit Booten, die länger sind als 60 Fuß (18,3 Meter). Die Herausforderung ist groß, die Ausfallquote auch. 20 Teilnehmer sind in diesem Jahr an den Start gegangen, fünf mussten nach einem Achtel der Strecke bereits die Segel streichen. Darunter auch die einzige Frau Samantha Davis. Sie musste einen Mastbruch beklagen. Der Franzose Kito de Pavant kollidierte mit einem Fischerboot, weil die Sicht schlecht war. Marc Guillemot prallte auf ein unbekanntes Objekt. Bei der letzten Ausgabe vor vier Jahren schieden 18 Sportler aus. 12 kamen nur ins Ziel.

Arbeit mit Schlafforschern

Spektakulär ist die Regatta - im Grunde bewegt sich die Weltumseglung sogar am Rande der Legalität. Denn das Seerecht schreibt einen permanenten Ausguck auf Booten vor. Da die Sportler allein auf den Booten sind und zwischendurch auch schlafen müssen, kann dies nicht erfüllt werden. "Andererseits ist eine Steuerung durch die elektronischen Geräte gewährleistet", sagt Herrmann, der nur aufgrund mangelnder Sponsoren jetzt nicht um den Globus segelt. "Und die Schlafzeiten betragen ja meistens nicht mehr als zehn Minuten, bei Verkehr noch weniger". Überhaupt ist das Schlafmanagement ein zentraler Punkt der Vorbereitung auf die "Vendée Globe".

"Viele Sportler arbeiten mit Schlafforschern zusammen", erzählt Herrmann. "Die haben ein wissenschaftliches Interesse daran, wie man über längere Zeit mit wenig Schlaf auskommen kann." Auch das Militär interessiere sich sehr für die Arbeit der Extremsportler, schließlich sind manche Einsatzkräfte auch akutem Schlafmangel ausgesetzt. "Wir versuchen den REM-Schlaf zu eliminieren", erklärt Herrmann, so schlafe man kurz, aber dafür tief. Gegessen wird auf dem Boot zumeist gefriergetrocknetes Essen, das sei leichter sagt Herrmann. "4000 bis 6000 Kilokalorien verbraucht ein Segler am Tag."

Der Kampf gegen die Naturgewalten und gegen sich selbst begeistert die Massen. Rund eine Million Menschen kamen nach Sables d’Olonne um den Start der "Vendée Globe" zu sehen. Die französische Bahn setzte Sonderzüge aus Paris ein. 13 Starter kommen auch aus Frankreich, darunter die größten Favoriten, wie Armel Le Cléac'h, der derzeit als Erster die Westküste Afrikas in Richtung Süden segelt. Egal, ob er dann auch als Sieger im Februar einläuft - die Erleichterung der Sportler wird genauso groß sein, wie ihre Entbehrungen.

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