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Messis bitterer Abend in der «Bombonera» - WM-Aus droht

Buenos Aires - Lionel Messi faltete die Hände und betete zum Himmel. Aber der Fußballgott hatte kein Erbarmen, der Ball wollte einfach nicht rein.

Bitter

Superstar Lionel Messi droht mit Argentinien das Verpassen der WM-Endrunde. Foto: Natacha Pisarenko

faltete die Hände und betete zum Himmel. Aber der Fußballgott hatte kein Erbarmen, der Ball wollte einfach nicht rein.

Einmal scheiterte der fünffache Weltfußballer am Pfosten (46.), dann vereitelte Perus Torwart Pedro Gallese mit einer Reihe von Glanzparaden das erhoffte Tor der «Gauchos». Nach dem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten in droht dem zweifachen Weltmeister Argentinien bei der WM in Russland die Zuschauerrolle.

Denn die «Albiceleste» wäre als Sechster - Stand jetzt - nicht dabei. Peru, das mit jungen, talentierten Spielern das Überraschungsteam in der WM-Qualifikation ist, hat das bessere Torverhältnis. Die «Inkas» können sich erstmals seit 35 Jahren wieder für eine WM qualifizieren.

Zu allem Ärger zog auch noch Dauerrivale Chile durch ein 2:1 gegen Ecuador vorbei. «Die Mannschaft ist wütend, aber wenn wir in Ecuador gewinnen, fahren wir zur Weltmeisterschaft», sagte Nationaltrainer Jorge Sampaoli trotzig. «Wir haben heute einen kämpferischen Messi gesehen, mit einem Gesicht, das braucht», so Sampaoli.

In der Südamerika-Qualifikation kommt es nun am Dienstag zu einem Herzschlagfinale. Brasilien (0:0 in Bolivien) mit Neymar ist schon lange qualifiziert. Die ersten Vier lösen das Ticket, der Fünfte kann dies über den Umweg eines Hin- und Rückspiels gegen Ozeanienvertreter Neuseeland tun. Uruguay (28) ist Zweiter, es folgen (26), Kolumbien (26) Peru (25) und Argentinien (25). Zudem hat Paraguay (24 Punkte) durch ein 2:1 in Kolumbien als Siebtplatzierter auch plötzlich noch WM-Chancen.

Ein ganzes Land hatte dem Spiel entgegengefiebert. Auf Wunsch des neuen Nationaltrainers Sampaoli, im Mai für rund 1,5 Millionen Euro vom FC Sevilla losgeeist, war das Spiel in die berüchtigte «Bombonera» («Pralinenschachtel») verlegt worden. Das Stadion der Boca Juniors erzeugt durch seine Enge und die steilen Ränge eine besondere Atmosphäre. Eigentlich sollte das Spiel im weitläufigen River-Plate-Stadion, Spielort des WM-Finales 1978, stattfinden.

Argentinien kann durch einen Sieg in Ecuador noch mindestens Fünfter werden, da Peru und Kolumbien gegeneinander spielen. Zudem hat Chile mit Arturo Vidal vom FC Bayern München in Brasilien eine sehr schwere Aufgabe. Aber Messis Argentinien schießt kaum Tore: Ganze 16 in bisher 17 Spielen. Die Bilanz von sechs Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen ist mäßig, es fehlt der Mannschaft in der Breite an Weltklasse - zu wenig Talente schafften zuletzt den Durchbruch.

An der Atmosphäre vor rund 50 000 Zuschauern lag es nicht. Die Fans rollten eine riesige Fahne aus, um Messi zu huldigen, darauf stand: «Homenaje al mejor jugador del siglo» - eine «Hommage an den besten Spieler des Jahrhunderts». Peru hatte vergeblich gegen die Verlegung in die «Bombonera» protestiert - die Mannschaft brachte sogar eigenes Wasser mit nach Buenos Aires, weil man den Argentiniern nicht traute.

Als Glücksbringer dabei war auch Oswaldo «Cachito» Ramírez, der 1969 in der «Bombonera» beim 2:2 in der damaligen WM-Qualifikation beide Treffer für Peru geschossen hatte. Damals verpasste Argentinien erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft. Nun könnte sich die Geschichte knapp 50 Jahre später wiederholen - wenn Argentinien in Ecuador nicht siegt - und Messis womöglich letzte WM-Titel-Chance schon in der Qualifikation scheitern. Er ist immerhin schon 30.

Rauf und runter wird seit Tagen diskutiert, ob es nicht schlicht zu wenig sei, sich immer nur auf Messi zu verlassen, die letzten drei Spiele mit ihm brachten drei Unentschieden - darunter ebenfalls zu Hause ein peinliches 1:1 gegen den Tabellenletzten Venezuela.

Der Psychologe Marcelo Roffé meint: «Wir verlangen Dinge von Messi, die er nicht ist. Er redet mit dem Ball, aber nicht mit dem Mund oder mit Gesten auf dem Platz.» Man dürfe ihn nicht ständig zum «Retter Argentiniens» stilisieren. «Wir liegen falsch, wenn wir ihn als einen neuen Diego Maradona sehen», betont der Psychologe. Trotzdem setzt das Land darauf, dass er Argentinien jetzt noch einmal rettet.

dpa

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