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"Alle sagten, ich soll das Match genießen, aber ich wollte das Ding gewinnen"

Angelique Kerber hat zum ersten Mal in ihrer Karriere ein Grand-Slam-Turnier gewonnen: Ein wahnsinniger Triumph für die 28-Jährige. Vor ihrer Rückkehr nach Deutschland musste sie in Melbourne noch eine Wette einlösen.

Angelique Kerber setzte sich im Finale der Australian Open gegen Serena Williams durch

Angelique Kerber setzte sich im Finale der Australian Open gegen Serena Williams durch

Nach ihrem Australian-Open-Sieg steht Angelique Kerber auf dem Zenit ihrer Karriere und in den Fußstapfen ihres großen Idols Steffi Graf. "Es ist der Wahnsinn, was in diesen zwei Wochen alles passiert ist", sagte Kerber nach ihrem überraschenden Triumph im Finale gegen die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA.


Die darauffolgende Nacht war kurz für Angelique Kerber. Die neue Nummer zwei der Welt tat kein Auge zu. Am Tag nach ihrem großen Sieg von Melbourne standen noch einmal diverse Pressetermine und der Sprung in den Yarra River an. Der DPA gab Kerber am Austragungsort der Australian Open  ein Interview:

Wie war die Nacht - und wann haben Sie die Anlage am Samstag eigentlich verlassen?

Ich habe keine Minute geschlafen. Ich glaube, es war so drei Uhr irgendwas, als ich die Anlage endlich verlassen habe. Ich habe vier Stunden Presse gemacht. Dann hatte ich noch die Dopingprobe, und danach sind wir erst ins Hotel gekommen. Da habe ich mich dann schnell umgezogen, und dann sind wir auch direkt weiter. Und jetzt bin ich hier und weiß gar nichts mehr.

Angelique Kerber löste eine Wette ein und sprang in den Yarra River in Melbourne

Angelique Kerber löste eine Wette ein und sprang in den Yarra River in Melbourne

Wissen Sie denn schon, was Sie jetzt in Deutschland erwartet?

Ich weiß, dass wenn ich am Montagvormittag in Frankfurt lande, irgendetwas auf mich zukommt. Was genau das sein wird, weiß ich aber noch nicht. Dann werde ich den Montagabend auf jeden Fall mit meiner Familie und Freunden verbringen und irgendetwas essen gehen. Und am Dienstag werde ich dann abends nach Leipzig zum Fed Cup fahren. Es wird auf jeden Fall einiges sein, was auf mich zukommt.

Wenn Sie eine Erklärung für diesen Erfolg geben müssten, welche wäre das?

Ich glaube, die Erklärung liegt wirklich darin, dass ich an mich geglaubt habe. Das habe ich zwar immer, aber so, wie ich das hier nach dem Match gegen Victoria Asarenka im Viertelfinale gemacht habe, das war neu.

Da hat es irgendwie Klick gemacht. Auch als ich gegen Serena rausgegangen bin, habe ich gesagt, ich will das Ding gewinnen. Alle haben mir gesagt, ich soll es einfach genießen und einfach ein gutes Match spielen. Aber innerlich habe ich immer gesagt: Genießen ist schön und gut, aber du kannst es auch danach noch genießen. Du gehst raus und versuchst, die Chance, die du hier bekommen hast, auch zu nutzen.

Was Ihnen ja auch gelungen ist ...

Ja, das habe ich wirklich gemacht. Ich weiß nicht, wie ich das hinbekommen habe, aber der Glaube an mich war, denke ich, dieser Schlüssel für den Sieg. Ich habe die ganzen zwei Wochen genossen, aber ich wollte auch zeigen, ich bin verdient im Finale und will sie schlagen.

Wenn Sie auf Ihre Anfänge zurückblicken. Was ist der größte Schritt, den Sie seitdem gemacht haben?

Ich glaube, die ganzen Erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe, helfen mir jetzt auch bei den nächsten Erfahrungen. Jetzt bin ich auch reif, das wirklich zu genießen. Wenn ich das Ding vor zwei, drei Jahren gewonnen hätte, weiß ich nicht, ob ich das so genossen und erlebt hätte, wie ich es jetzt tue. Jetzt weiß ich auch dank der bisherigen Turniersiege so halbwegs, was auf mich zukommt.

Es haben ja viele immer wieder gesagt, dass es aus dieser Generation mit Ihnen, Andrea Petkovic oder Sabine Lisicki niemand schaffen wird, einen großen Titel zu holen. Warum haben gerade Sie es geschafft?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, ich habe in diesen zwei Wochen einfach so viele Sachen erlebt. Du musst nicht zwei Wochen lang dein bestes Tennis spielen, das habe ich auch erfahren. Aber man muss in diesen zwei Wochen einfach bei sich bleiben, man muss an sich glauben. In den zwei Wochen braucht man natürlich auch ein bisschen Glück.

Ich glaube, dass die Zeit jetzt einfach gekommen ist. Ich habe immer gesagt, wenn die Zeit da ist, dann werde ich so ein Ding auch gewinnen. Und das habe ich einfach getan. Viele haben es mir nicht zugetraut, aber ich glaube, jetzt brauche ich wirklich niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich bin die Nummer zwei der Welt und habe ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Was will man mehr.

Glauben Sie, dass Sie jetzt anders wahrgenommen werden auf der Tour? Immerhin kommt da jetzt eine Grand-Slam-Turniersiegerin.

Ich glaube schon, dass sich jetzt einiges ändert. Ich bin gespannt, aber ich freue mich darauf. Jetzt kommt noch einmal ein Höhepunkt in meiner Karriere, ein I-Punkt, noch einmal etwas ganz anderes. Ich bin gespannt, wie sich das ändern wird und wie auch die Leute reagieren werden. Es ist schon etwas anderes nun. Denn Grand-Slam-Siegerin sind nicht viele.

War es etwas Besonderes für Sie, dass Sie den Titel ausgerechnet gegen Serena Williams gewonnen haben?

Auf jeden Fall, das bedeutet mir sehr viel. Serena ist ein absoluter Champion, sie schreibt Geschichte, und sie ist auch für mich eine riesige Inspiration. Gegen sie zu spielen ist immer etwas Besonderes. Gegen Sie im Finale gestanden zu haben, ist eine absolute Ehre - und dann noch so ein gutes Match geliefert zu haben, das macht den Titel schon noch einmal mehr besonders.

Interview: DPA
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