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Hoeneß hat nur eine Chance, dem Gefängnis zu entgehen

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage, aber erst im Spätherbst dürfte der Prozess gegen Uli Hoeneß beginnen. Er dürfte langwierig werden. stern.de klärt, was den Fußballmanager dort erwartet.

Von Lutz Meier

Ein gutes halbes Jahr nach der Selbstanzeige des FC-Bayern-Präsidenten hat die Staatsanwaltschaft München am Dienstag Anklage gegen Uli Hoeneß erhoben. Damit wird ihm wahrscheinlich der Prozess gemacht. stern.de klärt die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet die Anklage gegen Hoeneß?

Die Anklage durch die Staatsanwaltschaft ist keine Überraschung. Die Staatsanwälte haben ihre Ermittlungen abgeschlossen und halten Hoeneß für schuldig. Das ist kein Wunder, denn schon Hoeneß' Selbstanzeige vom Januar legt nahe, dass der FC-Bayern-Präsident wahrscheinlich gegen die Steuergesetze verstoßen hat. In einem minder schweren Fall hätte die Staatsanwaltschaft auch die Einstellung der Ermittlungen gegen eine Geldauflage anbieten können - aber dafür war die Summe bei weitem zu hoch. Die Anklage bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft Hoeneß den Prozess machen will.

Wann steht Hoeneß vor Gericht?

Erst einmal muss das Gericht die Anklage zulassen. Dafür werden zunächst Hoeneß beziehungsweise seine Verteidiger angehört. Das Landgericht München teilte am Dienstag mit, es werde frühestens Ende September entscheiden, ob das Verfahren eröffnet wird. Dabei handelt es sich allerdings wohl um Formalia; es ist nichts bekannt, was an einem Prozess zweifeln ließe. Wenn es bei dem Zeitplan bleibt, würde dieser im Spätherbst beginnen, könnte sich aber nach Einschätzung von Juristen lange hinziehen.

Was droht Hoeneß?

In verschiedenen Medienberichten wurde die möglicherweise von dem FC-Bayern-Präsidenten hinterzogene Summe auf gut drei Millionen Euro taxiert. Damit wäre eine Haftstrafe zwingend geboten. Denn der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2011 entschieden, dass schwere Steuerbetrüger nicht mehr so leicht davonkommen können, wie in der Vergangenheit. Wenn die hinterzogene Summe eine Million Euro oder mehr beträgt, sollen die Gerichte keine Bewährungsstrafen mehr verhängen. Demnach wäre bei dieser Summe die zwingende Folge, dass Hoeneß ins Gefängnis wandert.

Hat er dennoch Möglichkeiten, der Haft zu entgehen?

Vielleicht. Seit einiger Zeit geistert ein Modell durch die Diskussion, nach dem der Fußballpräsident an einer Gefängnisstrafe so gerade eben vorbeikommen könnte. Der "Spiegel" berichtete, die Staatsanwaltschaft wolle eine Bewährungsstrafe mit zusätzlicher Geldbuße beantragen. Auch die Vorgabe des BGH würde demnach nicht greifen. Denn ein Großteil der hinterzogenen Summe sei bereits verjährt. Nach dieser Rechnung blieben 900.000 Euro und Hoeneß könnte noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. Allerdings wäre es höchst ungewöhnlich, dass ein Staatsanwalt schon vor einem Gerichtsprozess genau weiß, was er am Ende der Beweiserhebung beantragen wird. Zudem trifft die endgültige Entscheidung das Gericht. Bei einem derart komplizierten Fall ist nicht auszuschließen, dass die Betrachtungen über Verjährung und Hinterziehungssummen sich noch verändern.

Garantiert die Selbstanzeige dem FC-Bayern-Präsidenten nicht Straffreiheit?

Eigentlich kann ein Steuerbetrüger durch Selbstanzeige der Strafe entgehen. Doch der Gesetzgeber und die Gerichte haben inzwischen enge Grenzen für die Anwendung dieser Regel gesetzt. So darf der Fall nicht einmal im Ansatz den Behörden bekannt sein - etwa durch eine der berühmten Steuer-CDs mit Bankdatensätzen aus der Schweiz, die immer wieder von Steuerfahndern angekauft werden. Außerdem muss die Selbstanzeige vollständig sein. Es gibt Hinweise, dass Hoeneß' Selbstanzeige in beiderlei Hinsicht Mängel hat. Laut der "Süddeutschen Zeitung" sind die Staatsanwälte der Meinung, dass Hoeneß' Tat bereits entdeckt war, als er die Selbstanzeige einreichte. Ohne dass die Selbstanzeige als mangelhaft gilt, wäre es der Staatsanwaltschaft kaum gelungen, im März einen Hausdurchsuchungsbeschluss und einen Haftbefehl für Hoeneß zu erwirken. Der Haftbefehl wurde gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt.

Kann Hoeneß seinen Posten behalten?

Schwer vorstellbar. Der FC Bayern München ist eine Aktiengesellschaft, Hoeneß deren Aufsichtsratsvorsitzender. Dass ein Unternehmen dieser Größe und öffentlichen Bedeutung einen rechtskräftig verurteilten Chefkontrolleur hätte, wäre beispiellos. Aber es gibt keine Regel, die das verbietet (es sei denn, Hoeneß müsste in Haft und könnte sein Mandat nicht wahrnehmen). Bisher halten die Anteilseigner und Sponsoren Adidas und Audi zu Hoeneß.

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