Pal Csernai im Alter von 80 Jahren verstorben

2. September 2013, 16:22 Uhr

Der frühere Bayern-Trainer Pal Csernai ist tot. Der Ungar wurde zwischen 1978 bis 1983 zweimal Meister mit den Bayern und gewann den DFB-Pokal. Am Sonntag verstarb er nach langer Krankheit.

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Pal Csernai zu seinen besten Zeiten in München. Hier feiert er zusammen mit seinen Spitzenspielern Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner und Dieter Hoeneß die Deutsche Meisterschaft der Saison 80/81 auf dem Münchner Rauthausbalkon.©

Der frühere Bayern-Trainer Pal Csernai ist tot. Der Ungar starb bereits am Sonntag nach einer langen Krankheit im Alter von 80 Jahren. Zweimal hatte er mit den Münchnern die Meisterschaft gefeiert - und war Fans und Medien doch immer ein wenig unnahbar geblieben.

München (dpa) - Der Mann mit dem Seidenschal an der Seitenlinie war eine frühe Stilikone der Fußball-Bundesliga. Pal Csernai machte sich in den 70er und 80er-Jahren nicht nur als zweifacher Meistermacher des FC Bayern München einen Namen, er lenkte auch abseits des grünen Rasens gern die Aufmerksamkeit auf sich. In einer Zeit, in der die meisten Trainer allein den spröden Trainingsanzug als Kleidungselement bevorzugten, setzte der Ungar mit seinem berühmten Schal ein modisches Signal, das in Erinnerung bleiben wird: Am Sonntag starb Csernai nach einer langen Krankheit im Alter von 80 Jahren, wie der deutsche Rekordmeister am Montag mitteilte.

"Der gehörte halt bei mir dazu. Das war nicht meine Erfindung, nur für den Fußball war es damals etwas Außergewöhnliches", sagte Csernai einmal über sein auffälliges Modeaccessoire. Auf mehr als ein Dutzend Stationen brachte es Csernai in seiner Trainerkarriere - zu echten Erfolgen führte er aber vor allem den FC Bayern. Zweimal feierte er in seiner Münchner Zeit zwischen 1978 und 1983 die Meisterschaft, einmal gewann der Trainer-Dressman den DFB-Pokal.

Co-Trainer - Interimstrainer - Cheftrainer

Auf internationaler Ebene blieb ihm nur knapp ein gewichtiger Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher verwehrt. Im Mai 1982 erreichte Csernai mit den Bayern im Europapokal der Landesmeister das Finale - und musste dann mitansehen, wie sein bestens besetztes Team um Paul Breitner, Dieter Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gegen den englischen Topclub Aston Villa in Rotterdam mit 0:1 verlor.

Bis zuletzt hatte er eine gute Beziehung zu dem Verein, der ihm in Deutschland zum Durchbruch verhalf. Später coachte er auch noch unter anderem Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. "Der gesamte FC Bayern drückt allen engsten Vertrauten und Freunden Csernais sein tiefstes Mitgefühl aus und wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren", schrieben die Münchner auf ihrer Internetseite über Csernai, der zunächst lediglich als Assistent des damaligen Coaches Gyula Lorant in der Landeshauptstadt angefangen hatte.

Als sein neun Jahre älterer Boss im Februar 1979 geschasst wurde, übernahm Csernai. Der Interimstrainer war äußerst beliebt in der Mannschaft - und durfte auch deshalb auf Dauer bleiben, weil sich die Führungsspieler um Breitner intern so vehement für ihn einsetzten, dass sie den von Präsident Wilhelm Neudecker als Lorant-Nachfolger auserkorenen Max Merkel verhinderten. Mit ihrem Aufstand jagten die Spieler obendrein Neudecker aus dem Amt.

Außerhalb des FC Bayern in Deutschland erfolglos

Csernai durchbrach zuvor festgefahrene Hierarchien und schuf eine neue Form von Miteinander beim FC Bayern. Zudem machte er spätere Modebegriffe wie "4-4-2" und "Stretching" salonfähig. "Dass nicht ein bekannter Trainer mit großem Namen die Mannschaft übernommen hat, sondern der Assistent, und ich sie aus einer schwierigen Lage zum Erfolg geführt habe, das war etwas Besonderes", erzählte Csernai. Bis vor wenigen Jahren reiste er zumindest einmal pro Jahr aus seiner Heimat Budapest für ein Bundesligaspiel der Bayern an.

Alle weiteren Engagements des kantigen Ungarn in Deutschland blieben allerdings weitgehend erfolglos. In Dortmund (1985-1986), Frankfurt (1988-1989) und Berlin (1990-1991) war er seine Jobs schnell wieder los. Auch, weil er trotz seiner fachlichen Kompetenz immer eine Reizfigur blieb. Arroganz und Unnahbarkeit wurden Csernai in seinem Umfeld oft vorgeworfen, sein Verhältnis zu den Medien und den Fans galt als dauerkritisch. Csernai war nie jemand, der besonders geliebt wurde - dafür verschlug es ihn in den 90er-Jahren sogar mal als Nationaltrainer nach Nordkorea. Aber auch dort war schnell Schluss.

 
 
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