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So holt sich Vettel den Titel

Ein Rennen ist nur noch zu absolvieren. 13 Punkte Vorsprung hat der Deutsche vor Fernando Alonso. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem finalen Grand Prix in Brasilien.

Von Joel Stubert

Der Kampf um die Formel-1-Krone

Sebastian Vettel hat Historisches vor: Als dritter Fahrer der Formel-1-Geschichte will er den dritten Titel hintereinander holen. Juan Manuel Fangio und sein Idol Michael Schumacher haben das bereits geschafft. Dreizehn Punkte Vorsprung vor Fernando Alonso hat er vor dem letzten Rennen, vieles spricht vor der Wettfahrt in Sao Paulo (Sonntag ab 17 Uhr im stern.de-Liveticker) für den Heppenheimer. Was muss passieren, damit er den WM-Titel holt? Bleibt Alonso cool? Und wem liegt die Strecke am besten? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Showdown in Interlagos.

Wie wird Vettel Weltmeister?

Sebastian Vettel hat derzeit 13 Punkte Vorsprung. Weil Vettel mehr Saisonsiege aufweist, muss Alonso sogar 14 Zähler wettmachen. Selbst im Fall eines Alonso-Sieges reicht Vettel somit Rang vier zum Titel. Sollte Alonso Zweiter werden, braucht der Heppenheimer nur als Siebter ins Ziel einlaufen, um den Titel-Hattrick perfekt zu machen. Bei Platz drei des Ferrari-Piloten, reicht Vettel Rang neun zum Hattrick. Läuft der Spanier nach dem Dritten ins Ziel ein, hat er keine Chance auf den Titel. Alonso fasst es so zusammen: "Wir müssen mindestens aufs Podium und dann schauen, wo Seb landet. Das liegt nicht in unserer Hand."

Wie schätzt die Szene den Deutschen ein?

In Austin landete Vettel erneut vor Alonso. Doch im Fahrerfeld gibt es unterschiedliche Meinungen, wer der bessere Pilot ist. Mc-Laren-Pilot Lewis Hamilton sagt zum Beispiel: "Glaube ich, dass Vettel die gleiche Klasse hat wie Fernando Alonso? Nein! Fernando war mein Teamkollege. Also weiß ich, wie schnell er ist." Nach der furiosen Aufholjagd in Abu Dhabi lästerte der Brite: "Vettel hat nur Glück gehabt." Betrachtet man die Unterlegenheit des Ferraris von Alonso im Vergleich zum Red Bull Vettels, könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Spanier zumindest nicht der schlechtere Fahrer ist. Das sieht Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve genauso: "Vettel hat einfach mehr Probleme mit schwierigen Situationen. Alonso hat den Titel 2012 eher verdient. Denn kein Zweifel, er ist der Beste. Deswegen drücke ich ihm die Daumen." Was die fahrerische Klasse betrifft, müssen sich sicherlich auch Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton nicht hinter Vettel verstecken. Nur sitzen auch sie in dieser Saison in den schlechteren Autos.

Wer wird am besten auf der Strecke in Sao Paulo zurechtkommen?

Vermutlich Red Bull - also Vorteil Vettel. Zwar ist er erst halb so oft wie WM-Rivale Fernando Alonso in Sao Paulo gefahren, dafür konnte Vettel bei bislang fünf Starts schon einmal in Interlagos siegen. "Wir sind in einer guten Position", sagte der Red-Bull-Pilot zuversichtlich. "Der Kurs liegt unserem Auto." In den letzten drei Jahren fuhren er und Teamkollege Mark Webber am Zuckerhut drei Siege ein. Alonso hat den Großen Preis von Brasilien in zehn Anläufen noch nie gewonnen. Im Autodromo José Carlos Pace machte er 2005 aber durch Rang drei seinen ersten von zwei WM-Titeln perfekt. Sollte es regnen, ist der Ausgang sowieso offen. Das weiß auch der Spanier, der via Facebook verlauten ließ: "Warten auf Regen."

Droht der Formel 1 eine Dominanz à la Schumacher?

Vettel hat die WM noch nicht gewonnen. Holt er den Titel, hat er gute Chancen, eine Ära zu begründen. Wie sein Vorbild Michael Schumacher bei Ferrari von 2000 bis 2004 profitiert Vettel von der Dominanz seines Autos. Auf den meisten Strecken ist der Red Bull seiner Konkurrenz überlegen. Nicht umsonst machen einige Experten vor allem Chef-Designer Adrian Newey für die Erfolge des Deutschen verantwortlich. Der 53-Jährige Brite ist überall anerkannt. "Adrian ist einfach ein Genie, phänomenal", schwärmt Lewis Hamilton: "Er tut Dinge, die ich mir nicht vorstellen kann. In Indien war Sebastian im ersten Abschnitt so schnell, wie ich es in meinem Auto nie hätte sein können, nicht mal wenn ich 200 Prozent gebracht hätte." Das beste Auto im Feld, vermischt mit seinem großen Talent, der zunehmenden Routine und Erfahrung - das ist das Rezept für eine lange währende Dominanz des Sebastian Vettel.

Behält Fernando Alonso kühlen Kopf?

Wohl schon. Vor zwei Jahren ging Alonso als WM-Führender ins letzte Rennen in Abu Dhabi. Er wurde am Ende nur Siebter und musste Sebastian Vettel zum WM-Titel gratulieren, der 15 Punkte auf den Iberer aufholte. Jetzt ist die Situation für ihn vollkommen anders: "Wir haben nichts zu verlieren, sondern können nur gewinnen," weiß er. Nachdem Alonso vor dem Texas-Grand Prix tief in die Psychokiste griff und sich mit einem Paintball-Gewehr ablichten ließ, ist er vor dem Rennen in Interlagos zahm: "Es wird schwierig, den Rückstand aufzuholen", sagt er brav. Dennoch hat der Spanier das nötige Selbstbewusstsein, um an den Sieg zu glauben. De facto leistete sich Alonso in dieser Saison ganz wenige Fehler und dürfte sich auch in Brasilien nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die nötige Ablenkung vor dem Showdown verschafften ihm ein paar Tage in New York.

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