Michael Schumacher kehrt in die Fomel 1 zurück. Für den Motorsport ist das Schumi-Comeback die einmalige Chance, enttäuschte Fans zurück zu gewinnen. Es bleiben aber auch Unsicherheiten. Von Elmar Brümmer

Strahlender Rückkehrer in die Formel 1: Michael Schumacher© Frederic J. Brown/AFP
Michael Schumacher als Weihnachtsengel im silbernen Anzug – eine schöne Bescherung für die ganze Formel 1. Aber auch für den Rekordweltmeister, der mit 41 nichts anderes erfüllen muss als die Erwartungshaltung einer ganzen Sportart, einer ganzen Nation? Das Dream-Team mit Schumacher, Mercedes und Nico Rosberg, das am Dienstag in Mittelengland schriftlich fixiert wurde, gibt der Saison 2010 eine ganz neue Dimension. Schumis altes, neues Leben am Limit – ein Drahtseilakt zwischen Chance und Risiko.
Michael Schumacher will, nachdem die Rückkehr zu Ferrari im Sommer aus gesundheitlichen Gründen in letzter Minute geplatzt war, Wiedergutmachung. Und er denkt dabei nur an sich selbst: Der Mann will pure Lust statt Frust. Das sensationelle Comeback geschieht nur aus eigenem Antrieb heraus. Das Bauchgefühl hat entschieden, nicht etwa die Mercedes-Millionen. Er fühlt sich fit genug, um sich etwas ausrechnen zu können.
Das Fahrgefühl? Keine Frage, verlernt man nicht. Einen besseren Platz als das Weltmeister-Team Brawn kann er für seine Beweisführung nicht finden, die zufällige Konstellation ist für ihn plötzlich eine ideale – Zufall und Schicksal haben sein PS-Rentnertum beendet. Ross Brawn, der Statthalter des neuen Mercedes-Werksrennstalls, stand hinter allen seinen sieben Titeln, das gegenseitige Vertrauen ist enorm. Schumacher kann den Aufbau des Teams entscheidend prägen, das reizt ihn zusätzlich. Denkbar, dass der Kerpener dort auch noch Führungsfigur bleibt, wenn er das Cockpit irgendwann doch für immer verlässt.
Der Adrenalin-Junkie Schumacher braucht die Herausforderung, die er vom 14. März an wieder im Zwei-Wochen-Ryhthmus bekommt. Selbst Fallschirmspringen ist auf Dauer langweilig, wenn man glaubt, sich immer noch mit den Besten der Welt im Auto messen zu können. Jetzt sitzt er in einem der vermeintlich besten Boliden, er kann Mercedes doch noch fahrerisch die Dankbarkeit für die Wegbereitung der Karriere aussprechen. Sein Ego kommt auch nicht zu kurz: Er hat die Chance, seinen ärgsten Widersacher Fernando Alonso im Ferrari zu düpieren, kann sich dem Duell mit der nächsten Generation – Teamkollege Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel – mit gleichen Waffen stellen. Ein rasender Generationskonflikt, das wird die ganz große Show des neuen Rennjahres. Sogar Erzrivale Jacques Villeneuve denkt über ein Comeback nach.
Eine Schumacher-Verpflichtung bringt auch Mercedes Vorteile: Es stellt auch die Formel-1-Kritiker im Konzern ruhig, allein die Medienwirksamkeit des Gerüchtezustands war schon enorm. Gegen den Motorsport kann man argumentieren, aber gegen Schumi? Das Comeback überstrahlt sogar das eines Björn Borg oder Lance Armstong. Michael Schumacher ist auch für Bernie Ecclestone längst in eine Retter-Rolle gerückt – eine "alte" Zugnummer könnte die "neue" Formel 1 nach den jüngsten Schwierigkeiten gut gebrauchen.
Niemand polarisiert so wie der Rekord-Weltmeister. Wie Juan Manuel Fangio und Niki Lauda, die nach ihren Rücktritten erfolgreich zurückkehrten, könnte er seine Ausnahmestellung in der Renn-Historie als „Über-Champion" unterstreichen. Vor allem aber kann er etwas für sich tun: seinen offensichtlich immer noch stark ausgeprägten Tatendrang stillen. Schumacher glaubt, dass er mit dem Comeback nur gewinnen kann. Er spürt es einfach.
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