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Vettel rast zum Sieg, aber (noch) nicht zum Titel

Triumphfahrt ohne Krönung: Sebastian Vettel hat den Großen Preis von Singapur souverän gewonnen. Die vorzeitige Titelverteidigung gelang ihm aber nicht, weil Jenson Button Zweiter wurde. Ihm fehlt jetzt nur noch ein Punkt zum erneuten WM-Erfolg.

Die WM-Party ist vertagt, für die Krönung zum jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel 1 braucht Sebastian Vettel aber nur noch einen Punkt. Die vorzeitige Titelsause am Sonntag in der Nacht von Singapur verdarb ihm Jenson Button, der mit Platz zwei vor Mark Webber als einziger der Verfolger seine rechnerische Minimalchance im WM-Rennen bewahrte. Schon beim nächsten Rennen in Japan kann Vettel aus eigener Kraft seinen zweiten WM-Triumph perfekt machen. "Yes, wir haben es geschafft", brüllte Vettel begeistert in den Boxenfunk.

In der Gesamtwertung könnte den 24-Jährigen nach seinem neunten Saisonsieg in den verbleibenden fünf Läufen nur McLaren-Fahrer Button noch überholen. Vettel hat nun 309 Punkte auf dem Konto und damit satte 124 Zähler Vorsprung auf den Briten. 125 Punkte sind noch zu vergeben. "Selbst wenn er in den kommenden sechs Rennen nicht startet, ist es für uns schwer, ihn noch zu schlagen", hatte Button schon vorher gesagt.

Definitiv raus aus dem Titelkampf sind neben Webber auch Ferrari-Pilot Fernando Alonso, der in Singapur Vierter wurde, und McLaren-Heißsporn Lewis Hamilton nach Rang fünf.

Schumacher baut Auffahrunfall


Zweitbester Deutscher hinter Vettel wurde Mercedes-Fahrer Nico Rosberg als Siebter. Adrian Sutil schaffte es im Force India auf Rang acht. Für Michael Schumacher war das Rennen nach einem kapitalen Auffahrunfall mit Sauber-Pilot Sergio Perez bereits nach der Hälfte gelaufen. "Er ist ein bisschen früh vom Gas gegangen, damit habe ich nicht gerechnet", erklärte der Rekordweltmeister.

Timo Glock schied schon in der 12. Runde aus. Er krachte mit seinem Marussia-Virgin in die Streckenbegrenzung und musste kurz darauf aufgeben. Zuvor hatte er sein Auto bei einer Kollision mit dem HRT von Daniel Ricciardo beschädigt.

Aber es drehte sich ohnehin alles um Vettel. Schon vor dem Start hatte er fast pausenlos Fragen zum möglichen Titelgewinn beantworten müssen. Mit seinem Sturm zur elften Pole Position im 14. Saisonrennen bewies der Hesse einmal mehr seine Dominanz. Doch Vettel blieb gewohnt cool und fokussiert. "Wir müssen kühlen Kopf behalten und unsere Arbeit machen", sagte Vettel eine Viertelstunde vor dem Start. "Ich habe ihm gesagt, dass er es genießen soll", verriet Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Vettel rast wieder allen davon


Gesagt, getan. Vettel erwischte einen glänzenden Start und raste seinen Rivalen sofort davon. Nach der ersten Runde hatte der Titelverteidiger schon 2,5 Sekunden Vorsprung. Dahinter verdrängten Button und Alonso den von Platz zwei gestarteten Webber auf Rang vier. Völlig daneben ging der Auftakt für Hamilton, der von vier auf acht zurückrutschte und auch das Mercedes-Duo Rosberg und Schumacher passieren lassen musste. Nach fünf Runden hatte der Brite jedoch die beiden Deutschen wieder kassiert.

Doch einmal mehr übertrieb es der Weltmeister von 2008 bei seiner Aufholjagd. Bei einer überharten Attacke gegen Ferrari-Fahrer Felipe Massa zersplitterte der Frontflügel an Hamiltons McLaren. Auch Massa musste wegen eines aufgeschlitzten Hinterreifens zurück an die Box. Für die Aktion verurteilten die Rennkommissare Hamilton zu einer Durchfahrtstrafe, auch die letzte Mini-Chance in der WM war damit dahin.

An der Spitze zog Vettel unwiderstehlich seine Kreise. Mehr als elf Sekunden betrug sein Vorsprung auf Button, als er in der 15. Runde erstmals zum Reifenwechsel kam. Bis zur Halbzeit wuchs sein Polster auf den Champion von 2009 sogar auf knapp 20 Sekunden. Platz drei eroberte Webber, weil Alonso mit Bremsproblemen kämpfte.

Webber attckiert Button


Dann wurde der bis dahin eher langweilige Grand Prix plötzlich wieder spannend. Schumacher krachte nach einem Zweikampf ins Heck von Perez' Sauber und rauschte danach in die Streckenbegrenzung. Wegen der umherliegenden Trümmerteile musste das Safety-Car auf den 5,073 Kilometer langen Kurs. Doch Vettel ließ sich auch davon nicht beirren und ließ der Konkurrenz auch beim Neustart keine Chance. Webber musste zunächst Alonso passieren lassen, holte sich Rang drei aber gleich wieder zurück.

Im Schlussdrittel entbrannte noch einmal der Taktikkampf hinter Vettel. Webber wechselte aggressiv auf die superweichen Reifen, um Button noch einmal attackieren zu können. Doch alle Spitzenfahrer konterten die Strategie prompt, sodass sich nichts mehr am Resultat änderte. Nach 61 Runden auf dem Stadtkurs raste Dominator Vettel als Erster über den Zielstrich und kann nun schon die Titelfete in Suzuka planen.

tis/DPA/DPA

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