20. Oktober 2008, 14:50 Uhr

Sportart ohne Sport

Stimmt ja: Lewis Hamilton hat in Shanghai seinen WM-Titel fast perfekt gemacht. Man hat es beinahe nicht bemerkt. Wieder einmal gab es im Formel-1-Zirkus wichtigere Themen als den Sport: Kosten, Strafen und Kollegen-Schelte. Die Formel 1 ist dabei, den Kontakt zur Basis zu verlieren. Ein Kommentar von Jens Fischer

Von allen Seiten nach Strich und Faden in die Enge getrieben: Lewis Hamilton

Ach, wie ist das schön beim guten alten Fußball: Da lässt es sich einfach prima diskutieren, da gibt es nach den Spielen in den Medien und an den Stammtischen immer etwas zu besprechen. War der Elfmeter berechtigt? Die rote Karte war ein Witz! Und überhaupt: Die Leistung des einen oder anderen Lieblings war mal wieder eine Katastrophe. Beim Fußball gibt es nur Experten, denn das Spiel ist purer Kampf und daher auch des Volkes Glück. Fußball symbolisiert den Sport so wie er sein soll: Emotional, kontrovers und verständlich für jedermann.

Anders die Formel 1. Das hat das millionenschwere Motoren-Spektakel in den vergangenen Wochen leider wieder eindrucksvoll bewiesen. Mitten im eigentlich nervlich aufreibenden Weltmeisterschafts-Finale wird von den beteiligten Protagonisten ein Mega-Theater abseits des Sports veranstaltet. Anstatt sich über die Aura und die zweifelsohne starken Performances eines hoch talentierten Youngsters wie Lews Hamilton zu freuen, wird dieser medienwirksam in den letzten Tagen von allen Seiten nach Strich und Faden in die Enge getrieben.

Hamiltons Fahrweise sei ungestüm und unfair, er wäre ein Pisten-Rambo und an der nötigen Reife würde es ihm sowieso mangeln. Nichts weiter als ein Beau und Arrogantling sei der Engländer im Diensten von McLaren-Mercedes. Da wurden Vergleiche mit Michael Schumacher gezogen, ebenfalls (auf Grund seiner Erfolge?) im Fahrerlager nicht gerade der Beliebteste. Auffällig dabei: Gerade Fahrer wie Nick Heidfeld oder Fernando Alonso stellen sich bei dieser Kollegen-Schelte gerne vor die Kameras. Haben die genug nicht mit sich selbst zu tun? Jetzt hat Hamilton souverän und locker in den Grand Prix von China gewonnen - eine perfekte Antwort.

Apropos Heidfeld, apropos Alonso: Sie waren in diesem Jahr Musterbeispiele dafür, wie unwichtig der Sport in der Sportart Formel 1 geworden ist. Unzählige Male durfte Alonso darüber erzählen, wie unzufrieden er doch bei Renault wäre und er dringend wechseln möchte. Nur wohin und wann wollte er bis heute nicht preisgeben. Mittlerweile ist das auch egal, es langweilt einfach nur noch. Oder Heidfeld: Montelang stand er vor dem Rauswurf bei BMW. Oder doch nicht? Bleibt er jetzt oder geht er? Er bleibt. Soll er doch.

Fast nie wird in der Formel 1 darüber gesprochen, welche Fähigkeiten ein richtig guter Fahrer haben muss. Wie wichtig die Mechaniker sind. Oder ob es Teams gibt, die mit ganz besonderen Talenten gesegnet sind. Der Sport hat sich vom Publikum entfernt und ist zum Spezifikum für Insider geworden.

Oder wie ist es zu bewerten, dass sich rund um das vorentscheidende Rennen in Shanghai zum x-ten Male alles um das Thema Kostenersparnis drehte. Während die Piloten ihren Sport ausübten, wurde (auch in den Medien) diskutiert um Einheitsmotoren, neue Strafmaßnahmen oder eine andere Punkteverteilung. Sicher Themen, mit denen die Formel 1 leben muss. Aber keine Themen, die wichtiger sind als der Rennausgang im Reich der Mitte.

Es ist schade um die Formel 1. Und es ist traurig für die vielen Fans. Denn die wollen einfach nur heiße Duelle auf der Strecke sehen. Die wollen sich begeistern an den Leistungen eines Lews Hamilton, sie wollen mitfiebern im WM-Finale. Und sie wollen mit ihren Freunden und Bekannten, am Stammtisch oder sonst wo, darüber diskutieren, was sie am letzten Formel-1-Rennen eigentlich so spannend fanden. Um das Thema Kostenersparnis wird es sich dabei kaum handeln.

Ein Kommentar von Jens Fischer
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
ganzbaf (21.10.2008, 08:18 Uhr)
Fußball ist...

genau so ein Blödsinn.
Es fehlt z.B. an Bolzplätzen für Kinder, für 1 Stadion könnte man 1000 davon anlegen!
.
Jeglicher Profisport gehört geächtet und aus dem Fersehprogramm genommen!
gsc777 (20.10.2008, 17:40 Uhr)
Lauda hatte recht
.. als er seinerzeit aufhörte mit dem Argument, dass er keine Lust mehr hat, immer im Kreis herumzufahren. Das Rennen in China hat uns ja gezeigt, wie langweilig so etwas sein kann. Einer mit dem überlegnen Material hat die Pole und wenn er keinen Fehler macht, dann gewinnt er. Da ist so ein Boxenfehler wie letzthin bei Massa mit dem Benzinschlauch ein richtiges Highlight. Die DTM ist inzwischen auch nicht besser, nur spannender.
Motorsport ist überholt und viel zu teuer.
wotan3101 (20.10.2008, 17:31 Uhr)
@RenneR_01 nur bedingt richtig
Die Strafe für Michael Schumacher gab es 1997 und da fuhr er bereits für Ferrari. Das Zitat von Ecclestone ist richtig, aber mit den Strafen gegen MCM und speziell Lewis Hamilton hat er nichts zu tun, diese liegen nämlich in der Hand der Rennleitung, das sind neben Charlie Whiting drei andere Speichellecker von Max Mosley und ich gehe davon aus, das Du auch weisst, das Mercedes sich nach dem Sex Skandal von Mosley genauso wie BMW für seinen Rücktritt ausgesprochen hat, Rotnase Montezemolo dieses jedoch nicht tat ( deshalb wohl auch die dämlichen Quali Strafen gegen Heidfeld ). Also nicht wundern, Mosley will nur seine Gegner vernichten, da schreckt der notgeile Masochist vor nichts zurück
RenneR_01 (20.10.2008, 16:20 Uhr)
"Lex Ferrari" und .....
"alles muss bis zum letzten Rennen spannend bleiben". Letzteres ist ein Zitat vom Formel1-Vermarkter Bernie
Ecclestone. Sport ist da egal geworden.....
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Bestes - aktuelles - Beispiel ist wohl der Abschuss von Hamilton durch Mazza vorletztes Rennen. Michael Schumacher - meiner Erinnerungn nach als er noch nicht für Ferari fuhr - wurde für den VERSUCH einer vergleichbaren Aktion ALLE WM-Punkte aberkannt. Für den VERSUCH! Mazza - Ferrari-Pilot - zieht den Versuch durch und bekommt lächerliche 10 Sekunden Zeitstrafe.
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Die Formel1 bewegt sich in eine Richtung, in der der professionelle Radrennsport sich schon lange bewegte ..... auf Dauer wohl mit den selben Ergebnissen ==> KEINE SAU WIRD SICH FÜR DIE SCHIEBEREI MEHR INTERESSIEREN.
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Schade .....
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