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Vettel schießt gegen Webber

Pünktlich vor dem nächsten Rennen in Shanghai hat Sebastian Vettel den Streit mit seinem Teamkollegen Mark Webber neu angeheizt - in ungewöhnlich scharfer Form.

  Sebastian Vettel nach seinem Sieg in Malaysia

Sebastian Vettel nach seinem Sieg in Malaysia

Sebastian Vettel sitzt entspannt auf seinem Hocker im proppenvollen Motorhome von Red Bull und lächelt. Was der Weltmeister am Donnerstag in Shanghai aber über seinen Teamkollegen Mark Webber zu sagen hat, ist kompromisslos und birgt puren Zündstoff. "In Anbetracht der Ereignisse in den letzten Jahren, glaube ich, dass der Mark es nicht verdient gehabt hätte, dass ich den zweiten Platz halte und ihm den Sieg überlasse", sagt Vettel. 30 Minuten muss er sich bohrenden Fragen stellen. Am Ende ist klar: Vettel ist nach der anfänglichen Defensive inklusive Entschuldigung für den Sieg-Klau in Malaysia zur Attacke übergegangen.

Er unterstrich im Fahrerlager des Shanghai International Circuits, welcher Fahrer bei Red Bull das Sagen hat: Er. Und wer sich ganz hinten anstellen muss: Webber. Der Heppenheimer betonte fast schon beiläufig seinen Führungsanspruch bei Red Bull und legte im Zoff mit dem 36 Jahre alten Routinier aus Queanbeyan nach. "Es gab mehr als eine Situation in der Vergangenheit, als er dem Team hätte helfen können, er es aber nicht tat", sagte Vettel.

"Wir können das nicht mit uns rumschleppen"

Auf die Frage, ob er befürchte, künftig auf die Hilfe von Webber verzichten zu müssen, meinte er trocken: "Um ganz ehrlich zu sein, gab es nie Unterstützung von seiner Seite." Worte, die sitzen.

Rund eine Stunde zuvor hatte sich Webber, neuerdings mit einer Kurzhaarfrisur, auf der offiziellen Pressekonferenz des Automobilweltverbandes Fia zum Großen Preis von China noch moderat gezeigt; zwar auf dem Podium mit den Kollegen Nico Rosberg und Sergio Perez gescherzt, seine Worte aber wohl abgewägt und sich Zeit für seine Antworten genommen.

"Wir müssen versuchen, unsere Emotionen im Griff zu haben, aber das gehört nun mal zu unserem Job", sagte Webber und meinte später zu dem Zoff: "Wir können das nicht mit uns rumschleppen." Vettel hingegen beschrieb die Beziehung der beiden klar und deutlich. "Ich würde, um ehrlich zu sein, nicht von Vertrauen sprechen, wir haben ein professionelles Verhältnis."

Keine Entschuldigung fürs Gewinnen

Vettel machte reinen Tisch. Seine Worte erinnerten bisweilen auch an Michael Schumacher, sein Kindheitsidol. Auf die Frage, wie die Reaktion der Red-Bull-Mitarbeiter auf seine Abbitte gewesen sei, sagte Vettel nun: "Ehrlich gesagt, haben die Leute nicht verstanden, wofür ich mich entschuldige." Er stellte klar: "Ich habe mich beim Team entschuldigt." Nicht bei seinem Kollegen Webber, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft.

Triple-Champion Vettel hatte schon am Vortag erklärt: "Ich entschuldige mich nicht fürs Gewinnen. Dafür bin ich an erster Stelle angestellt worden und darum bin ich hier." Die Missachtung der Stallorder sieht er nicht als Glaubwürdigkeitsverlust von Teamchef Christian Horner. "Er ist der Chef, er hat das Sagen über alle Angestellten und führt die Mannschaft", erklärte Vettel.

Der 25-Jährige schloss am Donnerstag jedoch nicht aus, in einer vergleichbaren Situation wie in Malaysia wieder gegen die Order des Kommandostandes zu handeln. "Ich würde wahrscheinlich das gleiche machen", sagte er und sorgte damit auch bei Konkurrenten für Verwunderung. "Ich bin persönlich überrascht, dass er sowas sagt", meinte Ex-Champion und McLaren-Pilot Jenson Button. Was die Weisung in Sepang betrifft, habe er sie schlicht und einfach nicht verstanden, beteuerte Vettel.

Keine Stallorder bei Red Bull mehr

Der WM-Führende sieht sich in dem Streit mit Webber nach eigener Aussage "nicht als 'Bad Guy'". Auch wenn er teils harsche Kritik hatte einstecken müssen. "Ich kann nicht mit der Einstellung reingehen, es jedem recht zu machen", meinte Vettel.

Red Bull ist von der Teamorder längst wieder abgerückt. Das hatte Motorsportchef Helmut Marko angekündigt. "Stallorder wird es bei uns keine mehr geben", sagte er. Damit gilt ab Shanghai das alte Motto: Freie Fahrt für beide Piloten. Das hatte in der Vergangenheit zwar oft für Zündstoff gesorgt. Einen Streit wie nach dem Sieg in Sepang hatte es aber nicht gegeben.

kbe/DPA/DPA

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