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1. November 2009, 17:08 Uhr

Vettel, was für ein Vergnügen

Sebastian Vettel hat sich mit einem souveränen Sieg in Abu Dhabi für den verpassten WM-Titel ein bisschen getröstet. Dass ihn eine fatale Mixtur aus persönlichen, taktischen und technischen Fehlern über das Jahr hinweg den Titel gekostet hat, hakt der Red-Bull-Pilot ab - und denkt schon an die nächste Saison. Von Elmar Brümmer, Abu Dhabi

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Sebastian Vettel ist ein© Kamran Jebreili/AP

Zukunft, es gibt kein Wort, das bei der Formel-1-Premiere in Abu Dhabi häufiger in den Mund genommen wird als dieses. Was den architektonischen Protz-Faktor der in 1001 Tagen und Nächten aus der Wüste gestampften Piste angeht, trifft das voll zu. Gleich "die nächsten hundert Jahre" möchte Bernie Ecclestone immer wieder in den Sand setzen. Was die Abwechslung im letzten Abschnitt eines schon entschiedenen Titelrennens betrifft, sollte man die Premiere besser vergessen. Was den Sieger im ersten Dämmerungs-Grand-Prix der Geschichte angeht, ist dessen Zukunftsfähigkeit wohl am höchsten.

Gegen Sebastian Vettel, der mit komfortablen 17 Sekunden Vorsprung auf seinen Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber seinen vierten Saisonsieg, den fünften insgesamt einfährt, wirkt der drittplatzierte Weltmeister Jenson Button in jeder Hinsicht blass. Allein die Art und Weise, wie Vettel seinen Rennwagen durch den kurvigen Boxentunnel geprügelt hat, hat gezeigt: Aus dem Frust des vor zwei Wochen endgültig verlorenen WM-Titels ist die Lust des Angriffs geworden. Die Darbietung auf dem Yas Marina Circuit entspricht Vettels Fingerzeig aus dem Cockpit: "Du kannst das Gestern nicht ändern, nur das Morgen." Im Heute liegt der Anfang.

Vor lauter Freude über seine Alleinfahrt nach dem ersten Renndrittel, als der entthronte Weltmeister Lewis Hamilton mit einem Bremsproblem aufgeben musste, verfällt der Heppenheimer im Boxenfunk in eine Fistelstimme, als er immer wieder kreischt: "Was für ein Vergnügen, was für ein Vergnügen." Sein Teamchef Christian Horner gibt gleich die richtige Motivation mit auf den Weg zum Podium: "Wir kommen noch stärker wieder. Sebastian ist ein werdender Weltmeister."

Die Gesichtszüge Vettels sind am Ende der 17. Formel-1-Etappe entspannt, aber sie wirken auch härter. Die Reifeprüfungen im Zwei-Wochen-Rhythmus haben ihre Spuren hinterlassen. Die Enttäuschung von Sao Paulo hat der im Ehrgeiz einem Michael Schumacher in nichts nachstehende Heppenheimer gerade noch rechtzeitig vor dem Finale umgedreht: "Ziel Nummer eins ist Zweiter in der WM zu werden."

Vize, mit elf Punkten Rückstand, das ist die statistische Belohnung für die neben Champion Button größte fahrerische Überraschung der Saison. Der Weltmeister gratulierte seinem Vize aus Überzeugung: "Sebastian, das war ein Sieg in höchster Qualität!"

"Ich bin überglücklich, das war phantastisch", bilanziert Vettel nach dem überlegenen Neon-Sieg, "mein Auto war ein Traum heute. Ich wusste, dass wir im Rennen stark sein würden, über die Distanz immer besser wird. Jede Runde bin ich besser in den Rhythmus gekommen. Besser kann man das Jahr nicht abschließen. Schade, dass die Saison jetzt zu Ende ist..."

Nicht ganz, beim "Race of Champions" am Dienstag und Mittwoch im Pekinger Olympiastadion kommt es zu einer spielerischen Revanche mit Button. Doch die Gedanken des 22-Jährigen reichen schon hin bis zum Neustart der Formel 1 am 14. März 2010: "Wir machen da weiter, wo wir jetzt aufgehört haben. Die neue Saison wird hoffentlich genau so aufregend wie diese." Dass ihn eine fatale Mixtur aus persönlichen, taktischen und technischen Fehlern über das Jahr hinweg den Titel gekostet hat, hakt er als Erfahrungssache ab: "Ich bin sehr stolz. Die Fehler, die passiert sind, sind doch keine Schande. Es kommt nur darauf, dass wir daraus lernen. Es gibt einiges zu tun."

In der Red-Bull-Rennfabrik im mittelenglischen Milton Keynes tüftelt der geniale Rennwagendesigner Adrian Newey bereits an einem Siegerauto, Vettels Zuversicht liegt auch darin, dass sich die Regeln fürs nächste Jahr nicht so dramatisch ändern. Er und Red Bull wollen den Vorsprung hinüberretten bis zum Auftakt in Bahrain - wo in einer anderen Wüste wieder alles von vorn anfängt. Im neuen Rennjahr hat Sebastian Vettel zwei Große Preise mehr zur Verfügung, um doch noch jüngster Weltmeister der Formel 1-Geschichte zu werden.

Von Elmar Brümmer, Abu Dhabi
 
 
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