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Doppelter Schumi-Erfolg in Sao Paulo

Michael Schumacher fuhr beim Großen Preis von Brasilien im neuen F2002 zum unerwarteten Triumph und Ralf Schumacher machte im Williams-BMW als Zweiter den dritten Doppel-Erfolg der Brüder perfekt.

Michael Schumacher ist mit dem neuen Ferrari F2002 beim Renn-Debüt in Sao Paulo zum unerwarteten Triumph gefahren. Ralf Schumacher machte beim Großen Preis von Brasilien am Sonntag im Williams-BMW als Zweiter den dritten Doppel-Erfolg der Brüder perfekt. Mit seinem zweiten Saison-Sieg im dritten Lauf zur Formel-1- Weltmeisterschaft und 0,588 Sekunden Vorsprung baute Michael Schumacher seine WM-Führung auf 24 Punkte vor Bruder Ralf (16) und dem Kolumbianer Juan Pablo Montoya (14) im zweiten Williams-BMW aus und meldete eindrucksvoll seine Ansprüche auf den fünften WM-Titel an.

Jubelnd stieß Michael Schumacher die Faust in den brasilianischen Himmel. »Es war doch ein knappes, enges Rennen«, stellte der Kerpener im Ziel fest, »es war kein Glück, das war harte Arbeit.« Brasiliens Fußball-Idol Pele war so begeistert, dass er vergaß, die Zielflagge zu schwenken. Ralf Schumacher kündigte den nächsten Angriff an: »Es war schon ein spannendes Rennen, nächstes Mal klappt es vielleicht.« Der vierte WM-Lauf steht am 14. April in Imola auf dem Programm.

Dritter wurde in Sao Paulo der Schotte David Coulthard im McLaren- Mercedes. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld schied im Sauber- Petronas in der 62. Runde aus, Heinz-Harald Frentzen musste seinen Arrows-Cosworth in der 26. von 71 Runden in der Box abstellen.

Michael Schumacher, der sich in der Qualifikation hinter dem favorisierten Montoya im Williams-BMW mit dem zweiten Platz begnügen musste, legte in seiner »roten Göttin« einen Superstart hin und zog gleich in der zweiten Kurve an Montoya vorbei. Der Kolumbianer fuhr eine Kurve weiter Schumacher ins Heck, verlor dabei den Frontflügel und musste die Box ansteuern. Für ihn waren schon kurz nach dem Start alle Sieg-Chancen dahin. Er fuhr aber als Fünfter dennoch in die Punkte.

Der viermalige Formel-1-Weltmeister aus Kerpen kam bei großer Hitze mit Temperaturen über 30 Grad im Schatten mit dem Schrecken davon. Ralf Schumacher nahm die Verfolgung seines Bruders auf, musste aber kurze Zeit später den Brasilianer Rubens Barrichello im alten Ferrari vorbei lassen.

In der 14. Runde überholte Barrichello, der offensichtlich mit weniger Benzin unterwegs war und immer wieder Rekord-Runden hinlegte, auch seinen Teamkollegen. Der Weltmeister leistete keinen Widerstand. Drei Runden später musste der Brasilianer seinen Ferrari mit Problemen an der Hydraulik abstellen. Bei seinem zehnten Heimrennen war zum neunten Mal vorzeitig Schluss.

Das Bruder-Duell der Schumachers wurde zum Rätselraten über die Boxen-Strategie. Als Michael Schumacher in der 39. Runde die Box ansteuerte, war die Frage beantwortet - ein Stopp. Bruder Ralf durfte die Führung übernehmen, allerdings nur bis zum eigenen Tanken in Runde 44. Da war der Titelverteidiger mit 3,0 Sekunden wieder die Nummer eins.

Der Weltmeister war zufrieden mit seinem Fahrzeug. »Mit dem alten Auto wäre ich sicher nicht in der ersten Startreihe gestanden«, hatte er schon nach der Qualifikation festgestellt. Und: »Das neue hat noch viel Potenzial.«

Nick Heidfeld wurde im Warm-up in einen Unfall verwickelt. Das Aufwärmtraining wurde unterbrochen, weil der Arrows-Cosworth des Brasilianers Enrique Bernoldi nach einem Unfall mitten auf der Strecke brannte. Sofort fuhr das Arztauto an die Stelle. Als der Formel-1-Mediziner und sein Fahrer gerade ihre Türen geöffnet hatten, raste Heidfeld, der innen auf der Piste am Randstreifen vorbei wollte, in die linke Tür. Glücklicherweise blieben alle Beteiligten unverletzt. »Die Sicht war wegen der Boxenmauer eh eingeschränkt, zudem fuhr Michael vor mir«, beschrieb Heidfeld die Situation später, »dann waren plötzlich zwei Autos vor mir. Als der Fahrer die Tür öffnete, betete ich nur, dass er sie wieder zu macht.« Mit einer Bestrafung muss Heidfeld nicht rechnen, es gab keine gelbe Flaggen.

Von Elmar Dreher, dpa

Montoya: »Er zerstörte mein Rennen«

Verlierer Juan Pablo Montoya schäumte vor Wut und redete sich immer mehr in Rage. »Schumacher kreuzte meinen Weg, riss meinen Frontflügel ab und zerstörte mein Rennen«, tobte der heißblütige Kolumbianer. »Michael wusste, er hat nur dann eine Chance gegen mich zu gewinnen, wenn er mich raus haut. Er glaubt, er kann sich alles erlauben.« Der Beschuldigte fühlte sich zu Unrecht derart harsch angeklagt. »Ich weiß nicht, ob er mich berührt hat. Ich habe jedenfalls nichts gespürt und an meinem Auto war nichts beschädigt«, beteuerte der strahlende Sieger Michael Schumacher. Unabhängig von der Schuldfrage kocht nun die Frage nach gerechter Bestrafung durch die Rennkommissare wieder hoch.

Während der viermalige Formel-1-Weltmeister nach dem Vorfall in der vierten Kurve kurz nach dem Start zum Großen Preis von Brasilien unbeirrt weiter fahren konnte, musste Montoya die Box ansteuern und sich einen neuen Frontflügel an den Williams-BMW montieren zu lassen. Statt mit den beiden Schumacher-Brüdern um den Sieg beim dritten Saisonlauf am Ostersonntag und die Führung in der WM-Wertung kämpfen zu können, rollte der eigentliche Favorit hoffnungslos abgeschlagen das Feld von hinten auf. Platz fünf war der unbefriedigende Lohn seiner bravourösen Aufholjagd. »Ich bin wirklich tief enttäuscht. Ich hatte die Pole-Position, bin die schnellste Rennrunde gefahren - es wäre mein Rennen gewesen«, sagte der Südamerikaner.

Wie im Vorjahr kostete ihn ein - dieses Mal harmloser Tuschierer - den möglichen Triumph im Autodromo Jose Carlos Pace in Sao Paulo. »Nach dem Start habe ich in der ersten Kurve einen Fehler gemacht, so dass Michael vorbeiziehen konnte«, schilderte Montoya erregt den Fall aus seiner Sicht. »Anschließend wollte ich ihn wieder überholen. Doch mit seinem Hinterrad ist er voll gegen meinen Frontflügel gefahren.«

Der vor Wut und Enttäuschung kochende Kolumbianer unterstellte dem Kerpener bei der Kollision volle Absicht und kritisierte ihn als Wiederholungstäter. Schon vor zwei Wochen in Malaysia sei Schumacher ihm ins Auto gefahren, und er sei dann bestraft worden. »Michael kommt hier ungeschoren davon«, bezichtigte Montoya die Rennkommissare von Sao Paulo, gegenüber dem Ferrari-Piloten Gnade vor Recht ergehen lassen zu haben. »Die Entscheidungen der Stewarts sind ein Witz.« Das dreiköpfige Kontrollgremium, darunter ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk, stufte die Berührung der beiden Piloten als normalen Rennvorfall ein und verhängte keine Sanktionen. Montoya fühlte sich daher doppelt betrogen: In Sao Paulo büßte er durch den Schubser mit Schumacher alle Siegchancen ein; in Sepang hatten ihn die Stewarts nach einem Rad-an-Rad-Gerangel mit dem Deutschen, bei dem beide ins Gras gerutscht waren, zur Strafe durch die Boxengasse fahren lassen.

»Schumi« fühlt sich schuldlos

Schumacher war sich keiner Schuld bewusst. »Ich weiß nicht genau, was in Turn 4 passiert ist. Ich bin nach links gezogen, um die Außenseite frei zu lassen«, so der Rheinländer. »Ich sah Montoya dann nur plötzlich zurückfallen. Aber ich habe wirklich nichts bemerkt und weiß nicht, warum er verärgert ist.« Der frühere Formel-1-Fahrer Jean Alesi, ein guter Freund Schumachers, verstand dagegen den Ärger des Kolumbianers. Es sollten endlich immer die gleichen Stewarts bei Rennen urteilen, um zu einheitlicher Bestrafung zu kommen, forderte der Franzose. Jaguar-Teamchef Niki Lauda warf Montoya vor, wegen zu draufgängerischer Fahrweise den »sinnlosen Unfall« selbst provoziert zu haben. Für BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger gab es hingegen keinen Grund für ein juristisches Nachspiel. »Die Aktion war okay«, nahm der Österreicher Schumacher in Schutz. Für ihn wäre es nie so weit gekommen, hätte sein Mann vorher besser reagiert. »Juan darf Michael in der ersten Kurve nicht vorbei lassen«, kritisierte Berger.

Vor dem nächsten Grand Prix in Imola ist die Diskussion über die unterschiedliche Regelauslegung der Rennkommissare angeheizt. Bei den bisherigen drei Saisonläufen krachte es mehr oder weniger heftig nach dem Start - stets fiel die Beurteilung unterschiedlich aus: Als Ralf Schumacher in Melbourne spektakulär über Barrichellos Ferrari flog, lautete die offizielle Version: »Normaler Rennunfall.« In Sepang musste Montoya für etwas büßen, was selbst nach Michael Schumachers Ansicht keine Strafe wert war. Und in Sao Paulo nahmen die Stewarts keine Stellung. Die Piloten, die vor dem Großen Preis von Brasilien vehement für eine klare Linie und permanente Rennkommissare plädiert haben, sehen sich nun in ihren Forderungen bestätigt.

Interview mit Michael Schumacher

Frage: Haben Sie mit diesem Sieg auf einer Strecke, bei der ihre Williams-BMW-Kontrahenten Bruder Ralf und Juan Pablo Montoya als Favoriten galten, gerechnet?

Michael Schumacher: »Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg. Wir haben nicht wirklich erwartet, auf diesem Kurs zu gewinnen. Der Sieg war für viele eine Überraschung, für mich auch. In Australien waren wir sehr stark, zwei Wochen später in Malaysia sah es nicht so gut aus. Nach dem ersten Training hier in Sao Paulo war ich eher etwas pessimistisch. Es war eine große Herausforderung gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner. Ich hatte befürchtet, dass unsere Fortschritte noch nicht für einen Erfolg reichen würden.«

Frage: Hatten Sie keine Angst, Ihr Bruder Ralf könnte Sie noch von der Spitze verdrängen?

Schumacher: »Es war zwar ein knappes Rennen, aber nicht so schwierig, Ralf in Schach zu halten. Auf diesem Kurs kann man praktisch nur vor der ersten Kurve überholen. Ich habe mich deshalb darauf konzentriert, sicher zu stellen, dass er mich dort nicht passieren konnte, indem ich spät bremste und eine gute Position zum Herausbeschleunigen wählte. Im Innenteil der Strecke kann man nicht überholt werden, es sei denn, man macht einen Fehler. Ich musste natürlich Gas geben, um ihn nach dem Boxenstopp hinter mir zu halten. Aber ich wusste, dass ich keine Chance hatte, ihm davon zu fahren, wozu auch keine Notwendigkeit bestand. Ich musste nur meine Führung verteidigen.«

Frage: Juan Pablo Montoya hat Sie beschuldigt, ihm den Frontflügel abgefahren und so sein Rennen zerstört zu haben. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Schumacher: »Ich weiß nicht genau, was in Turn 4 passiert ist. Ich bin nach links gezogen, um die Außenseite frei zu lassen. Ich weiß nicht, ob er mich berührt hat. Ich habe jedenfalls nichts gespürt und an meinem Auto war nichts beschädigt. Ich sah Montoya dann nur plötzlich zurückfallen. Aber ich habe wirklich nichts bemerkt und weiß nicht, warum er verärgert ist.«

Frage: Worauf führen Sie ihren vierten Sieg in Sao Paulo zurück?

Schumacher: »Der Sieg hat nichts mit Glück zu tun. Wir haben sehr hart an der Entwicklung des neuen Ferrari und der neuen Bridgestone- Reifen gearbeitet. Das neue Auto und die Reifen waren Hauptfaktoren.«

Frage: Waren Sie überrascht, dass die Bridgestone- so gut mit den Michelin-Reifen mithalten konnten?

Schumacher: »So eine gute Vorstellung habe ich nicht erwartet. Ich rechnete damit, dass die Bridgestone stärker abbauen würden als die Michelin. Aber Williams-BMW war am Schluss nur minimal schneller als wir. Meine Reifen hielten viel besser als gedacht. Daher konnte ich so gute Rundenzeiten fahren und einen so späten Boxenstopp einlegen.«

Frage: Wie schätzen Sie Ihre Chancen beim Ferrari-Heimrennen in Imola in zwei Wochen ein?

Schumacher: »In Sao Paulo und in Imola haben wir im Vorjahr nicht so gut ausgesehen. Nachdem wir nun hier mit dem neuen Auto gewonnen haben, bin ich wesentlich optimistischer, auch auf Strecken, auf denen wir 2001 stark zu kämpfen hatten, gute Vorstellungen zeigen zu können. Zudem können wir uns natürlich noch steigern, obwohl wir schon viel vom Potenzial des F2002 gesehen haben. Man muss auch von Kurs zu Kurs abwarten, wer von den Reifen her Vorteile hat. Aber ich denke, es wird für uns nicht so schlecht für Imola aussehen. Wir treten beim Großen Preis von San Marino zuversichtlich an.«

Frage: Sie haben in Sao Paulo beim 11. Start hier Ihren 10. und insgesamt den 100. Podiumsplatz geholt. Ihr Teamkollege Rubens Barrichello ist dagegen bei seinem 10. Heimrennen zum 9. Mal ausgefallen und sah in dieser Saison noch nie das Ziel...

Schumacher: »Rubens hatte viel Pech, er tut mir Leid. Der arme Kerl fuhr wie zuletzt in Malaysia ein tolles Rennen und wurde wieder nicht belohnt.«

Aufgezeichnet von Elmar Dreher, dpa

Offizielles Endergebnis GP Brasilien

Großer Preis von Brasilien in Sao Paulo, 71 Runden à 4,309 km (305,909 km):

1. Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari 1:31:43,663 Std. (Schnitt: 200.098 km/h);

2. Ralf Schumacher (Kerpen) Williams-BMW 0,588 Sek.zurück;

3. David Coulthard (Großbritannien) McLaren-Mercedes 59,109;

4. Jenson Button (Großbritannien) Renault 66,883;

5. Juan Pablo Montoya (Kolumbien) Williams-BMW 67,563; 1 Runde zurück:

6. Mika Salo(Finnland) Toyota;

7. Eddie Irvine (Großbritannien) Jaguar-Cosworth;

8. Pedro de la Rosa (Spanien) Jaguar-Cosworth; 2 Runden zurück:

9. Takuma Sato (Japan) Jordan-Honda; 3 Runden zurück:

10. Jacques Villeneuve (Kanada) BAR-Honda;

11. Mark Webber (Australien) Minardi-Asiatech; 4 Runden zurück:

12. Kimi Räikkönen (Finnland) McLaren-Mercedes;

13. Alex Yoong (Malaysia) Minardi-Asiatech

Ausfälle:

Giancarlo Fisichella (Italien) Jordan-Honda (6. Runde);

Rubens Barrichello (Brasilien) Ferrari (16. Runde);

Enrique Bernoldi (Brasilien) Arrows-Cosworth (19. Runde);

Heinz-Harald Frentzen (Mönchengladbach) Arrows-Cosworth (25. Runde);

Olivier Panis (Frankreich) BAR-Honda (25. Runde);

Allan McNish (Großbritannien) Toyota (40. Runde);

Felipe Massa (Brasilien) Sauber-Petronas (41.Runde);

Jarno Trulli (Italien) Renault (60. Runde);

Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Sauber-Petronas (61. Runde)

Schnellste Rennrunde: Juan Pablo Montoya (Williams-BMW) 1:16,079 Min.

Trainingsschnellster: Juan Pablo Montoya (Williams-BMW) 1:13,114 Min.

Fahrer-Wertung nach 3 von 17 Rennen:

1. Michael Schumacher 24

2. Ralf Schumacher 16

3. Juan Pablo Montoya 14

4. Jenson Button 6

5. Kimi Räikkönen 4

David Coulthard 4

7. Eddie Irvine 3

8. Mark Webber 2

Mika Salo 2

Nick Heidfeld 2

11. Felipe Massa 1

Konstrukteurs-Wertung nach 3 von 17 Rennen:

1. Williams-BMW 30

2. Ferrari 24

3. McLaren-Mercedes 8

4. Renault 6

5. Sauber-Petronas 3

Jaguar-Cosworth 3

7. Toyota 2

Minardi-Asiatech 2

Nächstes Rennen: GP San Marino am 14. April in Imola

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