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Vettel nach Reifenpoker auf Platz drei

Die Chancen standen gut für einen perfekten Saisonstart des amtierenden Formel-1-Weltmeisters. Doch von der Pole Position schaffte es Sebastian Vettel nur auf Platz drei. Reifen bestimmten das Rennen.

  Sebastian Vettel fuhr von der Pole Position nur auf Platz drei.

Sebastian Vettel fuhr von der Pole Position nur auf Platz drei.

Sebastian Vettel hat beim unübersichtlichen Reifenpoker von Melbourne einen kleinen Dämpfer für seine vierte WM-Mission bekommen. Der Heppenheimer Formel-1-Weltmeister musste am Sonntag beim Großen Preis von Melbourne Kumpel Kimi Räikkönen und auch seinem Erzrivalen Fernando Alonso den Vortritt lassen. Für den "Iceman" aus Finnland war es der 20. Grand-Prix-Sieg in seiner Karriere. Während Vettel seine Pole Position im Albert Park nicht bis ins Ziel retten konnte, war Räikkönen dank einer cleveren Zweistopp-Strategie vom siebten auf den ersten Platz gerast.

Das Podium verpasste Adrian Sutil zwar deutlich: Dennoch bot der deutsche Rückkehrer mit den ersten Führungsrunden seiner Formel-1-Karriere eine starke Vorstellung und wurde im Force India Siebter. Zwei andere Deutsche hatten dagegen großes Pech: Nico Rosberg musste seinen Silberpfeil in der 27. Runde am Rand parken - und das, nachdem er auf dem dritten Rang gelegen hatte. "Es hat vorher schon lange gestottert Am Ende war es ein Elektronik-Problem. Das war das Aus." Nico Hülkenberg konnte erst gar nicht antreten: Ein Problem an der Benzinleitung verhinderte den Start des Sauber-Neuzugangs.

Für alle anderen gingen um 17.03 Uhr Ortszeit zum ersten Mal die roten Rennampeln in diesem Jahr aus. "Der erste Start, bei dem es um die Wurst geht, schauen wir, dass es ein guter wird", hatte Vettel vorher gesagt. Und sein Start war ziemlich gut. Der Heppenheimer, der sich fünf Stunden zuvor seine 37. Karriere-Pole gesichert hatte, zog erstmal davon. Im Rückspiegel des Red Bulls ging es allerdings zur Sache - zum Glück ohne jeglichen Blechschaden.

Mark Webber kam nicht in die Gänge

Teamkollege Mark Webber kam von Platz zwei aus dagegen gar nicht in die Gänge. Der Lokalmatador wurde durchgereicht bis auf Rang sieben. Vorbei katapultieren sich unter anderem Räikkönen, Alonso sowie Massa - und das Ferrari-Duo schnappte sich auch noch Lewis Hamilton im zweiten Mercedes. Weiter hinten machte auch Sutil Boden gut, nachdem er durch das Pech Hülkenbergs bereits einen Platz (11.) nach vorn gerutscht war. Als der Emmericher "extrem" frustriert aus dem Fahrerlager stapfte, lag Sutil sogar in Führung.

Denn der Gräfelfinger, der im vergangenen Jahr unfreiwillig ausgesetzt hatte, war beim Reifenpoker mit den etwas härteren Pneus angetreten. Alle anderen, von Vettel bis zu den zwischenzeitig auch mal führenden Mercedes-Männern Hamilton und Rosberg, mussten vorher an die Box, um sich der schnell abbauenden weichen Reifen zu entledigen. Und Vettel steckte nach seinem ersten Tausch im Verkehr fest. Das wurde dem Hessen zum Verhängnis, nachdem er die Trainingseinheit und auch die Qualifikation dominiert hatte. Räikkönen schob sich indes fast schon heimlich, still und leise immer weiter nach vorne.

Nach rund einem Drittel der Renndistanz von 307,574 Kilometern kam dann auch Sutil erstmals in die Box - mit Vettel im Schlepptau. Kurz danach passierte der Hesse den Bayern auf der Strecke - da waren aber nicht mal die Hälfte der 58 Runden gedreht.

Unübersichtliches Reifenspektakel

Ständige Führungswechsel, Überholmanöver en masse und Boxenstopps fast im Minutentakt - das erste von 19 Rennen wurde zum unübersichtlichen Reifenspektakel. Wie erwartet, wie befürchtet. Der Kurs, auf dem sonst gewöhnliche Pkw fahren, war übersät mit kleinen Reifenbröckchen. Und dann kam auch noch Regen. Nachdem die Qualifikation am Samstag nach dem ersten Durchgang abgebrochen und auf den Sonntagmorgen verschoben worden war, tröpfelte es allerdings im Rennen nur.

Rosberg war da schon raus. Der Wiesbadener gab mit bitterer Miene bereits die ersten Interviews, als Kollege Hamilton unerwartet doch noch mal zum dritten Reifenwechsel reinkam und am Ende nur Fünfter nach Startplatz drei wurde.

An der Spitze leistete sich Räikkönen, der im vergangenen Jahr in Abu Dhabi seinen ersten Sieg seit seiner Rückkehr in die Formel 1 zur Saison 2012 gefeiert hatte, immer wieder Scharmützel mit Sutil. Der Force-India-Fahrer musste allerdings noch einmal an die Box - jeder Fahrer muss auch mit den anfälligen weichen Reifen fahren. Und damit fiel Sutil nach hinten.

Vorne drehte Räikkönen unbeirrt und ungestört von seinem Team seine Runden und riss im Ziel die Hände zum Siegerjubel nach oben. Auf Alonso hatte Räikkönen, der 2007 in seinem WM-Jahr auch schon in Australien gewonnen hatte, über zwölf Sekunden Vorsprung. Danach kam dann auch Vettel ins Ziel. Damit standen die ersten Drei der vergangenen WM in umgekehrte Reihenfolge auf dem Podium zum Auftakt der Saison 2013.

Christian Hollmann, DPA/DPA

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