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3. August 2008, 17:16 Uhr

Glückspilze triumphieren über Ferrari

Bis kurz vor Schluss sah es beim Großen Preis von Ungarn nach einem Triumph für Felipe Massa aus. Doch die Hoffnungen lösten sich im rauchenden Motor des Ferrari-Piloten auf. Am Ende der hitzigen Runden auf dem Hungaroring gab es mit Heikki Kovalainen, Timo Glock und Lewis Hamilton stattdessen drei Glückspilze zu bestaunen. Von Elmar Brümmer, Budapest

Kein Comeback an der WM-Spitze: Felipe Massas Triumph löste sich in Rauch auf© Darko Vojinovic/AP

Die Langeweile siegt selten in dieser Formel-1-Saison, auch wenn es bis drei Runden vor Schluss beim Großen Preis von Ungarn nach nichts anderem aussah als dem unangefochtenen Triumph von Felipe Massa und dem Comeback von Ferrari an der WM-Spitze. Doch die Hoffnungen lösen sich im rauchend Motor im Auto des Spitzenreiters auf, zurück bleibt nach dem Ausfall Massas lediglich ein hässlicher Ölfleck am Ende der Geraden. Platz drei für Titelverteidiger Kimi Räikkönen ist nur Ergebniskosmetik. Die Scuderia sieht Rot – ein alarmierendes Rot sogar. Am Ende gibt es aber drei gleich Glückliche am Ende von 70 hitzigen Umläufen auf dem Hungaroring:

Glückspilz Nummer eins: Heikki Kovalainen kommt im Silberpfeil zu seinem ersten Formel-1-Sieg - drei Tage nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung. Ron Dennis begrüßt ihn per Boxenfunk mit dem pathetischen Satz: "Willkommen in der Welt des Gewinnens..." Der erste Sieg ist bekanntlich der Schwierigste, der 26-Jährige hat gerade mal anderthalb Rennjahre dafür gebraucht. Lewis Hamilton fährt händeklatschend auf der Ehrenrunde am Finnen vorbei, der eigentlich als Adjudant weiter verpflichtet worden ist. Kovalainen, der sich in den drei Wochen Formel-1-Pause jetzt ausgiebig der Olympiaberichterstattung im Fernsehen widmen will, hat sich mit Ausblick von der obersten Stufe des Podiums offenbar schon angefreundet: "Ich hoffe, das ist für mich der erste von vielen Siegen..." Das Wechselbad der Gefühle an diesem Wochenende, in diesem Rennjahr wird am anschaulichsten bei McLaren-Mercedes: Von zwei Autos in der ersten Startreihe über eine verlorene Anfangsphase, eine kritische Mitteldistanz bis zum Überraschungserfolg am Schluss. Aber es ist auch das Glück der Tüchtigen: Über die ersten elf Rennen hat niemand so viel für die Weiterentwicklung des Autos getan wie die Silbernen.

Nichts erinnerte mehr an Glocks Mega-Crash Glückspilz Nummer zwei: Timo Glock, vor zwei Wochen auf dem Hockenheim noch spektakulär mit dem Toyota verunglückt, hat schon mit einer starken Qualifikationsleistung (Platz fünf) keinen Zweifel daran gelassen, dass vom Mega-Crash nichts zurück geblieben ist: "Damit sind wohl alle Fragen beantwortet, wie es mir geht." Und in den letzten zehn Runden im Rennen macht er sein Meisterstück, lässt sich vom heranbrausenden Weltmeister Kimi Räikkönen kein bisschen nervös machen. Für den Odenwälder sind die acht WM-Punkte aber nur der zählbare Bonus der starken Leistung, die auch damit zu tun hat, dass Toyota seine Rennwagen immer dann gut positionieren kann, wenn es richtig heiß wird. Auf Sicht viel entscheidender ist es, dass sich Glock im Team gegenüber Jarno Trulli endgültig emanzipiert hat. Selbst ein Problem mit der Tankanlage beim ersten Stopp kann den 26-Jährigen nicht aus der Bahn werfen. In der Box des vom Erfolg nicht gerade erfolgsverwöhnten Kölner Konzernteams singen sie nach der Zieldurchfahrt Glock zu Ehren den Karnevalsschlager "Viva Colonia". Der neue Prinz, der sich am Start gleich den vierten Platz von Robert Kubica geschnappt hatte, muss die Überschwänglichkeit noch üben: "Ich kann's immer noch nicht ganz glauben. Aber ich bin happy." Aber hallo! Glückspilz Nummer drei: Gegen Felipe Massas Ferrari hat WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton weder am Start noch im weiteren Rennverlauf eine Chance. Der Brite im Silberpfeil hatte sich schon auf Platz zwei eingeigelt, ehe er nach 41 Runden von einem Plattfuß am linken Vorderreifen gestoppt wird. Aber aufgeben ist nicht sein Ding, beharrlich kämpft er sich auch in Championmanier in den hinteren Punktregionen mit einem voll betankten Boliden durch. Und wird am Ende entsprechend belohnt - er kann mit dem fünften Rang seinen Vorsprung in der WM-Gesamtwertung sogar noch ausbauen: "Das ist für mich das Wichtigste heute." Denn jedes Pünktchen kann sich - bei der engen Lage in dieser Auf- und Ab-Weltmeisterschaft - am Ende auszahlen. Die meisten Pechvögel waren Deutsche Wo drei große Gewinner zu feiern sind, gilt es auch noch kurz die Pechvögel abzuhandeln, abgesehen von Ferrari allesamt mit deutschem Hintergrund. Das BMW-Team erlebt den größten Absturz - Robert Kubica machte aus der vierten Startposition lediglich ein Ehrenpünktchen, Nick Heidfeld muss sich mit randvollem Auto und einer Ein-Stopp-Strategie im Mittelfeld abmühen, schafft es immerhin von Rang 15 auf den zehnten Platz. Die wenigen anderen Ausfälle des Rennens neben Massa betreffen Sebastian Vettel und Adrian Sutil. Nico Rosberg bleibt mit Platz 14 zum sechsten Mal in Folge den Punkten fern. Als ob Bernie Ecclestone es mal wieder geahnt hat: Entgegen alle Annahmen hat der Grand-Prix-Promoter am Sonntagmorgen den Vertrag mit der ungarischen Rennstrecke vorzeitig bis 2016 verlängert. So abwechslungsreich kann's gern weiter gehen...

Von Elmar Brümmer, Budapest
 
 
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