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3. August 2008, 13:24 Uhr

Mehr als eine Handvoll Dollar

Wenn es Nacht wird im Fahrerlager der Formel 1, legen Robert Kubica und Fernando Alonso die Karten auf den Tisch. Denn mit dem Großen Preis von Ungarn beginnt traditionell der Poker für die nächste Saison. Nick Heidfeld, Giancarlo Fisichella und Adrian Sutil haben dabei nicht die besten Karten. Von Elmar Brümmer, Budapest

Pokerface: Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso hält sich alle Optionen für seine Zukunft offen© Attila Kisbenedek/AFP

Alonso, Kubica und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen definieren über ihre eigene Zukunft auch, wie schnell sich das Fahrerkarussell in diesem Rennjahr dreht. Traditionell wird die entscheidende Runde beim Großen Preis von Ungarn in Budapest eingeläutet, denn die meisten Optionen und Vertragsfristen laufen im August und September aus.

McLaren-Mercedes ist derzeit durch Lewis Hamilton nicht nur WM-Spitze, sondern hat ähnlich wie das Red-Bull-Team (mit Sebastian Vettel und Mark Webber) schon seine Paarung für 2009 beisammen. Zum Auftakt des Hitze-Grand-Prix auf dem Hungaroring wurde der Finne Heikki Kovalainen mit der vorzeitigen Verlängerung seines Ein-Jahres-Kontraktes belohnt – sein vorbildliches Ausweichen auf dem Hockenheimring, das den Teamkollegen Hamilton zum Sieg stürmen ließ, hat das die Teamführung in der Entscheidung noch bestätigt.

Der Skandinavier, erst 28 Jahre alt, möchte im Überschwang seine Karriere sogar bei McLaren beenden. Der Fahrer denkt an die langfristige Perspektive, wie sie schon Hamilton für die nächsten drei Jahre besitzt, aber das Team lässt sich so alle Möglichkeiten für 2010 offen – wenn Hauptaktionär Mercedes vielleicht endlich den Traum der Autofahrernation Deutschland von einem einheimischen Silberpfeil-Piloten wahr machen kann. Nico Rosberg, der sich selbst beim zuletzt schwächelnden Williams-Team geparkt hat, kann dann vielleicht doch noch auf den großen Karrieresprung hoffen. Überhaupt sind viele der Winkelzüge auf dem aktuellen Transfermarkt schon in Richtung kommendes Jahr ausgerichtet.

Was hat Raikkönen vor?

Es wären ganz einfache, ganz spontane Entscheidungen, wenn man wüsste, was Kimi Räikkönen vor hat. Sollte der Weltmeister selbst es überhaupt wissen, dann spricht er nicht drüber. Was ihm sehr leicht fällt. Alle Gerüchte von der Amtsmüdigkeit versucht er mit dem Mantra "Ich habe einen Vertrag für 2009" wegzuwischen. Aber das klare Bekenntnis zu einer Perspektive fehlt.

Und so still er wirken mag, so impulsiv kann er entscheiden. Sollte er mal keine Lust mehr haben, wird ihn keine Vertragsklausel umstimmen können. Dass er noch mal woanders fährt, erscheint unwahrscheinlich. Viel wird von den Ergebnissen abhängen, die zuletzt nicht besonders berauschend waren, weil er mit dem aktuellen Auto nicht richtig zurecht kommt. Wollte Räikkönen Ende des kommenden Jahres oder früher den roten Overall ausziehen, dann muss er diesen Wunsch bis zum September in Maranello äußern. Der Optionsscheinshandel ist schließlich in vollem Gange, und Ferrari ist für seine weitreichende Personalplanung bekannt – Räikkönens Wechsel von McLaren-Mercedes zum italienischen Rennstall wurde schon zwei Jahre zuvor fix gemacht. Und Teamchef Stefano Domenicali ist ein gewiefter Stratege. In seinem Kopf fährt schon die Paarung für die zweite Dekade des Jahrtausends im Kreis. Mit Räikkönen? Mit Felipe Massa? Das hängt auch noch wesentlich vom Ausgang des Titelrennens 2008 ab.

Alonso ist Weltmeister im Unruhestiften

Im Unruhestiften ist Fernando Alonso immer noch weltmeisterlich, ansonsten ist der gerade 27 Jahre alte gewordene Ex-Champion im Renault auf Zufallserfolge angewiesen. Sein Gesichtsausdruck macht deutlich, dass er sich das nicht ewig antun will. Der Spanier hat eine Klausel im Zwei-Jahres-Vertrag, die ihm bei Ausbleiben der Ergebnisse den vorzeitigen Ausstieg erlaubt. Er zögert die Entscheidung bewusst hinaus, denn er sondiert den Markt. Im September oder im Oktober will sich der Senor entscheiden. Mindestens vier Teams neben seinem derzeitigen Arbeitgeber kämen für die weitere Lebensplanung in Betracht: Ferrari, BMW-Sauber sowie die Krösusse Honda und Toyota. In Gehaltsregionen von 15 bis 30 Millionen Dollar ist die Entscheidung nicht bloß vom Geld abhängig, es geht um den Machtstatus des Fahrers innerhalb des Teams.

Genau das ist der Grund, warum – nach den Vorfällen um Alonso vergangenes Jahr im Silberpfeil-Lager – mancher Teamchef zögert, sich den egozentrischen Spanier ins Haus zu holen. Auch bei BMW-Sauber, wo die Logik eigentlich für die Bestätigung der Verträge von Nick Heidfeld und Robert Kubica spricht, kann man beim geplanten Sprung an die Spitze keine unnötigen Turbulenzen gebrauchen. Wohl aber einen Top-Piloten mit Perspektive. Den hat man eigentlich schon mit Kubica. Doch der Mann aus Krakau ist nicht umsonst der Initiator der Piloten-Pokerrunde in der Formel 1. Alle Welt geht davon aus, dass Kubicas Kontrakt in den nächsten Wochen verlängert wird, vermutlich sogar längerfristig. Aber wie Alonso hält sich der 23-Jährige alle Möglichkeiten offen. Bloß nicht zu früh etwas preisgeben, was Einbußen in der Gewinnsumme bringen könnte. Er spürt, dass ihn alle jagen, und aus seiner Vorliebe für die italienische Lebensart macht er keinen Hehl.

Vettel hat vertragliche Bindung zu BMW

Das Münchner Werksteam könnte in fernerer Zukunft Nick Heidfeld (31) durch den in der Formel BMW groß gewordenen Nico Rosberg oder durch den in dieser Woche erst 21 Jahre alt gewordenen Sebastian Vettel ersetzen. Der jüngste Grand-Prix-Pilot ist zwar 2009 als Stammfahrer bei Red Bull Racing gesetzt, hat aber weiterhin eine – geheim gehaltene – vertragliche Bindung zu BMW.

Der Poker geht weiter. Diesen Monat, nächsten Monat – nächstes Jahr. Die Formel 1 als Rummelplatz: Junge Männer zum Mitreisen gesucht...

Von Elmar Brümmer, Budapest
 
 
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