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Schumi, der "Anti-Boris"

Welch seltenes Ereignis, Michael Schumacher im TV. Nach der Kerner-Sendung musste man den Hut ziehen. Vor einem Menschen, einem der größten Sportler aller Zeiten, der wohltuend normal geblieben ist. Kaum Glamour, keine Skandale, dafür Bescheidenheit und Tiefgang - an Schumi darf sich manch' anderer gern ein Beispiel nehmen.

Von Jens Fischer

Am späten Dienstagabend war im deutschen Fernsehen Schlimmes zu befürchten. Die "TV-Allzweckwaffe" Johannes B. Kerner trifft die deutsche Formel-1-Legende Michael Schumacher auf dessen Luxus-Ranch am Genfer See. Und zugegeben: Der Start der Sendung war grausam. Kerner und Schumi romantisch im Schnee, dann bei der Ausfahrt auf albernen Trikes, später ein ungelenker Kerner mit Schumi hoch zu Ross im Pferdestall - wie sollte das nur enden?

Als die beiden dann aber endlich Platz zum Gespräch nahmen, erfuhr alles eine angenehme Wendung – was in erster Linie an Michael Schumacher lag.

Denn dessen Auftritt tat einfach gut. Alles was er seinem "Duz-Kumpel" Kerner an diesem Abend verriet, zeigte eines ganz deutlich: Viel Geld und viel Erfolg müssen nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit jeglichem Verlust der Bodenhaftung sein. Man muss sich als Prominenter nicht "Boris-Becker-like" zum Sklaven der Öffentlichkeit machen, sondern kann durchaus als normaler Mensch weiterleben.

Man kann auch seine Kinder ganz normal erziehen und muss seine Familie nicht über die halbe Welt verteilen. Eine Ehe kann auch mal 18 Jahre halten. Medial voll ausgeleuchtet von einem Bett ins nächste hüpfen, muss ganz nebenbei bemerkt auch nicht sein.

Michael Schumacher ist der "Anti-Boris-Becker". Er ist keiner, der auf Nischensendern Poker spielt, und keiner, der auf jedem "Roten Teppich" rumstolziert. Wenn er wollte, könnte er das wahrscheinlich jeden Abend an einem anderen Ort dieser Welt.

Stattdessen spricht er aber lieber über seine Kinder ("Wir beten nicht"), über seine Frau Corinna ("Sie ist meine Ergänzung") und über seine neue Leidenschaft, das Kochen. Alles erstaunlich unprätentiös, bodenständig, bescheiden - und einfach wohltuend normal.

Schumi hat den Menschen an diesem Abend seltene Einblicke gewährt. Er hat ihnen erklärt, warum er bei vielen Ehrungen nicht zu sehen ist, wie er das "Haifischbecken" Formel 1 so erfolgreich überstanden hat und wie er versucht, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.

Er hat das in dieser Sendung seit langem das erste Mal getan, und es wird ewig dauern, bis man Derartiges wieder von ihm hören wird. Das macht ihn so besonders. Inflationäre Klatschgeschichten und oberflächliches Blabla kennen wir schließlich von anderen zu Genüge.

Schumacher hat es geschafft, während des Gesprächs seinen ganzen Reichtum in den Hintergrund zu drängen. Klar hatte man immer diesen riesigen Stall mit der großen Anzahl von Pferden im Blick, den Designeranzug, den gestriegelten Rassehund, den Ferrari vor der Tür - aber wichtiger war etwas anderes: Nämlich die Erkenntnis, dass es auch anders geht. Ohne Glamour und Skandale. Deshalb auch eine Bitte zum Schluss: Schumi, lass' dich öfter blicken!

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