HOME

Hamilton vs. Vettel: Schlägerei statt Friedensgespräch?

Das Rüpel-Foul von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton hat den WM-Zweikampf in der Formel 1 zur Explosion gebracht. Die Zeit der Nettigkeiten ist vorbei. Dem Ferrari-Star droht jetzt sogar eine Sperre - und womöglich Prügel.

Zweikampf mit fragwürdigen Mitteln in Baku: Lewis Hamilton in seinem Mercedes F1 WO8 vor Sebastian Vettel im Ferrari SF70H

Zweikampf mit fragwürdigen Mitteln in Baku: Lewis Hamilton in seinem Mercedes F1 WO8 vor Sebastian Vettel im Ferrari SF70H

Das Friedensgespräch mit Pisten-Rammbock Sebastian Vettel sagte Lewis Hamilton umgehend ab. "Er hat doch meine Nummer gar nicht. Ich gebe die Antwort auf der Strecke", knurrte der Mercedes-Pilot nach dem unglaublichen Adrenalin-Foul des deutschen WM-Spitzenreiters beim Formel-1-Spektakel von Baku.

Wut-Rempler von Aserbaidschan brachte nicht nur das bislang so nette Titelrennen der beiden Topstars zur Explosion, sondern könnte für den Ferrari-Fahrer noch Folgen haben. Ein erneuter schwerer Regelverstoß wie dieser beim nächsten Rennen in Österreich, und der Hesse wird für einen Grand Prix gesperrt. Denn Vettel kassierte neben der Zehn-Sekunden-Zeitstrafe auch drei weitere Zähler für sein Sündenregister. Mit nun neun Foulpunkten ist der Heppenheimer auch dort Spitzenreiter und zwölf Zähler ziehen einen automatischen Bann nach sich.

"Ich verstehe das nicht, vielleicht ist Vettel verrückt"

Von Einsicht und Abbitte war Vettel dennoch weit entfernt. Trotzig äußerte er immer wieder sein Unverständnis über das Urteil der Rennrichter. "Wir sind Männer hier, wir sind nicht im Kindergarten", begründete der 29-Jährige seinen Ausraster in der 19. Runde, als er Hamilton absichtlich ans linke Vorderrad gefahren war.

"Vettel ist normalerweise ein vernünftiger Kerl. Ich verstehe das nicht, vielleicht ist er verrückt", sagte Mercedes-Teamaufseher . Tatsächlich verlor Vettel nicht zum ersten Mal in seiner Karriere auf der Strecke die Nerven. Vor allem seine nicht jugendfreien Schimpftiraden am Boxenfunk zeigten in der Vergangenheit immer wieder das hitzige Temperament des viermaligen Weltmeisters. Im Vorjahr beleidigte er sogar Rennleiter Charlie Whiting via Teamradio.


Doch Vettels Rammstoß von , der die furiose Siegfahrt von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo überschattete, hatte wohl niemand kommen sehen. "Wir wissen, wie er sein kann. Ich hätte trotzdem nie gedacht, dass sowas wie heute passiert", sagte Hamilton. Der frühere Champion Damon Hill meinte: "Wenn du sowas im Straßenverkehr machst, wirst du verhaftet."

Schlechte Erinnerungen an Duell mit Nico Rosberg

Der Eklat am Kaspischen Meer könnte den Wendepunkt im bislang so harmonischen WM-Zweikampf der beiden Alphatiere markieren. "Ab einem bestimmten Zeitpunkt können die Besten, die um den WM-Titel fahren, nicht mehr Freunde sein. Vielleicht haben wir heute die Grenzen des Respekts gesehen", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Dagegen wollte Vettel, der durch Platz vier im achten Saisonlauf nun 14 Punkte Vorsprung auf Hamilton hat, die Aufregung nicht verstehen. "Ich denke nicht, dass es viel zu bereden gibt. Ich werde mit ihm sprechen, wenn die Medien nicht dabei sind, und dann geht es weiter", sagte Vettel.

Doch Hamilton verspürte vorerst keine Lust auf eine Aussprache mit seinem zuvor von ihm so hoch geschätzten Rivalen. "Ich will ihn nicht treffen, das könnte sonst eskalieren", sagte der Brite, den ein ungeplanter Boxenstopp auf Platz fünf zurückwarf, weil seine Mechaniker während der Rennunterbrechung seinen Kopfschutz nicht richtig befestigt hatten. Für den 32-Jährigen dürfte der Knall von Baku ungute Erinnerungen an das vergiftete Duell mit Nico Rosberg aus den Vorjahren wecken, als sich die beiden Mercedes-Kollegen auf und neben der Strecke immer mehr in Scharmützel verstrickten.

Hamilton würde sich mit Vettel prügeln

Erleichtert über den Abschied von Rosberg hatte Hamilton zuletzt das Kräftemessen mit Vettel sichtlich genossen, weil er den Ferrari-Mann anders als seinen einstigen Teamgefährten als Gegner auf Augenhöhe anerkennt. So gab sich der Silberpfeil-Fahrer nach Vettels Entgleisung erst recht enttäuscht. "Wir sind Weltmeister, wir machen so etwas nicht", tadelte Hamilton den WM-Führenden und nannte ihn ein schlechtes Vorbild für alle Nachwuchspiloten. Kurz darauf forderte er Vettel sogar quasi zu einer Schlägerei heraus: "Wenn er zeigen will, dass er ein Mann ist, soll er aus dem Auto steigen und wir machen es von Angesicht zu Angesicht."

Hamiltons Vorgesetzter Lauda fürchtet offenbar, dass es tatsächlich zu Handgreiflichkeiten mit Vettel kommen könnte: "Irgendwann wird Lewis ihn schlagen, nicht mit dem Auto, sondern mit der Faust", sagte der Österreicher, und meinte es wohl nur halb im Scherz.

mad/Christian Hollmann, DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity