. .
Formel-1-News
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. September 2007, 16:19 Uhr

Drastische Strafe für die Silberpfeile

McLaren-Mercedes muss wegen der Spionage-Affäre in der Formel 1 eine Strafe von 100 Millionen Dollar bezahlen. Und die sicher geglaubte Konstrukteurs-WM ist auch verloren. Das alles will das Team von Ron Dennis nicht akzeptieren.

Hamilton persönlich muss keine Konsequenzen fürchten, sein Team schon© Christophe Ena/AP

Ausschluss aus der Konstrukteurs-WM und eine drastische Geldstrafe: McLaren-Mercedes muss die Spionage-Affäre in der Formel 1 teuer bezahlen und einen fast sicheren Titel ausgerechnet dem Erzrivalen Ferrari kampflos überlassen. Dem britisch-deutschen Rennstall werden alle Zähler in der Teamwertung aberkannt, zudem muss er 100 Millionen Dollar (rund 72 Millionen Euro) Buße zahlen. Dies entschied nach einer rund siebenstündigen Verhandlung in Paris der Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA. Die Fahrer blieben indes wegen der besonderen Umstände verschont.

"Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen bei Medien und Formel 1-Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen", kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Entscheidung. Er kündigte zugleich eine mögliche Berufung gegen das Urteil an. "Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Rennstrecke Antworten zu geben, wie zuletzt in Monza, und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden", betonte Haug, nachdem das Team am 26. Juli bei einer ersten Anhörung noch freigesprochen worden war. Allerdings aus Mangel an Beweisen und auf Bewährung. Es drohte sogar der Ausschluss aus der laufenden und der kommenden Saison bei einer neuen Beweislage.

Diese hatte sich vergangene Woche ergeben, nachdem ein entsprechender E-Mail-Verkehr zwischen Weltmeister Fernando Alonso und Ersatzfahrer Pedro de la Rosa aufgetaucht sein sollte. "Das World Council hat von Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Pedro de la Rosa Stellungnahmen bekommen, in denen sie kategorisch feststellen, dass keine Ferrari-Informationen von McLaren benutzt wurden", betonte Teamchef Ron Dennis in einer eigens anberaumten Pressekonferenz.

Zu den tatsächlichen Gründen für die Entscheidung des Gremiums, dem auch der Rosenheimer Hermann Tomczyk als Präsident des Deutschen Motorsport-Bundes angehört, will sich die FIA erst an diesem Freitag äußern, drei Tage vor dem Großen Preis von Belgien in Spa- Francorchamps. Es ist das viertletzte Rennen der Saison. Dennis: "Das Wichtigste ist, dass wir an diesem Wochenende wieder Rennen fahren, den Rest der Saison und jede Saison. Wir haben die besten Fahrer und das beste Auto und wir haben die Absicht, die WM zu gewinnen."

Über die kommende Saison wird noch entschieden

Im Dezember will der FIA-Weltrat allerdings erneut über mögliche Sanktionen für die kommende Saison entscheiden, hieß es in der offiziellen Pressemitteilung. Darin wurde auch bekanntgegeben, dass bei Siegen eines McLaren-Piloten in dieser Saison kein Repräsentant des Teams mit aufs Podium darf.

McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis mit dem Pokal der Konstrukteurs-WM: Nur gucken, nicht anfassen, heißt es nun© Luca Bruno/DPA

Auch Lewis Hamilton, der mit 92 Punkten weiter vor Alonso (89) die WM-Wertung anführt, dürfte die Entscheidung die Sprache verschlagen haben. "Wir sind ein Team. Ich fühle mich entspannt und ich bin zuversichtlich für heute", hatte er - schick im anthrazit-farbenen Anzug mit silbergrauer Krawatte - noch vor der Anhörung gesagt.

Ferrari kann wieder hoffen

Des einen Leid, des anderen Freud. "Ferrari ist zufrieden, dass die Wahrheit ans Licht gekommen ist", erklärte die Scuderia in einer Pressemitteilung. Die Roten, für die auch der ehemalige Technische Direktor Ross Brawn zum Showdown der "Formel 007" an die Seine kam, greift nun nach dem ersten WM-Erfolg mit dem Team seit den Zeiten von Michael Schumacher 2004. "Die Weltmeisterschaft am Grünen Tisch zu gewinnen, wäre auf jeden Fall ein verdienter Sieg", hatte Ferrari- Chef Luca di Montezemolo vor der Anhörung gesagt. Sportlich hätte es die Marke aus Maranello wohl auch in diesem Jahr nicht geschafft.

In die restlichen vier Saisonrennen gehen die Italiener nun aber als Spitzenreiter des Teamklassements mit 143 Punkten. Zweiter ist nun der deutsche Werksrennstall BMW-Sauber (86). "Ein so gewonnener zweiter Platz macht natürlich nicht so Spaß wie ein zweiter Platz, der auf der Strecke herausgefahren wird", meinte BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld. Allerdings ist die Platzierung mit dem Team auch mit hohen Geldprämien verbunden sowie einer Rangordnung in der Boxengasse. McLaren befindet sich im kommenden Jahr mit seinem prachtvollen Motorhome dann in ungewohnter Nachbarschaft von Super Aguri oder Spyker am Ende der Boxengasse.

Auslöser der Spionage-Affäre waren zwei sofort nach Bekanntwerden der ominösen Angelegenheit suspendierte hochrangige Mitarbeiter von McLaren und Ferrari. So hat Ex-McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan ein 780 Seiten umfassendes Ferrari-Dossier nach eigener Aussage am 28. April vom ehemaligen Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney erhalten. In Auszügen aus seiner Eidesstattlichen Erklärung, die der Internetanbieter "autosport.com" am Donnerstag veröffentlichte, betonte Coughlan, dass die Ferrari-Dokumente aber keinerlei Verwendung mit Blick auf die Rennwagen von McLaren-Mercedes gefunden hätten.

Ob mit der Entscheidung am Donnerstag in Paris der Fall McLaren-Mercedes endgültig zu den Akten gelegt wird, bleibt fraglich. Möglich ist, dass die Silberpfeile nun ihrerseits Berufung gegen das Urteil einlegen.

Neue Spionage-Affäre droht

Unterdessen droht schon die nächste Spionage-Affäre. Denn einem Bericht des Fachmagazins "auto, motor und sport" (ams) zufolge ist nun der französische Formel-1-Rennstall Renault Ziel von entsprechenden Vorwürfen. Demnach soll der ehemalige McLaren-Ingenieur Phil Mackereth drei Disketten mit Konstruktionsplänen und Berechnungen von über 20 Details des McLaren zu Renault mitgenommen und dort verwendet haben.

Jens Marx und Hans-Hermann Nikolei/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
bob-der-meister (15.09.2007, 09:30 Uhr)
Schade für den Sport ist in Wirklichkeit...
... dass Erfolg in der Formel 1 heute nur möglich ist, wenn ein riesiger Kapitalgeber hinter einem Team steht. Dann entstehen solche Affären, die mit Sport nicht mehr das Geringste zu tun haben. Das Urteil erscheint genau so sportsfern wie die Vermutung, dass technische Spionage offenbar bei fast allen "Top-Teams" Gang und Gäbe ist.
Was waren das noch interessante Zeiten, als auch Autos von kleineren Rennställen wie Williams, Prost, Jordan oder Sauber um Podesplätze mitfahren konnten! Fahrerpersönlichkeiten mit echtem Sportsgeist werden so auch leider immer seltener. Es gibt zu viele stromlinienförmige PS-Millionäre.
Schnurmel (14.09.2007, 12:27 Uhr)
Wen "schmierte" Ferrari für dieses Urteil?
Für mich als moderaten Formel-1 Freund gibt es bei McLaren Mercedes keine Schuldigen. Ferrari hat mal wieder seine Muskeln und Brieftaschen spielen lassen um eigenes "Weniger-können" zu korregieren.
Sie können einfach nicht verlieren, und erzwingen sich Siege durch ihre Macht bei der FIA.
albundy69 (14.09.2007, 10:57 Uhr)
Wenn Ferrari es wünscht ........
.... dann springt der zwerg und das zwerengericht nickt ! In einem Wort wie in tausend : LÄCHERLICH !
Silbador (14.09.2007, 10:11 Uhr)
Langweilige Sportarten
Wie z.B. Autorennen (immer im "Kreis") interessieren mich nicht.
Aber diese Summe zeigt sehr plakativ mit wieviel Kapital hier umgegangen wird.
Wer liefert die Moneten?
Das sollte sich jeder einmal fragen und dann entscheiden, ob er sich daran beteiligen will.
In Zeiten in denen die Spritpreise, Strom- und Gaskosten, usw. immer mehr Einsparungen des Einzelnen erzwingen, sollte man schon genau überlegen, wofür man sein mühsam erarbeitetes Geld ausgibt.
Ich verweigere mich, soweit möglich, diesen Systemen, leider klappt es nicht immer (aber immer öfter).
JanvanHelsing (14.09.2007, 09:44 Uhr)
Schmarrn!!!
Was gestern in Paris verzapft wurde ist ein großer Schmarrn und nützt weder dem Sport noch der FIA.
Der E-Mail Verkehr zwischen den Fahrern ist völlig normal, da sie bei Testfahrten Informationen der Komponenten Hersteller erhalten, wie das Fahrzeug abzustimmen ist, um sich im sicheren Bereich zu bewegen. Diese Daten erhalten alle Teams, die von diesen Herstellern ausgerüstet werden, in diesem speziellen Falle war es der Reifenausrüster, der das Fenster der zu treffenden Spur- u. Sturzwerte vorgab.Der Reifen ist die einzige Verbindung Fahrzeug/Fahrbahn, wenn da was falsch eingstellt wird gibt es u.U. Tote.
Ich kann dies mit solcher Entschiedenheit vertreten weil ich weiß wovon ich schreibe, sehr genau....
Die Teams verfolgen bei ihren Konstruktionen verschieden Philosophien der techn. Lösung, man schaut scvhon ganz genau hin was macht die Konkurrenz, jedoch lässt sich kein Feature 1:1 kopieren.
Ich bin weder Freund des einen noch des anderen Teams, aber dir FIA, im Speziellen Mosley, haben hier ihr Mütchen gekühlt, um ihre Vorstellungen von Motorsport/F1 durchzusetzen.
Abgeschaut wird immer, Williams fährt seit Monza mit einem Flügel a la McLaren, regt sich einer auf??? NÖ!
Man kann aus den Plänen der Anderen auch keine Strategien entwickeln, weil diese nichts über die Boxenstops aussagen, und wie ein Fahrzeug auf Papier oder in Simulationen funktioniert nutzt im wahren Leben auch nix.
Auf dem Papier/Computer sind sie alle Sieger, aber auf der Strecke ist der eine Winner der ander halt der Looser, thats racing,McLaren würde gutdaran tun in Revision zu gehen, denn so darf kein Recht gesprochen werden...
Honighummel (14.09.2007, 09:30 Uhr)
naja
Ich weiß auch nicht. Klar ist das alles bisschen dumm gelaufen und so gehts auch nicht, aber 100 Millionen find ich etwas übertrieben.
drachenei (14.09.2007, 09:08 Uhr)
Na sowas...
Wenn man mal die rosaroten Fan-Brillen und die dazugehörigen Hasskappen wegläßt, stellt sich doch die Frage WAS wurde an Beweisen wirklich gefunden?
Eine dermaßen heftige Strafe ist einzigartig in der F1.
Trotz aller Beteuerungen seitens MCM MUSS ja irgendwas gewesen sein.
Wegen einer Kopie von nem Außenspiegel gibt es nicht so eine Strafe.
Also liegt es wohl an dem Email-Schriftverkehr und den Fahreraussagen.
Ich denke, hier wird ein Exempel statuiert um alle vor den Folgen von Spionage zu warnen.
Allerdings ist es mir völlig unverständlich, das die Fahrer davonkommen. Nur ein bißchen schuldig?
tagora-sagittara (14.09.2007, 08:52 Uhr)
Wenns um so viel Kohle geht,...
wird immer schmutzige Politik getrieben.
Ron Dennis ist ein unsympatischer Wickel,...und Ferrari eine linke Gesellschaft mit jede Menge Dreck am Stecken. Ich trau dem einen so wenig wie dem anderen,...außerdem bin ich Biker. Da ist mir die Moto GP schon um Längen sympatischer.
Salzsteuer (14.09.2007, 08:29 Uhr)
Diesen Zirkus...
... ignoriere ich so wie den Radsport. Ver.. kann ich mich selber!
catchme (14.09.2007, 08:12 Uhr)
Ferrari und die Fairness ...
Michael Schumacher war während seiner aktiven Zeit bei Ferrari der am meisten bestrafte F1-Fahrer. Das Team Ferrari hat immer versucht durch Entscheidungen am grünen Tisch die Ergebnisse zu beeinflussen ... fair war dies Team nie !
MEHR ZUM ARTIKEL
Hintergrund Im Schatten der Spionage-Affäre

Auch mit der Entscheidung des Fia-Weltrats in Paris wird die Affäre um geheime Ferrari- Dokumente nicht beendet sein. stern.de dokumentiert in einer Chronologie die wichtigsten Ereignisse. mehr...

Großer Preis von Italien Die Nerven liegen blank

Der Formel 1 ist an Nervenkitzel nicht zu überbieten: Die Silberpfeile führen Ferrari vor, McLaren-Boss Ron Dennis vergießt Tränen nach dem Doppeltriumph von Monza, Alonso und Hamilton liefern sich ein heißes Duell um den WM-Titel - und über allem schwebt die Spionageaffäre, die alles entscheiden kann. mehr...

Großer Preis von Italien Doppeltriumph in Silber

Herbe Heimpleite für Ferrari: Beim Grand Prix im italienischen Monza haben die beiden Silberpfeil-Piloten die rote Konkurrenz gedemütigt. Fernando Alonso gewann souverän, Lewis Hamilton fuhr auf Platz zwei. Jetzt blicken alle gespannt auf den weiteren Verlauf der Spionageaffäre. mehr...

Formel 1 Drohender Totalschaden

Vor dem Großen Preis von Italien ist der Tank im Titelrennen zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes voller Emotionen - dafür sorgen die neuen Enthüllungen im Spionageskandal. Wenn sich die Indizien bewahrheiten, kann die ganze Saison über Nacht zu einer Farce werden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2012)
"Europa braucht den Euro nicht!"