14. Juni 2012, 21:07 Uhr

Uefa-Fehler führt Millionen in die Irre

Mehr als 27 Millionen Zuschauer sahen, wie Joachim Löw in der 22. Minute des Spiels gegen Holland einen Balljungen foppte. Die Uefa gibt jetzt zu, dass die Szene gar nicht während des Spiels entstand. Von Katharina Miklis

Die Bilder gingen um die Welt: Bundestrainer Joachim Löw scherzt in der 22. Minute des Spiels Deutschland gegen Niederlande am Spielfeldrand mit einem Balljungen, während die Nationalmannschaft gegen Holland um entscheidende Punkte für das Weiterkommen bei der Europameisterschaft kämpft. Im Fernsehen entsteht der Eindruck, dass die Szene während des Spiels aufgenommen wurde und mit minimaler Zeitversetzung ausgestrahlt wurde. Während Löw am Spielfeldrand witzelt, läuft die Zeit im Bild weiter. Demnach findet die Szene in der 22. Minute der Austragung statt.

Doch so war es nicht. Die Uefa, die das TV-Signal für alle Sender erstellt, bestätigt stern.de auf Anfrage, dass es sich bei den Aufnahmen um aufgezeichnete Szenen handelt, die vor dem Spiel in Charkow entstanden sind. "Diese Szene fand circa 15 bis 20 Minuten vor dem Spiel statt", so die Uefa. "Offensichtlich wurde es von der TV Produktion erst während des Spiels gezeigt."

Es sind zwar nur wenige Sekunden, doch sie beeinflussen die Wahrnehmung und verfälschen den Eindruck, den Millionen Zuschauer von dem vermeintlich lässigen Trainer bekommen. Und sie verwirren auch den übertragenden TV-Sender, das ZDF.

ZDF: "Keinen Einfluss auf die Bilder"

Als Bundestrainer Joachim Löw direkt nach dem Spiel im Interview von ZDF-Reporter Michael Steinbrecher auf die Szene angesprochen wird, lacht Löw: "Das war irgendwie vor dem Spiel." Steinbrecher fasst die Aussage offensichtlich als Scherz auf und korrigiert ihn: "Nee, nee, da stand es 0:0."

Harald Stenger, Pressesprecher der Nationalmannschaft, will die Vorfälle im ukrainischen Charkow auf Nachfrage nicht kommentieren. Eine Sprecherin vom ZDF will die aus dem Zusammenhang gerissenen Bilder weder bestätigen noch dementieren. Sie betont: "Die Bilder kommen von einer Produktionsfirma, die im Auftrag der Uefa arbeitet. Wir haben da keinen Einfluss drauf."

Es bleibt die Frage, warum diese Bilder in die Liveübertragung eingebaut wurden - ohne kenntlich zu machen, dass es sich um Aufnahmen vom Aufwärmen handelt. Darüber, ob die Uefa die gute Stimmung während der Europameisterschaft demonstrieren will, lässt sich nur spekulieren. Auf andere Szenen des Spiels wurde jedenfalls verzichtet. Etwa auf die Aufnahmen von den zwei Grünen-Abgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz, die während des Deutschland-Spiels mit einem Plakat gegen die Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland Ukraine protestierten. "Fairplay in football and politics" war darauf zu lesen. ZDF-Kommentator Bela Réthy entdeckte das Plakat. Der Zuschauer allerdings nicht: Diese Bilder wurden nicht im Fernsehen gezeigt.

Mitarbeit: Felix Haas

P.S.: Fühlen Sie sich auch durch die UEFA beschummelt? Oder können Sie die Kritik an den "falschen" TV-Bilder nicht teilen? Diskutieren Sie mit. Auf Facebook in der Fankurve von stern.de.

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Entspannter Bundestrainer Jogis Jux mit dem Balljungen

Höchstspannung bei Deutschland gegen Holland, Millionen Fans fiebern mit. Nur einer ist "högschd" entspannt: Jogi Löw, der foppt den Balljungen. So schien es! Nun heißt es: Jogis Jux wurde in die Live-Übertragung eingespielt.

Bundestrainer Joachim Löw Cool, cooler, Löw

Druck und Stress? Joachim Löw scheint das nicht zu kennen. Sein Auftreten bei der EM zeigt: Der Bundestrainer hat einen Reifeprozess durchlaufen.

DFB-Team schlägt Holland Gomez zeigt es allen

Die deutsche Nationalmannschaft hat auch ihr zweites EM-Spiel gewonnen. Gegen Holland siegte das Team am Ende knapp mit 2:1. Matchwinner war erneut Mario Gomez. Von Klaus Bellstedt, Charkow

DFB-Team schlägt Holland Schweinsteiger ist wieder da

Er bereitete beide Tore von Mario Gomez vor, war auf dem Platz präsent wie eh und je: Bastian Schweinsteiger hat das DFB-Team bei der EM zum Sieg gegen Holland geführt. Löws Leader ist wieder da.

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage