1. Juli 2012, 11:05 Uhr

Uefa hält unbeirrt am Torrichter fest

Die Torrichter haben in den entscheidenden Momenten während der EM versagt. Die Uefa sperrt sich trotzdem gegen technische Hilfsmittel zur Torerkennung. Nun droht Streit mit dem Weltverband Fifa.

Die Uefa hält trotz des schweren Fehlers eines Torrichters während der EM-Vorrunde an ihrem Nein zu technischen Hilfsmitteln im Fußball fest. Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union fordert sogar die Verschiebung einer eigentlich für kommende Woche geplanten endgültigen Entscheidung durch den Weltverband Fifa.

"Ich bin gegen Technik im Fußball. Wo hören wir auf? Haben wir dann auch bald technische Hilfsmittel, um Abseits zu erkennen oder um zu sehen, ob der Ball im Toraus war?", sagte Uefa-Präsident Michel Platini in Kiew. Einen Tag vor dem EM-Endspiel zwischen Spanien und Italien verteidigte der Verbandschef erneut vehement seine seit Wochen vorgetragene Linie, wonach das Experiment mit den zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten fortgeführt werden solle.

Uefa: Torrichter in 1000 Spielen bewährt

"Nach über 1000 Partien, darunter 290 in der Champions League, 615 in der Europa League und 30 bei der EURO 2012, kann abgesehen von einem Fehlentscheid bei der Euro-Endrunde ein äußerst positives Fazit gezogen werden", hieß es in einer Pressemitteilung der Uefa.

Im Gruppenspiel zwischen England und der Ukraine hatte der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai ein klares Tor von Marko Devic nicht anerkannt. Sein Torrichter Istvan Vad hatte nicht gesehen, dass der Ball die Linie schon überschritten hatte, bevor ihn John Terry wegschoss. Die Torklau-Affäre hatte die Dauerdebatte um den Einsatz von Torlinien-Technologien erneut befeuert. Allerdings war auch der deutsche Torrichter Florian Mayer - Mitglied des Teams von Schiedsrichter Wolfgang Stark - kritisiert worden, weil er trotz bester Sicht auf ein elfmeterwürdiges Foul an dem Kroaten Mario Mandzukic im Spiel gegen Spanien den Referee nicht informiert hatte. Stark war daraufhin für die weiteren EM-Spiele nicht mehr berücksichtigt worden.

Blatter offen für Ball-Chip und Tor-Kamera

Am kommenden Donnerstag will das International Football Association Board (IFAB) bei einer Sitzung am Fifa-Stammsitz in Zürich eine Entscheidung treffen. Fifa-Präsident Joseph Blatter ist nach früherer Skepsis mittlerweile ein Befürworter von technischen Hilfsmitteln wie dem Chip im Ball oder der Torkamera. Das Uefa-Exekutivkomitee forderte nun allerdings vor einer endgültigen Entscheidung eine weitere umfassende Debatte.

dho/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
EM-Fehlentscheidungen Der Torrichter ist (leider) ein Mensch

Nach dem Torklau von Donezk beim Spiel Ukraine gegen England kocht die Diskussion über die Torlinientechnologie wieder hoch. Eines steht fest: Der Torrichter ist nicht der Schuldige.

EM 2012 Technische Hilfsmittel im Fußball - Der Stand der Dinge

Nach dem nicht gegebenen Treffer im Spiel England gegen Ukraine ist  die altbekannte Diskussion erneut entbrannt. Braucht der moderne Fußball technische Hilfsmittel? Am 5. Juli werden erste Entscheidungen getroffen.

Nach Torklau im Spiel England-Ukraine Fußballexperten fordern Einführung der Torkamera

Ein Fehler des ungarischen Torrichters Istvan Vad hat EM-Gastgeber Ukraine um ein mögliches Viertelfinale gebracht. Mit dem Torklau von Donezk ist die Debatte um Technik im Fußball wieder angeheizt worden.

Ukraine raus aus der EM Torrichter mit Sehschwäche blamiert Uefa

Am Montag tönte Uefa-Chef Platini noch: GPS, Chip im Ball - alles unnötig, wenn man Torrichter hat! Nun haben die neuen Assistenten versagt, der Co-Gastgeber ist raus aus der EM. Ein Scherbenhaufen.

England gegen Ukraine Torrichter gibt Treffer nicht - Rooney nickt ein

Er hat die Erwartungen erfüllt. Stürmerstar Wayne Rooney ließ die Engländer beim 1:0-Sieg über Gastgeber Ukraine jubeln. Bei seinem ersten EM-Einsatz erzielte er das Tor des Tages und wurde so zum Matchwinner. Der Sieg hat allerdings einen faden Beigeschmack. Grund: der Torrichter.

Stern Cartoons Schülert zum Thema Torrichter

Tiere, die auf der Suche nach einer neuen Bestimmung sind, finden diese während der EM als Orakel. stern.de-Hauszeichner Tobias Schülert findet das wenig zukunftsträchtig.