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3. Juli 2010, 11:27 Uhr

Kann man diese Argentinier schlagen?

Haben Jogis Jungs im Viertelfinale gegen Argentinien eine Chance? Eigentlich nicht - zu stark sind die Südamerikaner, vor allem im Angriff und Mittelfeld. Doch es gibt eine Schwachstelle. Von Wigbert Löer, Centurion

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Wenn diese Offensive einmal in Schwung kommt, ist sie kaum zu stoppen: Carlos Tevez, Lionel Messi und Angel di Maria (v.l.) bejubeln einen Treffer© DPA

Vielleicht ist es wirklich zu viel. Die klingenden Namen, die feinsten Vereine, die meisten Tore. Und bei der Abwehr die Erfolge. Womöglich ist die Qualität der Einzelnen wirklich zu hoch, als dass Argentinien auf dem Weg ins WM-Finale scheitern könnte. Deutschlands Gegner im Viertelfinale, beinahe nicht qualifiziert für diese Weltmeisterschaft und inzwischen einer ihrer größten Favoriten, hat den wohl besten Kader nach Südafrika mitgebracht.

Vom Sturm ist viel geredet worden, Messi, Tévez, Milito, Higuaín, Agüero. Diese fünf Angreifer schossen vergangene Saison insgesamt 118 Liga-Tore - nicht irgendwo, sondern in England, Spanien und Italien. Im Mittelfeld lenkt Javier Mascherano vom FC Liverpool, wirbelt Ángel di María, dessen flottes Flügelspiel Real Madrid soeben 25 Millionen Euro wert war. Hinten sichern Walter Samuel und Martín Demichelis, Inter Mailand der eine, FC Bayern der andere, im Champions-League-Finale 2010 beide.

Die deutsche Mannschaft ist der erste schwere Gegner für Argentinien bei dieser WM. Sie hat sich, wie zuletzt Bastian Schweinsteiger verraten hat, etwas einfallen lassen. In 90 Minuten will sie die Argentinier besiegen. Wie wäre das möglich?

Deutsche Abwehr müsste sich besser abstimmen

Es bedürfte wohl eines Torwarts, der über sich hinauswüchse. Manuel Neuer ist einer, der seiner Mannschaft Spiele gewinnen kann. Es bräuchte aber auch eine deutsche Abwehr, die besser abgestimmt ist als gegen England (Mertesacker und Lahm) und die konzentrierter und energischer handelte (Boateng und Neuer beim Kopfballtor von Upson) als in diesem Spiel. Argentinien nämlich tritt mit der größten offensiven Potenz aller WM-Teilnehmer an.

Gonzalo Higuaín, bei Real Madrid treffsicherer als Cristiano Ronaldo, ist ein klassischer Mittelstürmer, wuchtig, aber behände, kopfballstark und abgebrüht. Neben ihm ließ Argentiniens Trainer Diego Maradona Carlos Tévez von Manchester City spielen, ein unermüdlicher Wühler, der Gegner bindet und Räume für die Kollegen schafft. Dahinter spielt Lionel Messi, der aktuell als bester Fußballer der Welt gilt. Bisher setzte Messi vor allem seine Mitspieler ein, wenn er die Abwehrreihen der Gegner durchkreuzte. Auf der Bank sitzt Sergio Aguero von Atletico Madrid, ein kleinerer, extrem schneller Spieler, neben ihm noch Diego Milito von Inter Mailand, 31, erfahren, treffsicher.

Dass der Ball gar nicht erst Messi erreicht, wird die Aufgabe von Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sein. Deutschlands Sechser, deren Leistungen auf diesem Turnier bisher ansprechend (Khedira) und sehr gut (Schweinsteiger) waren, müssen sich an diesem Viertelfinale messen lassen. Können sie das Rechteck zwischen Mittelfeld und der eigenen Innenverteidigung kontrollieren? Können sie verhindern, dass Javier Mascherano das argentinische Angriffsspiel aufbaut? Können sie, außerdem, das deutsche Spiel zumindest ab und zu nach vorne treiben? Und so Özil, Müller und Podolski einsetzen?

Auch das nämlich könnte den Ausgang der Partie entscheiden: ob Deutschlands offensive Mittelfeldspieler durchkommen. Argentinien bietet von all den südamerikanischen Mannschaften, die noch im Turnier sind, sicherlich nicht die kompakteste Defensive. Allerdings würde weder Martín Demichelis noch der kantige Walter Samuel Miroslav Klose so viel Platz lassen wie die englische Innenverteidigung bei dessen 1:0. Deutschlands Weg zum argentinischen Tor könnte über die Flügel führen. Die Außenverteidigung ist wohl der schwächste Mannschaftsteil Argentiniens.

Argentinien besitzt mehr individuelle Klasse

Thomas Müller traut man bei dieser WM mittlerweile alles zu, Lukas Podolski hingegen zeigte seine beste Leistung im ersten Spiel. Der wendige Marko Marin blieb bei seinem einzigen Einsatz gegen Serbien allzu oft an seinem Gegenspieler hängen - er ist keine Alternative zu Podolski.

Gegen Ghana schlug ein Distanzschuss zum deutschten Siegtor ein. Ist Argentinien aus der zweiten Reihe verwundbar? Die vier WM-Spiele der Argentinier lassen keinen Aufschluss über die Fähigkeiten ihres Torwarts zu. Sergio Romero, 23 Jahre erst und angestellt in Holland bei AZ Alkmaar, gilt nicht als schwacher Rückhalt. Wirklich zu tun hatte er aber noch nicht.

Doch insgesamt besitzt Argentinien mehr Akteure als Deutschland, die ein Spiel durch ihre individuelle Klasse entscheiden können. Die etwas wackelige Außenverteidigung hat die Mannschaft noch nicht in Bedrängnis gebracht. Und Diego Maradona mag als Trainer allerlei nicht können - die Motivation bei einer WM scheint er bestens zu beherrschen.

Von Wigbert Löer, Centurion
 
 
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