Startseite

Ailton - ein Mann auf der Suche

Er war Torjäger, Unikum, Volksliebling: Ailton verzückte in Bremen die Massen. Dann begann eine Odyssee, die selbst im Profifußball ihresgleichen sucht. Mittlerweile kickt Ailton seit fast einem Jahr im Amateurfußball. Jetzt in der vierten Liga. Warum tut er sich das an?

Von Nico Hemp

  Große Freude beim "Kugelblitz": Der ehemalige Torjäger von Werder kehrt nach Bremen zurück. Allerdings kickt er dort beim Viertligisten FC Oberneuland

Große Freude beim "Kugelblitz": Der ehemalige Torjäger von Werder kehrt nach Bremen zurück. Allerdings kickt er dort beim Viertligisten FC Oberneuland

Ailton sitzt entspannt auf dem Sofa im Hotel in Norddeich. Er hat sich zurückgelehnt, das Bein über die Lehne geschlagen. Ein Mann ruht in sich selbst. Und als das Gespräch auf Werder Bremen kommt, breitet er die Arme aus. Eine typische Geste von ihm. Mittlerweile wirkt sie wie ein Relikt aus alten, aus besseren Zeiten. Es erinnert einen an Bremen, an Schalke, vielleicht noch an seine wenigen lichten Momente beim HSV. Später ging es für den Brasilianer nach Duisburg, in die Türkei, nach China oder in die Ukraine. Aber da war er immerhin noch erstklassig. Jetzt aber sitzt er hier als Noch-Sechsligist, weil sein Club, der KFC Uerdingen, ein Freundschaftsspiel gegen Ailtons alte Liebe Werder bestreitet. Nur wenige Tage später wird er seinen Wechsel zum FC Oberneuland bekannt gegeben. Seine Gegenspieler heißen nicht mehr Demichelis oder Lucio, sondern Jan-Christian Meier oder Sebastian Kmiec. Aber wenigstens vierte statt sechste Liga - und zurück nach Bremen. Oberneuland ist ein Stadtteil.

Gut sechs Jahre ist es her, da war er ganz oben. Mit seinem Tor zum 3:1 gegen Bayern München bescherte er den Bremern die Meisterschaft. Es war sein großer Auftritt, die Krönung seiner besten Saison. Er hatte es allen bewiesen, die ihn schon 1999, ein Jahr nachdem Werder ihn verpflichtete, am liebsten wieder nach Brasilien geschickt hätten. Auch so viele Jahre später scheinen ihn diese Erfahrungen nicht losgelassen zu haben. Als ihn kürzlich ein Reporterteam des NDR besuchte, erklärte Ailton, wie schlecht es ihm damals ging, in seiner Anfangszeit in Bremen. Trotz allem habe er aber immer an sich geglaubt, bis mit Thomas Schaaf ein neuer Trainer und damit eine neue Chance kam. Und irgendwann hatte er es geschafft, 28 Tore, Deutscher Meister, Pokalsieger, Spieler der Saison.

Mit jeder Station wurden es weniger Tore

Dazwischen lagen Verspätungen – und Tore, Eskapaden – und Tore, Beschimpfungen – und Tore. Alles haben sie ihm verziehen, Thomas Schaaf und auch die Fans. Ailton wird melancholisch, wenn er über diese Zeit spricht. Er wirkt abwesend. Gar nicht der Spaßvogel, den sie für seine Sprüche in holprigem Deutsch lieben. „Ailton ist wie Medizin für Kranke!“, hat er mal gesagt. Das ist schon etwas länger her. Wenn man ihn auf dem Sofa sitzen sieht, in Gedanken einige Jahre zurück, gar nicht im hier und jetzt, dann wundert man sich schon etwas. War er nicht immer ein Mann der Gegenwart? Einer, der einfach das tut und sagt, was ihm in den Sinn kommt. Auch er selbst beschreibt sich als impulsiv, er mache vieles ohne nachzudenken. In diesem Moment wirkt er anders. Nachdenklich. In sich gekehrt.

Nach dieser besonderen Saison ging es bergab. Bei Schalke stimmte die Leistung noch, aber so sanft wie in Bremen ging hier keiner mit ihm um. Seine Suche begann, sie führte ihn auf drei Kontinente und in acht Länder. Fast philosophisch stellte er mal fest: „Ailton Tor – alles gut!“ Mit jeder Station wurden es weniger Tore und so wurde es auch immer weniger gut. Er suchte weiter. Es scheint, als suche er immer noch. Er sieht nicht aus wie jemand, der angekommen ist. Hat er überhaupt ein Ziel, weiß er wonach er sucht?

Lose Geldscheine im Porsche

Eines haben seine verqueren Wege gemeinsam, sie waren bisher allesamt mit Gold gepflastert. Schalke lockte ihn mit dem doppelten Gehalt aus seinem Bremer Paradies. Er weinte beim Abschied. Dubais Scheichs wollten ihn in ihrer Nationalmannschaft sehen, für eine Million hätte er gespielt, wenn die Fifa es nicht verboten hätte. Ailton hat alle Taler aufgesammelt, die auf seinem Weg lagen und ist sogar einige Umwege für sie gelaufen. War das sein Ziel? Vielleicht. Das leichte Leben. Es gibt eine Szene zu Bremer Zeiten, da lässt er Jugendliche in seinen Porsche einsteigen, woraufhin die wenig später Journalisten von losen Geldscheinen berichten, die überall im Auto verteilt gewesen seien. Ailton gilt bis heute als Lebemann. Er erzählt aber auch von seiner Kindheit, er habe früher oft nichts zu essen gehabt nach dem Training, seine Kinder sollen es besser haben, sagt er. Das haben sie. Aber er sieht wirklich nicht aus wie jemand, der sein Ziel erreicht hat. Ailton lacht wenig, er ist ernst und konzentriert.

Bei seiner Ankunft in Krefeld wirkte er noch etwas gelassener. Es war zwar kein großer Auftritt diesmal, wie auf Schalke oder in Istanbul, doch zumindest konnte er mit ehrlichem Lächeln feststellen, dass ihn hier "alle lieben." Die Fans hatten sich allerdings mehr versprochen als vier Tore in 13 Spielen und so liebten sie ihn immer weniger. Jetzt gibt es auch noch die Gerüchte, dass der Verein ihn los werden musste, weil es Probleme mit seiner Aufenthaltsgenehmigung gab. Er war offiziell als "Repräsentant" bei der Firma des KFC-Präsidenten angestellt, die Bezirksregierung zweifelt diese Tätigkeit jedoch an.

Und Geld? "Nicht so viel in der sechsten Liga"

2004 war das alles noch anders. Tausende jubelten ihm zu als er die Meisterschale gen Himmel reckte. Sie alle feierten ihn - und er sich selbst, so schien es. Vielleicht sucht er das: Beifall, Anerkennung. Als Belohnung für Tore? "Wenn ich treffe, ist alles super, wenn nicht, ist alles schlecht", stellte er früher mal fest. Das ist ein einfaches Lebensprinzip, nur keines das für einen 37 Jahre alten Mann eine glückliche Zukunft verspricht.

Heute aber sitzt auf dem Sofa im Hotel einer, der das verstanden zu haben scheint. Ailton spricht viel über seine Familie. Er halte es für wichtig, dass seine Kinder gut Deutsch sprechen. Seit er für den KFC spiele, habe er mehr Zeit für sie. Auch deshalb wolle er noch ein, zwei Jahre in Deutschland aktiv sein. Und Geld? "Nicht so viel in der 6. Liga." Aber dennoch sei es wichtig, denn man habe als Fußballprofi nur begrenzte Zeit, um Geld zu verdienen.

Beim FC Oberneuland, bekommt er sicher nicht mehr als in Uerdingen – angeblich 250.000 Euro im Jahr. Woanders hätte er vielleicht mehr verdienen können. In den USA oder in Katar. Aber er müsse auch auf seinen Körper hören, sagt er, jeden Tag Training: "Das geht nicht." Klingt realistisch. Ein klein wenig, als habe der Lebemann das echte Leben verstanden.

Von Nico Hemp

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools