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Das Erfolgsmodell Bremen ist am Ende

Frust an der Weser: Nach der Niederlage gegen Augsburg ist das Erreichen eines Europa-League-Platzes für Werder nahezu unmöglich. Der Druck auf Trainer Schaaf wächst – diesmal ist es ernst.

Von Tim Schulze

  Dieser Gesichtsausdruck von Thomas Schaaf ist in der aktuellen Saison vorherrschend, obwohl das Bild während des erfolgreichen Spieles gegen Stuttgart aufgenommen wurde.

Dieser Gesichtsausdruck von Thomas Schaaf ist in der aktuellen Saison vorherrschend, obwohl das Bild während des erfolgreichen Spieles gegen Stuttgart aufgenommen wurde.

  • Tim Schulze

Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert und mit hängenden Köpfen verließen die Bremer Spieler den Rasen des Weserstadions. Selbst gegen den Abstiegskandidaten FC Augsburg reichte es nicht zum Sieg. Das 0:1 war die dritte Niederlage in Serie und zudem der vierte vergebliche Versuch gegen den FCA. Werder verliert durch die Niederlage in der Tabelle endgültig den Anschluss auf die Europapokal-Plätze. Es droht die dritte Saison in Folge ohne Teilnahme in einem europäischen Pokalwettbewerb. Von der Champions League redet man in Bremen nur noch in nostalgischen Gesprächsrunden.

Trainer Thomas Schaaf wirkte nach der Niederlage sichtlich mitgenommen. Seine Mannschaft habe die "Vorgaben nicht hundert Prozent" umgesetzt, sagte er. "Wir haben nicht entschlossen agiert." Seine Aussagen zeugen von Ratlosigkeit. Was soll er noch sagen? Bremen hat mit Hoffenheim die schlechteste Abwehr der Liga, insgesamt 48 Tore kassierten die Grün-Weißen in 24 Spielen. Zwölf Niederlagen stehen jetzt zu Buche. Gegen die verbissen kämpfenden Augsburger produzierte sein Team vor allem in der ersten Halbzeit massenhaft Fehlpässe. In der zweiten Halbzeit kam mit zwei Aluminium-Treffern viel Pech hinzu, aber als Erklärung für die Niederlage reicht das nicht.

Bei vielen ist Geduld aufgebraucht

Tatsache ist, dass Schaaf, der seit Mai 1999 im Amt ist, immer stärker unter Druck gerät. Die Stimmung kippt in der Stadt, wo man sonst so viel gibt auf hanseatische Ruhe und Gelassenheit. Und auf Kontinuität. Die Geduld ist trotz der Erfolge in der Vergangenheit aufgebraucht. Viele verlangen nach dem Abgang von Manager Klaus Allofs auch auf dem Trainerstuhl einen Wechsel. Allofs' Nachfolger, Thomas Eichin, stellte sich zwar demonstrativ vor den Coach und sieht in erster Linie die Mannschaft in der Verantwortung ("Die Mannschaft muss sich an die eigene Nase packen"), doch Eichin weiß, dass sich die aufgestaute Wut und der Frust in den nächsten Wochen nicht legen werden. Als die Bremer vor zwei Jahren phasenweise gegen den Abstieg kämpften, gab es schon einmal eine Diskussion um Schaaf. Allofs stellte sich damals vor den Trainer, die Diskussion war schnell beendet.

Doch die ersten Zweifel, die damals an den Fähigkeiten des Coaches aufkamen, sind seitdem nie ganz verschwunden. Nicht ganz zu unrecht. Schaaf hat es noch nie vermocht, eine defensiv stabile Mannschaft zu formen. In den Zeiten einer glorreichen Offensive war das kein Problem. Jetzt aber reißt es die Mannschaft immer wieder nach unten, so wie am Samstag das Abwehrhalten beim Gegentreffer durch Augsburg.

Noch wichtiger ist: Das früher so viel gerühmte Näschen für erfolgreiche Transfers hat bei Allofs und Schaaf nicht mehr funktioniert. Es war ja gerade diese Fähigkeit, mit geringen finanziellen Mitteln Qualität zu verpflichten. Jüngste Beispiele in einer langen Liste von Fehleinkäufen sind Eljero Elia und Theo Gebre Selassie, die mit großen Erwartungen geholt wurden, sich aber nicht als Verstärkung erwiesen – im Gegenteil. Beide sitzen aktuell wegen schwacher Leistungen auf der Bank. Ein großer Teil des Werder-Kaders besteht aus durchschnittlichen Profis. Gerade im schwächsten Mannschaftsteil, der Abwehr, gibt es mit Sokratis nur einen Spieler, der gehobenes Bundesliga-Niveau hat.

Bremen ist für junge Spieler unattraktiv

Der Frust an der Weser nährt sich auch aus der Tatsache, dass der Abgang von Stars wie Torsten Frings oder Per Mertesacker nicht kompensiert wurde. Der deklarierte Umbruch dauert vielen mittlerweile zu lang. Werder stagniert sportlich seit drei Jahren. Dafür trägt in erster Linie der Trainer die Verantwortung. Die schwindende Finanzkraft aufgrund der fehlenden Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb reicht als Erklärung nicht aus. Spiele wie gegen Freiburg, das aktuell unter Christian Streich um einen Europa-League-Platz kämpft, machen deutlich, dass Bremen gegen taktisch klug spielende Gegner kein Mittel findet. Erfolgreicher und attraktiver Fußball wird im Moment woanders gespielt, auch in Mainz unter Thomas Tuchel. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Fans immer wieder unter anderem diese beiden Namen ins Spiel bringen, wenn es darum geht, über Nachfolger für Schaaf zu spekulieren. Dass es für die Lieblingskandidaten keinen Grund gibt, nach Bremen zu wechseln, spielt keine Rolle.

Bremen hat als Fußball-Standort viel von seiner Attraktivität eingebüßt. Profis mit Perspektive wie das Riesentalent Kevin de Bruyne, von Chelsea ausgeliehen, werden kein weiteres Jahr an der Weser bleiben. Sokratis hat schon angekündigt, dass er in der nächsten Saison international spielen will. Das wird mit Werder nicht möglich sein. Sogar Eigengewächs Aaron Hunt deutete jüngst an, dass er die Entwicklung abwartet, bevor er seinen 2014 auslaufenden Vertrag verlängert. Auch finanziell wird der Verein kürzer treten müssen. Durch eine weitere Saison ohne internationalen Wettbewerb fehlen dringend benötigte Einnahmen. Auch so wird es schwieriger, Spieler mit Qualität und Perspektive zu locken. In der aktuellen Bilanz hat der Clubs bereits einen deftigen Verlust von 13,9 Millionen Euro gemeldet. Es ist ein Teufelskreis.

Das Duo Allofs/Schaaf war über viele Jahre stilbildend für andere Bundesliga-Clubs, weil es immer das Maximale mit bescheidenden Mitteln erreichte. Doch das ist Vergangenheit. Allofs ist wahrscheinlich nicht nur wegen des Geldes mitten in der Saison nach Wolfsburg gewechselt. Der Manager hat wohl erkannt, dass das Erfolgsmodell Bremen - vorläufig - am Ende ist. Allofs deutete zum Abschied an, dass sein Abgang Werder gut tun könne, weil sich die Beziehung abgenutzt hatte. Vielleicht gilt das auch Thomas Schaaf.

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