Bayern-Wackler, Hertha-Gala, Schiri-Ärger

12. August 2013, 12:34 Uhr

Verrückter Auftakt in die neue Bundesliga-Saison: Hertha steht oben, bei den Bayern rumpelt es in der Defensive - und ein Nationaltorwart patzt. Das sind die Gewinner und Verlierer des 1. Spieltags. Von Klaus Bellstedt

Bayern München, Pep Guardiola, Borussia Dortmund, Bundesliga

Hatte es gegen Gladbach oft schwer als einziger Sechser bei den Bayern: Bastian Schweinsteiger©

Torrausch in Berlin, Torklau in Hoffenheim, Dreierpack in Augsburg - die Bundesliga hat ihren Status als Premiumprodukt des deutschen Sports eindrucksvoll untermauert und gleich am ersten Spieltag für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Anders als in der gesamten vorigen Spielzeit führt nicht der FC Bayern die Tabelle an. Nach dem höchsten Startsieg eines Aufsteigers in der Ligahistorie übernahm Hertha BSC noch vor den Top-Teams aus Dortmund, Leverkusen und München die Regentschaft - zumindest für eine Woche. Das sind unsere Gewinner und Verlierer des ersten Bundesliga-Wochenendes.

Verlierer: René Adler

Der HSV spielte an sich ganz gut auf Schalke. Dass es trotz der vielen Chancen und drei Auswärtstoren nur zu einem Remis reichte, lag ausgerechnet an Torhüter Rene Adler. Wochenlang war der Keeper verletzt und verpasste sowohl die USA-Reise der Nationalmannschaft als auch díe komplette Vorbereitung. Nach nur einem Testspiel vergangene Woche meldete er sich zurück. Er wollte unbedingt gegen Schalke ran - und patzte in der 72. Minute fürchterlich, als er Clemens' Schuss nicht festhalten konnte und Szalai den Ausgleich zum 3:3 auflegte. Ganz bitter.

Verlierer: Wolfsburger Rabauken

Einen schwarzen Tag erwischten die Rüpel vom VfL Wolfsburg beim niedersächsischen Nachbarn. Nicht nur, dass die drei Punkte durch Tore von Rückkehrer Leon Andreasen und Szabolcs Huszti an Hannover gingen. Vielmehr wurden auch gleich zwei Wolfsburger des Feldes verwiesen: Maximilian Arnold sah wegen groben Foulspiels die Rote, Timm Klose wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte – und die Wölfe heulten.

Verlierer: Deutsche Fußball-Liga (DFL)

Den Aufreger des Tages gab es in Hoffenheim, wo Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ein klares Tor von Kevin Volland nicht sah, als der Ball von der Latte deutlich hinter der Linie aufprallte, und zwar zwölf Zentimeter, wie die "Bild" ausrechnete. Dabei kann man dem Schiedsrichter und seinen Assistenten gar keinen großen Vorwurf machen. Der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aber sehr wohl. Die Liga drückt sich nämlich über die längst überfällige Einführung der Torlinientechnologie. Im März wurde beschlossen, technische Hilfe frühestens im Juli 2015 zuzulassen. Ob die Herren jetzt zur Besinnung kommen? Eher nicht. "Derzeit gibt es nach unserer Einschätzung noch kein perfekt ausgereiftes System, welches diese tiefgreifende und möglicherweise dann endgültige Entscheidung rechtfertigt", sagt DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

Verlierer: Alvaro Dominguez

Für Diskussionen sorgte auch ein Novum im Saisoneröffnungsspiel der Bayern, die beim 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach innerhalb von nicht einmal zwei Minuten zwei Handelfmeter zugesprochen bekamen. "Er hat das Spiel mit seinen Fehlentscheidungen entschieden. Beide Szenen waren komplett unabsichtlich. Ich glaube nicht, dass ein großer Verein wie Bayern München so eine Hilfe notwendig hat", schimpfte Pechvogel Alvaro Dominguez auf Schiedsrichter Tobias Welz. Ganz ehrlich lieber Alvaro: Beide Elfer konnte man geben.

Verlierer: Bayern-Defensive

Die Bayern holten ihren ersten Dreier in der Liga unter Neu-Trainer Pep Guardiola. Die furchteinflößende Dominanz des Triple-Triumphators hat der Titelverteidiger zum Start in die neue Saison aber noch nicht versprüht. Das lag vor allem am Münchner Defensivverbund, der immer wieder einige klaffende Lücken offenbarte. "Es lag an der Absicherung", meinte hinterher Manuel Neuer. Das neue und noch ungewohnte 4-1-4-1-System Guardiolas mit Bastian Schweinsteiger als einzigem Sechser kritisierte hinterher niemand. Vielleicht traute sich auch niemand, dieses sensible Thema anzusprechen. Fakt ist: Guardiolas Spielplan sieht vor, dass das eigene Gefüge extrem hoch steht. Und das ist mit nur einer Absicherung hoch riskant. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt der Saison, wo sich selbst die Bayern noch finden müssen. Mal sehen, vielleicht überdenkt Guardiola ja nochmal die Sechser-Frage.

Gewinner: Hertha BSC

6:1 gegen Eintracht Frankfurt beim Wiedereinstieg in die deutsche Eliteklasse, die Tabellenführung: Nie zuvor in der 51-jährigen Historie der Fußball-Bundesliga ist ein Aufsteiger mit einem höheren Sieg gestartet. "Für unsere Fans ist es natürlich ein Traum, sie sollen euphorisiert bleiben", sagte Hertha-Baumeister Jos Luhukay. Aber Vorsicht: Gerade in Berlin ist es nur ein klitzekleiner Schritt von Euphorie zu Überheblichkeit.

Gewinner: Thomas Eichin

Thomas Eichin hatte fast schon vergessen, wie sich ein Sieg anfühlt. Beim 2:1-Erfolg der Kölner Haie gegen die Iserlohn Roosters am 30. Januar hatte der frühere Eishockey-Manager letztmals jubeln dürfen. Deshalb fiel dem Geschäftsführer von Werder Bremen am Samstag ein Stein vom Herzen. "Für uns war das sehr wichtig", gestand Eichin nach dem glücklichen 1:0-Sieg der Hanseaten in Braunschweig. Es war der erste Dreier für die Grün-Weißen nach unglaublichen 14 sieglosen Pflichtspielen in Folge. Und noch eine Grausam-Serie riss: Nach 24 Partien in der Fremde stand hinten erstmals wieder die Null.

Gewinner: Emerick Aubameyang

So einen Einstand wünscht sich wohl jeder Bundesliga-Neuling: Gleich dreimal traf Pierre-Emerick Aubameyang beim 4:0-Sieg in Augsburg in seinem ersten Punktspiel für Borussia Dortmund. Dreierpacks beim Bundesliga-Einstand sind eine echte Seltenheit. Aubameyang ist erst der sechste Profi, dem das gelungen ist. Der bisher letzte war der Tscheche Martin Fenin, der im Februar 2008 dreimal für Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC traf.

Gewinner: Leverkusens Offensivzange "Sam-Son-Kies"

Drei Angreifer - drei Torschützen: Beim 3:1-Erfolg von Bayer Leverkusen zum Saisonstart gegen Freiburg überzeugte die Offensive der Werkself um Torschützenkönig Stefan Kießling und die beiden Außen Sidney Sam und Heung-Min Son. Die Drei harmonierten prächtig und es passte ins Bild, dass sich das Trio die Treffer nicht nur teilte, sondern teilweise auch gegenseitig auflegte. Über die Lücke, die der zum FC Chelsea abgewanderte Angreifer Andre Schürrle gelassen hat, sprach hinterher bei Bayer jedenfalls niemand mehr.

mit DPA

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