4. Oktober 2012, 01:43 Uhr

Dortmund scheitert knapp am Supercoup

Ein Elfmeter in der 90. Minute hat den Sieg gegen Manchester City gekostet. Dennoch kann Dortmund zufrieden mit seiner Leistung sein - die Chancen, die "Todesgruppe" zu überstehen, sind gestiegen. Von Tim Schulze

Dortmund, Schalke, Manchester City, Champions League

Vergeblicher Protest: Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller ärgert sich aufgebracht über die Elfmeterentscheidung in der 90 Minute.©

Roman Weidenfeller hat am Ende noch einmal alles versucht. Der Dortmunder Keeper ging zum Elfmeterpunkt und flüsterte Mario Balotelli ein paar Worte ins Ohr. Was er genau sagte, behielt Weidenfeller später für sich. Vermutlich wird es keine Sympathiebekundung gewesen sein. Der italienische Sturm-Exzentriker von Manchester City, der erst in den Schlussminuten eingewechselt worden war, quittierte den Provokationsversuch mit einem leichten Lächeln. Verteidiger Neven Subotic war zuvor im Strafraum angeschossen worden, der Ball war aus nächster Nähe an seinen Oberarm geflogen. Der tschechische Schiedsrichter Pavel Kralovec zeigte sofort auf den Punkt. Balotelli lief an und verzögerte leicht, bis Weidenfeller sich in die aus seiner Sicht linke Ecke warf. Balotelli schob den Ball halbrechts ins Tor – es war der für Dortmund bittere Ausgleich zum 1:1 in einem Spiel, in dem deutsche Meister nach starker Leistung den Sieg aus der Hand gab.

"In so einem Spiel so einen Elfmeter zu pfeifen, ist schon hart. Wenn du so couragiert in Manchester spielst, die seit gefühlten 30 Jahren zuhause nicht mehr verloren haben, willst du auch den Sieg mitnehmen", sagte Trainer Jürgen Klopp, der trotzt des verschenkten Sieges aber halbwegs zufrieden nach Hause fahren wird, auch wenn sich seine Spieler verständlicherweise über den knapp verpassten Supercoup ärgerten. Denn die Dortmunder sind jetzt endgültig in der Champions League angekommen. In der "Todesgruppe" mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam stehen sie hinter Real (sechs Punkte) mit vier Punkten auf dem zweiten Platz mit. Sie können sich berechtige Hoffnungen auf das Erreichen des Achtelfinales machen.

Zwei Keeper in Hochform

Weidenfellers letzter Rettungsversuch schlug zwar fehl, aber zuvor hatte der Keeper mit zahlreichen Paraden einen großen Anteil am Achtungserfolg der Dortmunder. Er war, wie sein Pendant auf der Gegenseite, Joe Hart, einer der besten Spieler auf dem Platz. Beide Keeper standen oft im Mittelpunkt, was angesichts der hochkarätig besetzten Offensive in beiden Teams nicht verwunderlich ist. Manchester City ging mit Edin Dzeko, Samir Nasri, David Silva und Sergio Agüero ins Spiel (die exzentrischen Superstars Mario Balotelli und Carlos Tevez durften zunächst auf der Bank Platz nehmen!). Die Dortmunder setzten mit Robert Lewandowski, Marco Reus, Jakub Blaszczykowski und Mario Götze eine ähnlich begabte Sturmreihe dagegen, auch wenn sie international (noch) nicht so renommiert ist.

Die Keeper sorgten dafür, dass es ein Spiel der vergebenen Großchancen war. Weidenfeller hielt sein Team im Spiel, als er Sieger im Duell mit dem Argentinier Sergio Agüero oder dem Franzosen Samir Nasri blieb. Noch mehr zu tun hatte Joe Hart, der die Dortmunder fast zur Verzweiflung brachte. Vor allem der glänzend aufgelegte Mario Götze wird noch seinen Großchancen nachtrauern. In der ersten Halbzeit scheiterte er erst freistehend am englischen Nationalkeeper, dann lenkte der zwei Schüsse mit den Fingerspitzen an Pfosten und Latte. Es entwickelte sich fast ein Privatduell zwischen diesen beiden. Aber auch Ilkay Gündogan und Marco Reus musste sich geschlagen geben. Es sollte bis zur 61. Minute dauern, ehe die Dortmunder eine ihrer vielen Gelegenheiten endlich erfolgreich nutzten. Marco Reus eroberte einen fatalen Fehlpass in Citys Hintermannschaft und blieb diesmal Sieger im Duell mit dem englischen Nationaltorwart.

Reus: Das ärgert mich sehr

Das war zu diesem Zeitpunkt verdient. Dortmund hatte mehr Torchancen, mehr Ecken und spielte konsequent Pressing, so dass Manchester City phasenweise keine Idee hatte, wie es den Ball in die Nähe des Dortmunder Strafraumes tragen sollte. Im defensiven Mittefeld waren es Sven Bender, der das erste Mal seit nach seinen Verletzungen in der vergangenen Saison wieder in der Startelf stand, und besonders Gündogan, die das Dortmunder Spiel zusammen hielten und organisierten.

Nach Reus‘ Tor rieb sich Jürgen Klopp an der Seitenlinie schon zufrieden die Hände und verfolgte das Geschehen auf dem Platz mit einem zufriedenen Lächeln. Seine Spieler standen trotz der Schlussoffensive des englischen Meisters weiter recht sicher, bis die unglückliche 90. Minute kam und Balotelli zum Last-Minute-Ausgleich traf. "Es ist bitter, dass wir nur Unentschieden gespielt haben. Das ärgert mich sehr", sagte Reus danach. Der Dortmunder Torschütze gewann dem Spiel zurecht dennoch eine positive Seite ab: "Wir haben bewiesen, dass wir international mithalten können. In der Gruppe ist alles offen, jetzt geht's weiter. Das heute gibt uns viel Selbstvertrauen, das müssen wir mitnehmen und auch gegen Real unter Beweis stellen." Die Königlichen haben in genau drei Wochen ihren Auftritt im Signal Iduna Park.

Von Tim Schulze
 
 
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