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Bayern trotz Trauerspiel auf Meisterkurs

Richtige Fußball-Feste gab es beim 17. und letzten Spieltag der 40. Bundesligasaison vor der Winterpause nicht mehr zu feiern.

Richtige Fußball-Feste gab es beim 17. und letzten Spieltag der 40. Bundesligasaison vor der Winterpause nicht mehr zu feiern. Müde, schlapp und ausgelaugt wirkten die meisten Kicker am Ende des WM-Jahres. Indiz für diese Hinfälligkeit war, dass in den sieben Samstag-Spielen nur zehn Tore fielen, in drei Partien sogar gar keine. Darunter war auch das trostlose Duell zwischen Spitzenreiter Bayern München und Schalke 04, über das sich aber nur Bayern-Keeper Oliver Kahn noch erregen konnte: "So ein Scheiß-Kick. Mit mehr Leidenschaft hätten wir das Spiel gewonnen."

"Da können wir nichts schleifen lassen"

Doch zerronnen ist für den deutschen Rekordmeister nichts. Mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung nimmt er am 26. Januar gegen Gladbach Maß auf den 18. Titel. Weil die Distanz zu Titelverteidiger Borussia Dortmund durch einen verpassten Sieg gegen Schalke verkleinert wurde, warnte Mittelfeldstar Michael Ballack: "Da können wir nichts schleifen lassen. Es liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns." Harten Zeiten sieht dagegen sein Nationalteam-Kollege Jörg Böhme entgegen, der nach einigen Eskapaden bei Schalke bis zum Jahresende mit Manager Rudi Assauer ein klärendes Gespräch über seine Zukunft bei dem Revierclub führen muss.

Hoffnungsschimmer in Kaiserslautern


Ungewiss bleibt auch die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern, dem im Abstiegskampf ein wichtiger 2:1 (1:0)-Sieg gegen Herta Berlin gelang. Harry Koch erzielte per Foulelfmeter vier Minuten vor dem Spielende den Siegtreffer. Das erste Tor in der neuen Volkswagen-Arena in Wolfsburg erzielte Stuttgarts Thomas Schneider. Er markierte das 1:0 beim 2:1-Sieg des VfB beim VfL Wolfsburg. Die Stuttgarter überwintern so auf einem UEFA-Cup-Platz.

"Das Thema Ausreden ist nach der Winterpause erledigt"


Meister Dortmund, der "Schlusslicht" Energie Cottbus mit dem 4:0 dem Abstieg näher brachte, träumt derweil weiter von der Meisterschaft und will das Handtuch auf keinem Fall frühzeitig werfen. "Sechs Punkte kann man aufholen", meinte BVB-Kapitän Stefan Reuter und erinnerte daran, dass in der vergangenen Saison schon anderen Clubs zu vorzeitig gratuliert wurde. So zum Beispiel Bayer Leverkusen, das mit zwölf Siegen "Herbstmeister" geworden war. Nach der 0:2-Katastrophe gegen den 1. FC Nürnberg, Platz 14 in der Tabelle und gerade einmal fünf Erfolgen in 17 Spielen muss der Vizemeister eine desaströse Zwischenbilanz ziehen. "Das Thema Ausreden ist nach der Winterpause erledigt", kündigte Bayer-Manager Reiner Calmund eine harte Welle an.

"Damit hat hier keiner gerechnet"

Die letztjährige Rolle der Leverkusener übernimmt in dieser Saison Werder Bremen, das nach dem 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach punktgleich mit dem BVB als Überraschungs-Dritter überwintert. "Damit hat hier keiner gerechnet", meinte Werder-Manager Klaus Allofs. Großen Anteil an diesem Erfolg hat der vor ein paar Monaten noch auf Eis gelegene Ailton. Der Brasilianer baute seine Spitzenstellung in der Torjägerliste mit dem 2:0 auf 13 Treffern aus und schoss damit fast die Hälfte aller Bremer Bundesliga-Tore.

Der HSV rappelt sich auf


Für positive Schlagzeilen sorgten auch andere Clubs. Der Hamburger SV rappelte sich nach einen Fehlstart bis auf Rang 7 hoch, obwohl er nur ein dürftiges 0:0 bei Hansa Rostock erreichte. "Es ist schade, dass die Hinrunde schon vorbei ist", meinte HSV-Keeper Martin Pieckenhagen. Auch für Aufsteiger VfL Bochum (9. Platz) und 1860 München (6.) könnte es so weitergehen: Das 1:1 war deshalb für beide Teams kein Beinbruch. "Wir haben es den Kritikern gezeigt", zog VfL- Trainer Peter Neururer eine Bilanz, die auch für die Münchner zutrifft.

Mit einem beachtlichen Endspurt hat Arminia Bielefeld (11.) Distanz zum Bundesliga-Keller geschaffen. Dass 0:0 bei Mitaufsteiger Hannover 96 (16.) nutzte den Ostwestfalen mehr als den Niedersachsen. Obwohl 96-Coach Ralf Rangnick zuletzt von seinem Präsidenten Martin Kind Rückendeckung erhalten hat, kennt er die Spielregeln des Profigeschäfts: "In Ruhe kannst du in der Bundesliga nie arbeiten."

Cottbus auf dem Weg in die zweite Liga


Bisher hat in der Hinrunde nur der 1. FC Kaiserslautern Trainer Andreas Brehme durch Erik Gerets ersetzt - bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Der Tabellen-Vorletzte aus der Pfalz gilt mit Cottbus als Abstiegskandidat Nummer eins. Neun Punkte fehlen Energie zum rettenden 15. Platz. Die Tristesse wird auch von den Fans quittiert. Mit 12 769 Besuchern im Schnitt liegt Energie auch in der Zuschauerstatistik am Ende. Krösus ist einmal mehr Dortmund, das den Schnitt sogar noch auf 68 125 steigern konnte. Insgesamt kamen zu den bisher 153 Spielen 5 099 879 Zuschauer (2001/2002: etwa 5 142 691).

Sie sahen nicht immer Spitzenfußball, konnten sich aber häufig über vermeintliche Fehlentscheidungen der Schiedsrichter aufregen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zog daraus die Konsequenz: In der Rückrunde wird der 4. Schiedsrichter an der Außenlinie Premiere feiern.

DPA

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