Auch der staatliche Wettanbieter Oddset arbeitet mit einem Kontroll-System. Es überwacht alle Annahmestellen in Deutschland. Spiele mit auffälligen Einsätzen können gesperrt werden. Die Wetten sind im Einsatz begrenzt. Maximal 500 Euro kann ein Spieler auf eine Wette setzen, der höchste Gewinn beträgt 50.000 Euro pro Einzelwette. Man sollte also meinen, der Manipulation seien in Deutschland Grenzen gesetzt. In fast allen weiteren europäischen Top-Ligen gibt es ähnliche Begrenzungen und ähnliche Reglementierungen.
Sind also die Wetten selbst das Schwachstück der Manipulationen? Auf Sieg oder Niederlage zu wetten, ist in heutiger Zeit fast schon altbacken. Spezial-Wetten haben Hochkonjunktur. Aber auf die so genannten Fun-Wetten lässt sich nicht viel Geld verdienen. Auf eine Wette über die Anzahl der Einwürfe in den nächsten zehn Minuten, nehmen die meisten Buchmacher nur wenig Geld. Sind es die Live-Wetten, in denen kurzfristig auf Spieländerungen gewettet werden kann?
"Wir überwachen alle Wetten. Die Prematch-Wetten und die Live-Wetten bis zum Spielende", sagt Krannich von "Sportradar". "Die Live-Wetten sind in den letzten zwei Jahren wichtiger geworden und im Zuge dessen überwachen wir diese auch." Inwiefern in diesem Jahr Auffälligkeiten registriert wurden oder nicht, dazu konnte Krannich noch keine Angaben machen.
Wie aber kommen dann die skandalösen Manipulationsversuche zustande? Reichen präventive Maßnahmen im nationalen Rahmen in einem international agierenden Wett-Netzwerk überhaupt aus? Experten vermuten, dass die Wettmafia eigene exklusive Wetten anbietet. Das hieße also, dass die Kontrollmechanismen nicht greifen können, da die Wetten gar nicht über die zugelassenen Wettbüros abgeschlossen werden. Solche Machenschaften, die nicht notwendigerweise aus dem nationalen Raum organisiert werden müssen, sind schwer zu verhindern.
Sylvia Schenk, die Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation "Transparency", forderte zum Schutz des Sports daher eine Verschärfung von Maßnahmen, auch im Bereich der Strafgesetzgebung. Im Deutschlandradio sagte sie: "Wir brauchen natürlich die Repression, sprich Strafgesetze." Machen härtere Strafen Wett-Manipulationen unattraktiver?
Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält von einer Einführung eines Straftatbestandes Wettbetrug nichts. Schnarrenberger sagte gegenüber dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Verurteilungen der Vergangenheit etwa von Robert Hoyzer würden doch zeigen, dass auch auf der geltenden Rechtsgrundlage Manipulationen geahndet werden können.