. .
Fußball-News
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
1. Juli 2004, 12:10 Uhr

Ein Job für Verrückte

Befleckt: Christoph Daum, 50, als Fachmann anerkannt, ist nach seiner Koks-Affäre nicht vermittelbar© Bongarts

Völler baute diesen Lahm, 20, zu einem der besten Linksverteidiger des Turniers auf. Und Bastian Schweinsteiger deutete in jeder Partie an, dass aus ihm etwas werden könnte. Eines Tages, vielleicht. "Völler hat mir am Anfang gesagt, ich könnte immer zu ihm kommen, und wenn es mitten in der Nacht ist", sagte Schweinsteiger vor dem Lettland-Spiel. "Ich würd's auch sofort tun." So ein Trainer war Völler. Einer für die Alten, einer für die Jungen.

Sein Abschneiden war nicht schlechter, als man es erwarten durfte. Viel eher muss erstaunen, dass er den Spielern zum Auftakt so viel Selbstsicherheit geben konnte. Eine zu große Aufgabe für ein ganzes Turnier, man merkte es an Kevin Kuranyi. "Ein Tor würde mich so befreien", sagte der zwei Tage vor dem letzten Spiel. Befreien, von was? "Von allem." Kuranyi, 22, sieht so vielversprechend aus, aber vor dem Tor wird er weich. Das Gefühl? "Schwer zu beschreiben. Man wird immer enger." Gegen Tschechien wirkte es manchmal so, als sei er froh, wenn der Ball nicht in seine Nähe kommt.

Kein Stürmer traf, aber dies dürfte wenige überrascht haben. Im Mittelfeld lag die Hoffnung, doch der Motor lief nur auf einem Zylinder: Ballack. Frings wirkte ausgelaugt, Hamann bremste den Fluss, und Schneider verlief sich im weiten Feld. "Es ist wichtig, dass jetzt nicht alle erfahrenen Spieler rausgedrängt werden. Nur mit einer Jugendauswahl geht es nicht", sagt Ballack, während zu Hause längst das Tauziehen um den neuen Trainer begonnen hat.

Vielleicht wäre wirklich Christoph Daum der Beste, mancher Nationalspieler hält große Stücke auf ihn. Daum, derzeit bei Fenerbahce Istanbul, gilt bei vielen als verrückt, aber dies ist ein Job für Verrückte. Er könnte wenigstens Mut entfachen, der fehlte Völlers Harmoniehaufen, in dem keinen der Zorn packte. Daum wurde vor vier Jahren für die Ideallösung gehalten. Aber er wurde untragbar, Kokainkonsum, dreistes Abstreiten, schließlich die Flucht nach Art eines Kriminellen. Und untragbar als Bundestrainer ist er noch heute, dies ist kein Posten, der für Resozialisierungsmaßnahmen geeignet wäre.

Otto Rehhagel, Held der Hellenen? Hat bereits erklärt, den Griechen auch in Zukunft den Fußball erklären zu wollen. Es wäre das falscheste aller Signale, diesen Mann der ganz alten Schule zum Anführer der Rasselbande zu machen.

Bleibt Ottmar Hitzfeld. 17 Titel hat er geholt, mit Dortmund und dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Ein Mann von Format, in jeder Beziehung. Ausgerechnet Michael Ballack aber müsste sich Sorgen machen. Zwar stellte sich auch Hitzfeld stets vor den viel gescholtenen Star. Aber der Coach verstand es nicht, anders als Rudi Völler, Ballacks außergewöhnlich facettenreiche Begabung zur Entfaltung zu bringen. Daran würde Hitzfeld sich messen lassen müssen.

Aus München ist dieser Tage weitere Kritik zu hören: Hitzfeld habe die jungen Spieler wie Santa Cruz, Rau, Hargreaves nicht weitergebracht, ließ zuletzt lasch trainieren, spielte taktisch stur. Dabei galt dies früher als seine besondere Stärke, allzu oft hat Hitzfeld schon bewiesen, dass er als Stratege ein reifes Team zum Allerhöchsten führen kann. Aber eine derart labile, gehemmte Mannschaft wie die deutsche Nationalelf? In seiner letzten Saison beim FC Bayern litt Hitzfeld, 55, auch wenn er dies zu verstecken suchte. Er wollte danach pausieren, Kraft schöpfen. Wenn Mayer-Vorfelder es ihm nicht vergällt, wird er sehr bald schon sehr viel Kraft geben müssen. Ob er sie hat?

Und wenn Hitzfeld absagt, des Pokerns leid? Wäre die Not groß. Vielleicht fiele die Wahl auf Guus Hiddink. Einen Holländer. Wenn der will.

Denn dieser Job verspricht keinen Ruhm: Bis zur WM stehen zwei Jahre voller bedeutungsloser Testspiele ins Haus, zwei Jahre im Bewusstsein, beim letzten Turnier gescheitert zu sein. Zwei Jahre sind grausam lang. Und doch nicht lang genug für den deutschen Fußball. Egal, welcher Meistermacher sein Glück versuchen wird: Die WM 2006, sie kommt zu früh.

Abstimmung

Sollte Mayer-Vorfelder zurücktreten?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
Rüdiger Barth / Bernd Volland
1 2 3
weiter  
 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston