"Gigant" Götze lässt Dortmund träumen

22. November 2012, 02:25 Uhr

Es war eine Machtdemonstration: Borussia Dortmund hat Ajax Amsterdam vorgeführt und als Gruppenerster das Champions-League-Achtelfinale erreicht - auch dank der Geniestreiche eines Mario Götze. Von Tim Schulze

Champions League, Dortmund, Götze, Amsterdam, Ajax

Schwarz-gelber Zauberer: Mario Götze (l.) ist gegen Ricardo van Rhijn und seine Amsterdamer Mitspieler meist einen Schritt schneller.©

Die Aussage von BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke nach der Gruppenauslosung der Champions-League ist schon fast zu einem geflügelten Wort geworden. "In dieser Gruppe werden Helden geboren", hatte Watzke gesagt, als nach der feierlichen Zeremonie in Monte Carlo vor knapp drei Monaten klar war, dass der deutsche Meister gegen die Meister aus Spanien, England und Holland um den Einzug in das Achtelfinale der Königsklasse kämpft. Watzke ließ sich damals den Schrecken nicht anmerken. Seine pathetische Aussage klang ein wenig wie das Pfeiffen im Walde, um die große Angst vor der gewaltigen Herausforderung zu überspielen.

Jetzt, nach fünf Spielen in der Gruppenphase und dem Erreichen des Achtelfinales als Gruppenerster (!), steht fest: Watzkes Aussage hatte prophetischen Charakter. Die Dortmunder Mannschaft hat eine Reihe von Helden produziert und für nachhaltigen Eindruck unter den Etablierten der Königsklasse gesorgt. Die Helden heißen Robert Lewandowski, Marco Reus, Roman Weidenfeller, Marcel Schmelzer – und Mario Götze.

Klopp ist nach dem Spiel überwältigt

Letzterer hatte schon vor dem Spiel gegen Ajax Amsterdam brillante Auftritte, etwa beim Auswärtsspiel gegen Real Madrid, aber der Abend in der Amsterdam Arena gehörte dem 20-jährigen Jungstar: Mit einem Tor und drei Torvorlagen führte Götze sein Team zum 4:1-Sieg.

Götze zauberte in einem schwarz-gelben Ensemble, das mit großer Cleverness, perfektem Defensivverhalten und blitzartigem Umschalten die Holländer zur Verzweiflung brachte. Trainer Jürgen Klopp wirkte nach dem Spiel fast ein wenig überwältigt vom Spiel seiner Mannschaft, so ergriffen war er: "Das heute hat einfach reingepasst. Das ist ganz großes Tennis und war ein weiterer Meilenstein in der unglaublichen Entwicklung dieser Mannschaft."

Der Held des Abends zeigte vor allem in der ersten Halbzeit, die Dortmund mit einer 3:0-Führung beendete, dass er auf dem besten Weg ist, auch international in die absolute Spitzengruppe vorzustoßen, da, wo die Ronaldos und Messis spielen. In einer Szene legte Götze ein Solo über den halben Platz hin. Sein Gegenspieler, der ebenfalls hochbegabte Christian Eriksen, konnte nicht folgen. Das Dribbling endete erst am Sechzehner der Amsterdamer, als er anfing zu überlegen und abspielen wollte. Schließlich ist der Sohn eines Informatikprofessors ein Mannschaftsspieler, der seine Kameraden einsetzen will. In diesem Fall hätte er egoistisch durchziehen müssen. Es wäre die bessere Entscheidung gewesen. Aber das spielte keine große Rolle, denn zu diesem Zeitpunkt führte die Borussia bereits durch das Tor von Reus in der 8. Minute, das Götze aufgelegt hatte.

Einige zählen Dortmund zu den Titelfavoriten

Wenige Minuten später machte er es besser, ein Haken im Strafraum und ein trockener Flachschuss ins kurze Eck – schon stand es 2:0. Als Lewandowski kurz vor dem Halbzeitpfiff den Abpraller eines Götze-Schusses abstaubte, war das Spiel entschieden. Das Besondere am Auftritt des deutschen Meisters war die unglaubliche Effizienz. Amsterdam hatte viel mehr Ballbesitz, kam jedoch kaum in die Nähe des Strafraumes. So kann man spielen, wenn man die Spieler dazu hat. Neben dem besten Spieler des Abends zum Beispiel Lewandowski, der zwei Tore schoss. Der zweite Treffer war ein echtes Kunststück, der Pole verarbeitete eine hohe Flanke von Götze nahezu perfekt und traf aus spitzem Winkel.

Das vierte Dortmunder Tor war der Höhepunkt in einer zweiten Halbzeit, in der sich die Dortmunder damit begnügten, den Vorsprung zu verwalten. Auch das gehört zum Repertoire einer international konkurrenzfähigen Mannschaft auf höchstem Niveau. Die Dortmunder sind gereift, das haben sie in dieser Champions-League-Saison bewiesen. Die Mannschaft begeistert nicht nur, sie spielt mittlerweile auch mit kühlem Kopf. Und einer wie Götze wächst mit der Mannschaft. Er braucht ein Team, in dem Spieler stehen wie der bemitleidenswerte Sven Bender, der sich (wieder einmal) eine blutige Nase abholte. Und das Team braucht die Geniestreiche eines Götze, um mit Schwergewichten wie Barcelona oder Real Madrid mitzuhalten.

Vielleicht ist das Wort vom Helden zu hoch gegriffen, schließlich haben die Dortmunder gerademal die Gruppenphase bewältigt. Doch Fußball-Größen wie Franz Beckenbauer oder Real Madrids Trainer José Mourinho zählen die Mannschaft mittlerweile zu den Favoriten der Champions League. Auch wegen Götze.

Lesen Sie auch
Sport
Sport-Liveticker
Fußball-Bundesliga - live Fußball-Bundesliga - <i>live</i> Die Jagd nach der Schale Zum Liveticker