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Mit Milliarden gegen das Rudiassauerhafte

Die TSG Hoffenheim wird mit Sicherheit in absehbarer Zeit eine große Rolle im deutschen Fußball spielen - zum Missfallen vieler, gilt sie doch als Retorten-Elf des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp. Dabei übersehen viele, dass in Hoffenheim glänzende Arbeit von innovativen Leuten geleistet wird.

Von Oliver Fritsch

Fußballdeutschland wird wohl oder übel mit einer starken TSG Hoffenheim leben müssen. Vielleicht schafft es der Dorfverein des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp bereits in diesem Jahr, in die Bundesliga aufzusteigen; nach dem 1:3 in Köln am letzten Sonntag sind seine Aktien allerdings ein wenig gesunken. Lange wird es aber nicht mehr dauern, bis sich der (Noch-)Zweitligist mit Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV und Bayern München messen wird. Denn Hoffenheim ist zu reich für die Zweite Liga. Und Hoffenheim ist zu gut für die Zweite Liga, zu klug, zu innovativ.

Aber Hoffenheim hat es trotz attraktiver Spielanlage schwer, Freunde zu finden. Wenn man Hopp gegen die schlimmsten Unterstellungen verteidigt, so wie ich bereits "bloggend" getan, kann es sein, dass einem von Usern unterstellt wird, mit Euros von ihm bestochen worden zu sein. Und Christian Heidel, Manager des FSV Mainz, eines aktuellen Konkurrenten, hat der Presse seinen Grimm diktiert: "Schade, dass so eine Mannschaft einen der sechsunddreißig Plätze im Profifußball wegnimmt." Auch wenn Heidel inzwischen Abstand von seiner Aussage nimmt - dahinter steckt die Abneigung gegen den "schnöden Mammon", was absurd klingt im Milliardengeschäft Fußball. Doch Hopps Geld wirkt fremd, er hat es ja auf einem anderen Gebiet verdient. Aus diesem Reichtum resultiere Chancenungleichheit. Außerdem habe der Klub keine Tradition und keine Fans. Ein Klub aus der Retorte.

Hopp kauft junge Brasilianer

Jüngst hat der Autor Ulrich Fuchs in der "tageszeitung" in sehr vorsichtigem Ton, vermutlich weil er heftigen Widerspruch fürchtete, allen Argumenten gegen den "Bonzenfußball" den Boden entzogen. Ausgehend von der Frage, ob Hopp unmoralisch handele, antwortet Fuchs verneinend, dass der Fußball nun mal "kapitalistisch organisiert" sei, und "wer mit dem Prinzip der Chancengleichheit argumentiert", adressiert Fuchs an Heidel, "lügt sich in die Tasche - oder er bedient Populismen."

Was soll an Hopps Vorgehen verwerflich sein? Allein die Frage leuchtet nicht ein. Erstens handelt er kontinuierlich (oder um es mit einem Modewort zu sagen: nachhaltig), denn er investiert seit fast zwanzig Jahren in diesen Verein - einen Dorfverein aus seiner Heimat, wohlgemerkt. Zweitens hat er sein Geld, so weit wir wissen, legal verdient. Für Chelsea-Boss Roman Abramovich beispielsweise möchten wir die Hände nicht ins Feuer legen. Drittens ist es privates Geld - und kein staatliches oder halbstaatliches, wie bei vielen anderen Profiklubs. Viertens hat die vermeintliche Trumpfkarte "Tradition" nicht den Ansatz von Stichhaltigkeit. Die Bundesliga ist doch kein Kartell, sie sollte zumindest keines sein; es muss doch jedem zumindest theoretisch möglich sein, eingelassen zu werden. Fünftens kauft Hopp weniger der Konkurrenz die Spieler weg, so wie etwa der FC Bayern, sondern vornehmlich junge, talentierte Brasilianer.

Innovative Denker haben es noch immer schwer im deutschen Fußball

Und was man Hoffenheim unbedingt gutschreiben muss: Hopp sucht sich fähige Mitarbeiter, denen er alle Befugnisse einräumt. Trainer ist Ralf Rangnick, der Mann, der stark daran beteiligt war, modernes Verteidigen im deutschen Fußball zu etablieren. Den Sportdirektor gibt der kluge Bernhard Peters, dem der DFB vor zwei Jahren Matthias Sammer vorzog - für einen Posten, auf dem Sammer noch nicht gezeigt hat, ob er dafür geeignet ist. Auch arbeitet Hans-Dieter Hermann für die TSG, ein Sportpsychologe, den Jürgen Klinsmann sehr schätzt (dem übrigens beratende Kontakte zu Hopp nachgesagt werden). Insgesamt also ein sehr innovatives Team.

Doch die innovativen Denker haben es noch immer schwer im deutschen Fußball. Ralf Rangnick scheiterte vor zweieinhalb Jahren am Rudiassauerhaften von Schalke 04. Und im Moment wehren sich Felix Magath und Co. gegen die augenfällige sportliche Überlegenheit ausländischer Klubs - und zwar mit den üblichen Reflexen. Allein auf die (unbestrittene) finanzielle Überlegenheit verweisen sie, um den anhaltenden Misserfolg deutscher Teams im Europapokal zu erklären. Doch man hat in den letzten Wochen nochmals erkennen können, dass Bayern München, Deutschlands Primus, nicht nur nominell eine Liga unter Manchester, Barcelona und Liverpool spielt. Von anderen ganz zu schweigen. In anderen Ligen gibt's mehr Tempo, mehr Dynamik. Das scheinen auch wissenschaftliche Daten zu belegen, die nicht mal bräuchte, wer Augen zu sehen hat.

Froh sein, dass Reiche in unseren Sport investieren

Recht verstanden: Man darf die TSG Hoffenheim nicht mögen, und man muss seine Ablehnung nicht begründen. Mir wäre es auch gefühlsmäßig lieber, wenn Kaiserslautern mit seiner großen Fan-Schar in der Bundesliga spielen würde. Doch wenn der Verein nun mal schlecht und auf Kosten des Steuerzahlers haushält, dann har er es nicht anders verdient, als ein paar Jahre in unteren Ligen zu (hoffentlich) gesunden. Seien wir Fußballfans doch froh, dass Reiche in unseren Sport investieren - und dann auch noch die "richtigen" Leute beschäftigen, die die "richtigen" Methoden anwenden. Blöd nur, dass es am Ende, wenn Hoffenheim dem FC Bayern nicht nur in der "Hass-Tabelle" und vielleicht auch dem FC Chelsea Konkurrenz macht, heißen wird: Es liegt ja nur am Geld.

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