27. April 2010, 17:47 Uhr

Die Geburt einer großen Mannschaft

Der FC Bayern München steht erstmals nach neun Jahren wieder im Finale der Champions League. Das 3:0 bei Olympique Lyon hat bewiesen: Jetzt ist auch der Titel möglich. Von Klaus Bellstedt

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Da geht's nach Madrid: Bayern-Stürmer Ivica Olic ebnete den Bayern mit seinem Dreierpack den Weg ins Champions-League-Finale©

Vor genau einem Jahr am 27. April 2009 wurde Jürgen Klinsmann als Trainer bei den Bayern nach einer 0:1-Heimniederlage in der Bundesliga gegen Schalke 04 entlassen. Der Möchtegern-Reformator war nach nicht einmal einer Saison gescheitert. Der Weltclub FC Bayern stand damals vor einer ungewissen Zukunft. Man könnte auch sagen, er stand vor den Trümmern dieser eigenartigen Regentschaft. Exakt 365 Tage nach dem Klinsmann-K.o. machte der FC Bayern München mit einer beeindruckenden Leistung im Halbfinal-Rückspiel bei Olympique Lyon den Einzug ins Finale der Champions League perfekt. Das Erreichen dieses Endspiels am 22. Mai in Madrid ist schon jetzt ein Triumph, für die Mannschaft - aber vor allem auch für den Trainer Louis van Gaal.

Der Niederländer stand im letzten Herbst schwer in der Kritik. Nach einer 1:2-Pleite in der Gruppenphase der Königsklasse gegen Bordeaux und blutleeren Auftritten seiner Elf in der Liga stand er vor der Entlassung. Hoeneß und Beckenbauer, die eigenen Bosse, zählten van Gaal damals an. Hätte man den beiden Bayern-Schwergewichten damals das Erreichen des Champions-League-Finales unter der Leitung desselben Trainers vorhergesagt, sie hätten einen wahrscheinlich für übergeschnappt erklärt. Aber Louis van Gaal hat es tatsächlich geschafft. Er hat diese sensible Mischung aus jungen und hochtalentierten Spielern wie Badstuber, Contento und erfahrenen Stars wie Schweinsteiger und Robben zu einer Einheit geformt und auf Spur gebracht. Nun steht diese bärenstarke Einheit in dem Endspiel des europäischen Clubfußballs, zum ersten Mal nach neun langen Jahren - und sie hat gute Chancen, dort zu bestehen.

Kühl bis ans Herz

Der Auftritt beim hochverdienten 3:0-Erfolg in Lyon (Endabrechnung nach Hin- und Rückspiel 4:0) war fast schon beängstigend stark. Natürlich lag das auch ein bisschen am Gegner. Lyon trat wie schon im Hinspiel vor sieben Tagen in München wie ein besseres Zweitligateam auf. In 92 Spielminuten im Stade de Gerland erarbeiteten sich die Franzosen keine einzige echte Torgelegenheit. Lyon wirkte von Beginn an eingeschüchtert. Der Respekt vor dem FC Bayern, er war bei fast jedem Spieler förmlich greifbar. Die Fans von "OL" verwandelten das Stadion vor dem Anpfiff zwar in einen Hexenkessel, aber spätestens ab der 3. Minute war auch diesbezüglich Ruhe im Karton. Thomas Müller hatte in dieser frühen Phase des Matches die Chance, schnell für klare Verhältnisse zu sorgen. Er versagte freistehend vor dem Tor kläglich.

Diese vergebene Tausendprozentige hätte so einigen Teams einen psychischen Knacks verliehen. Nicht so den Bayern. Kühl bis ans Herz spulten sie ihr Pensum herunter. Strotzend vor Selbstvertrauen zermalmten sie Olympique Lyon mit einem Kombinationsspiel, das einem fast schwindelig werden konnte. Der Führungstreffer von Ivica Olic (26.) stand dafür exemplarisch. Das Fehlen des Rot gesperrten Ribéry war dem Team zu keiner Zeit anzumerken. Auch das zeichnet große Mannschaften aus. Altintop, der für den Franzosen die linke Mittelfeldseite beackerte, vertrat diesen famos. Famos spielten sie eigentlich alle - und doch muss man ein Duo hervorheben: Bastian Schweinsteiger und Ivica Olic.

Hoeneß schwärmt: "Fußball in Vollendung"

Mit Louis van Gaals Königsrochade - Schweinsteiger neben Mark van Bommel auf die Doppelsechs - scheint auch der Spieler selbst seine Mitte gefunden zu haben. Schweinsteiger riss gegen Lyon das Spiel an sich, wie Michael Ballack in seinen besten Zeiten. Der Nationalspieler gewann darüber hinaus jeden Zweikampf. Moderner wie er kann man diese so wichtige Position im Weltfußball nicht interpretieren. Modern ist Ivica Olics Spielweise keineswegs. Der drollige Strafraumstürmer ist eher eine Kopie von "Bomber" Gerd Müller. Er steht da, wo man als Angreifer stehen muss. Ein, zwei kurze Drehungen und der Ball zappelt im Netz. Was so einfach ausschaut, ist doch so schwer. Nur die Wenigsten beherrschen diese Kunst, so wie Olic sie beherrscht. Gleich drei Mal traf der nimmermüde Kroate in Lyon (26., 66., 77.) und avancierte damit zum alleinigen Matchwinner - was das reine Ergebnis betrifft.

"Das war heute Fußball in Vollendung", Bayern-Präsident Uli Hoeneß bekam nach der großen Show von Lyon seinen Mund kaum noch zu. Er rang nach Worten, um dann doch noch einen bemerkenswerten Satz von sich zu geben: "Eine solche Leistung in so einem wichtigen Spiel habe ich vom FC Bayern lange nicht mehr gesehen." Die Bilanz des Trainers fiel dagegen etwas simpler aus: "Wir können Fußballspielen, das haben heute alles gesehen." Wer dabei sein entspanntes Lächeln etwas genauer betrachtete, der konnte erkennen: Dieser Mann hat noch lange nicht genug. Van Gaal will jetzt den Titel. Und egal auf wen die Bayern in Madrid treffen, Barcelona oder Inter Mailand, der Gegner sollte sich in jedem Falle auf einen ungemütlichen Abend einstellen.

Von Klaus Bellstedt
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
tetrapanax (28.04.2010, 19:29 Uhr)
Vegefranz,
haste deinen Nick geändert?
IMHO hag Pijey den Nagel auf den Kopf getroffen.
OneSizeFitsAll (28.04.2010, 18:16 Uhr)
Alles dummes Zeug :-)
Bayern gewinnt die CL
Werder den DFB Pokal
und
Schalke wird Meister

Mazeltov
silver-quattro3.0 (28.04.2010, 14:27 Uhr)
@muemmelfrau
hallo mümmelfrau, den einen zu mögen schliesst ja sympathie für den anderen nicht aus.Ich mag auch Frankfurter, solange diese heiss und auf dem Teller sind. Bei uns heißen die allerdings Wiener.......
silver-quattro3.0 (28.04.2010, 14:25 Uhr)
@Pijey
Dieser Post ist vorbehaltlos zu unterschreiben
Pijey (28.04.2010, 14:13 Uhr)
ein tolles Spiel...
...von einer tollen Mnnschaft.
Wie wir es in den letzten Wochen schon öfters gehört und gelesen haben zeichnet diese Mannschaft eben der Teamgeist aus.
Auch wenn Größen gesperrt oder verletzt ausfallen, springen andere in die Presche und das mit Klasse.
Wie ja der gute Franz schon nach dem Hinspiel gesagt hatte, Liza war der bester Einkauf den Bayern je getätigt hat.
Heute muß man sagen, dass dies auch auf andere Spieler zutrifft.
Die Entwicklung eigener Gewächse, wie Schwinsteiger, Lahm, Müller, etc. hat in diesem Jahr den Erfolg gebracht.
Die Zusammenstellung der Mannschaft, neben den Stars ist das Sahnehäubchen.
Van Gaal hat es verstanden seinFußballphilosophie (nach anfänglichen Hinken) den Spielern zu vermitteln.
Das Ergebnis sieht man jetzt. Hat halt etwas gedauert.
Olic ist ein Spieler wie Liza, der frißt Gras wenn es sein muß. Van Bommel der Reißer und Kämpfer, Lahm, der unermüdlich gute Leistung bringt, Schweini steigt zum Mythos auf durch geniale Spiele.
Altintop bringt eine suuuuuper Leistung, direkt von der Bank kommend.
Und so könnte man es weiter ausführen.
Die Handschrift des Trainers trägt nun Früchte und man kann wirklich sagen das er einen klasse Job gemacht hat bis hierher.
Sie werden wohl nicht alle 3 Finals gewinnen, aber eins oder zwei sind auch ok.
Zwar sind noch Spiler die wenig zum Einsatz kommen, wie Klose, Gomez etc. aber es ist eine Frage der Zeit bis auch sie sich wieder durchbeißen.
Und alle die meinen auf das Geld verweisen zu müssen bei der Kaderzusammenstellung sei gesagt, DAS MUSS MAN SICH ERSTMAL VERDIENEN.
Negative Beispiele haben wir in der Liga genug, z.B. Dortmund, Schalke etc.
Wer soviel Jahrzehnte auf diesem Niveau Fussball spielt muss auch Ahnung davon haben und den Verein vorzüglich Managen. Das ist ja auch der Grund weshalb nahezu alle Spieler der Liga dorthin wollen.
Ehemaliger Spieler, die in Probleme geraten sind vergisst der Verein auch nicht und holt sie zurück oder hilft ihnen, ganz zu Schweigen von den sozialen Projekten die der FCB anführt.
Vorbildlich in der ganzen Welt und ser schwer nach zu ahmen.
Eben der FC Bayern.
muemmelfrau (28.04.2010, 13:48 Uhr)
ansonsten natürlich
glückwunsch, habs genossen und freu mich aufs finale.
ausserdem kann ich Celebrator nur zustimmen, die sympathischste FCB manschaft der letzten 20 jahre.
wäre ich net durch und durch frankfurter - - - man könnt glatt bayern fan werden ;-))
muemmelfrau (28.04.2010, 13:45 Uhr)
nicht fair
man kann klinsmann mögen oder nicht.
die andauernden vergleiche sind aber völlig unfair.
klinsmann hat die truppe übernommen und keine verstärkungen geholt (wollte er so, selber schuld).
der gute LvG hat zu seinem einstand spieler für über 70 mio. euro erhalten.
ich denke also das ein vergleich hinkt.
pingpong (28.04.2010, 13:17 Uhr)
Anerkennung FCB
ob der Gegner nun unterirdisch schlecht oder gegenteiliges gespielt hat, ist doch egal. Wenn einen der Gegner nicht mitspielen lässt, weil zu gut, isses so. Und Lyon konnte nicht mehr bringen.

@celebrator: richtig, das man Olic nicht mehr Aufmerksamkeit schenkt. Ein Ackerer und Dauerläufer (genau wie Marin bei Werder) . Mich hätte man nach vier Minuten mit der Trage wegschaffen können.
Miguelo (28.04.2010, 12:12 Uhr)
Auweia mal wieder
Unser Fähnchen im Wind schreibt mal wieder was positives zu den Bayern. Wenn Sie am Samstag vielleicht nur Remis spielen, holt er selbstredend wieder die große Kelle raus. Die Geburt einer großen Mannschaft ist auch der größte Schwachsinn überhaupt.
Die Geburt war mit Übernahme van Gaals. Der hat die Bande dann geformt und jetzt ist sie erwachsen. Naja, mich wundert nur, warum die Bild den Bellstedt noch nicht abgeworben hat. Da passt er eher hin...
Kiron (28.04.2010, 10:25 Uhr)
Hut ab vom FCB
Ich bin wirklich kein Fan von Bayern München, eher das Gegenteil.
Aber es ist wirklich beeindruckend wie sie spielen und ja sie sind sogar sympathisch.
Ich drücke Ihnen die Daumen das sie Meister werden und die Champions Legaue auch noch. Nur Pokalsieger das soll doch Werder werden :-)
Schalke spielt einfach ein zu "hässlichen" Fussball als das sie es verdient hätten Meister zu werden.

Also Hut ab vor dem FCB !!!

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