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31. Juli 2007, 15:19 Uhr

"Die Leute wollen Spektakel"

Nie haben die Bayern vor einer Saison so geklotzt wie dieses Mal. Auch der Manager hat diesbezüglich umgedacht. Exklusiv bei stern.de spricht Uli Hoeneß über den neuen FCB, die riesige Erwartungshaltung und den interessantesten Neuzugang.

Geht entspannt und voller Elan in die neue Saison: Bayerns Erfolgsmanager Uli Hoeneß© Martin Meissner/AP

Herr Hoeneß, die Radikalkur der Bayern trägt erste Früchte. Das neue Team hat mit dem Gewinn des Ligapokals den ersten Titel der neuen Saison eingefahren. Welche Bestätigungen ziehen Sie aus den bisher gezeigten Darbietungen?

Es zeigt ganz einfach, dass man seine Politik etwas verändern muss. Die Leute wollen heute nicht so sehr den seriösen Geschäftsmann haben, der schaut, dass er die Finanzen alle in Ordnung hat. Sie wollen eher Spektakel. Sie wollen Namen, sie wollen Unterhaltung, sie wollen sich berieseln lassen. Und ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass es vielen Leuten ziemlich egal ist, ob wir Gewinne oder Verluste machen. Es ist nur wichtig, dass die Mannschaft attraktiven Fußball spielt. Aber das macht mir auch Angst. Denn wenn das auf Dauer die Politik ist, dann wird es gefährlich.

Wie schwer ist es Ihnen wirklich gefallen, so viel Geld in die Hand zu nehmen?

Um ehrlich zu sein: Mir ist das gar nicht schwer gefallen, weil wir ja auf Geld zurückgreifen konnten, das wir selbst verdient und erarbeitet haben. Wir hätten das schon viel eher machen müssen - auch im Sinne meiner eigenen Lebensqualität. Wenn ich mir überlege, wie oft ich mich letztes Jahr geärgert habe und wie genüsslich ich mich jetzt auf Fußball freue... noch während des Ligapokal-Finales habe ich mir gedacht: Du bist eigentlich blöd gewesen, dass du dieses Geld nicht schon viel früher ausgegeben hast.

Die Einsicht kommt manchmal mit dem Alter!

Nein, mit den Fakten.

Ein Magengeschwür hat es in der letzten Saison noch nicht gegeben?

Man ist ja in der letzten Saison häufig unzufrieden aus dem Stadion heimgefahren, und man sieht es jetzt: Die Qualität ist einfach der entscheidende Punkt.

Auch die Qualität des Trainers?

Letztes Jahr hatten wir denselben Trainer. Der Trainer ist gut. War gut, ist gut. Nur der beste Trainer kann nichts mit Spielern anfangen, die den Ball nicht stoppen können. Und deshalb mussten wir Spieler holen, die den Ball auch im höchsten Tempo stoppen können. Der beste Trainer der Welt kann nichts erreichen, wenn du nicht die Qualität hast. Jetzt haben wir die Qualität. Allerdings muss man mit solchen Namen und mit derartigen Persönlichkeiten auch umgehen können. Auch diesbezüglich fühle ich mich bei Ottmar Hitzfeld gut aufgehoben.

Sie haben nicht nur finanziell neue Wege eingeschlagen, auch die Betreuung der Spieler ist eine andere. Toni und Ribery haben rund um die Uhr Dolmetcher an ihrer Hand. Toni sogar einen eigenen Physiotherapeuten. Wenn jemand Ihnen das vor drei Jahren vorgeschlagen hätte, hätten Sie den vermutlich für verrückt erklärt, oder?

Den Betreuer habe ich nie als Problem gesehen. Aber den Betrag, den wir deshalb ausgegeben hätten und jetzt tatsächlich dafür ausgeben. Stimmt, da hätte ich jeden für verrückt erklärt.

Auch der Trainerstab ist um einiges gewachsen. Welche Überlegungen stecken dahinter?

Dahinter steckt keine Strategie. Die Coaches sind der Meinung, dass die Trainingsarbeit heute eine andere ist, als sie noch vor zehn Jahren war. Ich habe auch nie etwas behindert. Ich habe immer gesagt: Leute, wenn ihr der Meinung seid, das und das braucht ihr, und ihr könnt mir das vernünftig begründen, dann machen wir das. Nur die Frage eines größeren Trainerstabs ist nie an mich herangetragen worden. Sie sehen, Felix Magath arbeitet in Wolfsburg genauso wie vorher. Wenn ich dem gesagt hätte, da müssen noch zwei bis drei Trainer her, dann hätte er mich für verrückt erklärt. Also das muss immer der Trainer selbst an den Verein herantragen. Ottmar Hitzfeld hat früher mit Henke und mit Schmittlein gearbeitet und jetzt hat er halt vier Leute mehr. Das ist offensichtlich ein Zeichen der Zeit und wir wollen mit der Zeit gehen. Insofern ist das für mich nichts Besonderes.

Wissen Sie genau, welche Trainingsmethodik dahinter steckt, was damit genau bezweckt wird?

Das weiß ich genau, aber das müssten Sie mit dem Trainer besprechen. Es wird natürlich viel technischer gearbeitet. Es wird viel mehr überprüft. Ihnen wird ständig Blut abgenommen. Sie werden nach Leistungskriterien untersucht. Wenn einer mal müde ist, denn wird aufgrund der Untersuchungsergebnisse "Tempo rausgenommen". Oder wenn einer bestimmte Defizite in bestimmten Bereichen hat, dann wird da ganz spezifisch trainiert. Und genau dafür braucht man auch viel Personal, um das dann auch individuell zu gestalten.

Waren da auch die Erfahrungen von Klinsmann vor und während der WM ein Denkanstoß?

Jürgen Klinsmann hat hier einen sehr guten Job gemacht. Nur kann man natürlich seinen Job mit der Nationalmannschaft, die auf Wochen zusammenarbeitet, nicht unbedingt mit dem Job eines Vereinstrainers vergleichen, der jeden Tag mit den Spielern zu tun hat. Im internationalen Fußball geht der Trend dahin, individuell zu trainieren. Bei Milan gibt es mittlerweile sechs oder sieben Trainer. Wir als Global-Player können uns dieser Entwicklung nun mal nicht entziehen. Wir lassen ja auch ständig andere Vereine beobachten. Und wenn sich herausstellt, dass die damit Erfolg haben, dann wären wir ja bescheuert, wenn wir sagen: Haben wir immer so gemacht, machen wir weiter so. Und verlieren damit den Anschluss an die Spitze.

Einige Experten behaupten, dass man international nur erfolgreich sein kann, wenn man verschiedene Systeme beherrscht. Sehen Sie das auch so?

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass eine Mannschaft flexibel spielen kann. Dazu braucht man aber auch die Spieler. Und auch ein Trainer muss sich auf bestimmte Situationen einstellen können. Wenn eine Mannschaft sehr defensiv agiert, muss ich möglicherweise ganz anders reagieren, als wenn ich gegen eine sehr starke Mannschaft spiele, die selbst das Spiel bestimmen will. Wenn ein Trainer vom ersten bis zum letzten Spieltag am selben System festhält, ist das nicht mehr zeitgemäß.

Welcher von den Neuzugängen hat sie bisher eigentlich am meisten überzeugt? Toni? Ribery?

Also was ich bisher so gesehen habe - das ist eindeutig Altintop.

Wie bitte? Ja, von dem was ich erwartet habe und was er bisher leistet - dann stimmt das auch. Dass Ribery so aufspielt ist doch keine Überraschung. Das ist ein Weltklassespieler, früher bei Marseille und in der französischen Nationalmannschaft, hat 25 Millionen Euro gekostet. Da kann ich jetzt nicht hergehen und sagen: Bei Ribery erwarte ich eine besondere Überraschung. Aber Altintop hat gar nichts gekostet. Jeder hat gesagt, der wird irgendwo auf der Bank sitzen oder vielleicht sogar auf der Tribüne. Und jetzt ist er Stammspieler und drückt dem Bayern-Spiel seinen Stempel mit. Das bestätigt Sie in Ihrer Auswahl? Das ist auch manchmal Glück. Als wir ihn verpflichtet haben, im Dezember 2006, da war er in Schalke Ersatzspieler. Dann ist bekannt geworden, dass er zu Bayern wechselt. Da musste man schon damit rechnen, dass er auf der Tribüne landet. Aber er hat sich dann mit der neuen Situation und mit dem Druck zu Recht gefunden. Die Schalker haben ihn gar nicht mehr aus der Mannschaft genommen. Das ist das beste Merkmal. Altintop hat bewiesen, dass er unter Druck gut Fußball spielen kann.

Ribery hat erstaunlich wenig Eingewöhnungszeit gebraucht. Wie ist das zu erklären?

Das waren Vorurteile, die an uns herangetragen wurden und die sich überhaupt nicht bestätigt haben. Er wurde vom ersten Tag an akzeptiert, hatte gute Laune, hat sich super verhalten.

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