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23. November 2009, 15:02 Uhr

"Dann müssen wir weitersehen"

Am Ende dieser Woche beendet Uli Hoeneß seine Karriere als Bayern-Manager. Doch die aktuelle sportliche Lage der Münchener läßt keine Festtagsstimmung aufkommen. Im Gegenteil: Wenn alles schief läuft, könnte die neue Bayern-Ära mit einer Trainerentlassung beginnen.

FC Bayern München, Uli Hoeneß, Abschied, Mark van Bommel, Louis van Gaal

Warten auf eine Wende in der Bayern-Krise: Noch-Manager Uli Hoeneß (l.) und Louis van Gaal© Stefanie Loos/DDP

Der bittere Start in seine Krönungs-Woche verschlug Uli Hoeneß die Sprache. Nur ein schmallippiges "schönen Abend" rang sich der Noch-Manager und angehende Präsident des FC Bayern nach dem zum x-ten Mal verpassten Befreiungsschlag des Fußball-Rekordmeisters beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen ab. Der Druck auf Trainer Louis van Gaal und die zweifelnden Bosse wird vor der Mitgliederversammlung am Freitag mit dem geplanten Stabwechsel von Franz Beckenbauer zu Hoeneß immer größer.

Nicht auszudenken, was passiert, wenn am Mittwoch im Heimspiel gegen Maccabi Haifa auch noch der Champions-League-K.o. besiegelt werden sollte. "Es nützt jetzt nichts, irgendwelche emotionalen Dinge zu tun", mahnte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eindringlich zu der Ruhe, die längst verloren gegangen ist: "Wir haben alle Druck und müssen versuchen, gemeinsam mit der Mannschaft und dem Trainer die Kurve zu kriegen."

"Wir müssen gegen Maccabi gewinnen
Wenn das fehlschlägt, könnte Hoeneß’ Präsidenten-Ära gleich mit einer Trainerentlassung beginnen. Denn ein Bekenntnis zu van Gaal legte am Sonntag niemand ab, nur eine Absichtserklärung formulierte Rummenigge: "Wir müssen gegen Maccabi gewinnen und Glück haben, dass Juventus Turin nicht gleichzeitig in Bordeaux gewinnt, sonst sind wir trotzdem draußen", sagte der Bayern-Chef und machte einen kleinen, feinen Zusatz: "Dann müssen wir weitersehen."

Die Zeit der Durchhalteparolen ist angebrochen beim FC Bayern, der seit 47 Spieltagen und 555 Tagen nicht mehr auf Platz 1 der Liga stand, aktuell Siebter ist und dessen Fußball die Fans mit immer lauteren Pfeifkonzerten verteufeln. "Unser Spiel hinkt und krankt", stellte der neue Chef-Kritiker Philipp Lahm fest. "Das Spiel nach vorne ist mangelhaft. Das ist nicht der FC Bayern", analysierte "Sky"-Experte Beckenbauer.

Seine Hoffnung auf Besserung heißt Franck Ribéry: "Die Mannschaft spielt dann ganz anders." Auch van Gaal fällt bei der aktuellen Krisenbewältigung nicht viel mehr ein, als auf die Genesung des Franzosen und des ebenfalls maladen Arjen Robben zu warten: "Wenn die kreativen Spieler zurückkehren, können wir vielleicht eine Serie machen." Ohne sie sehe man eine "Mannschaft ohne Vertrauen", sagte van Gaal, eine verheerende Feststellung des Fußballlehrers.

"Wir sind alle frustriert"
"Natürlich ist er frustriert. Er ist nicht allein frustriert, wir sind alle frustriert", merkte Kapitän Mark van Bommel am Montag an. Das Vertrauen fehle, man mache sich Gedanken, wenn man den Ball bekomme, räumte der Niederländer ein. "Wir müssen uns wehren, mehr denn je." Und man brauche in der "schwierigen Phase" umso mehr die Unterstützung der Fans.

Wie schon zuletzt beim Heim-1:1 gegen Schalke platzte trotz des frühen Führungstores von Mario Gomez (8.) wieder nicht der Knoten. Leverkusen schlug nicht nur durch das 9. Saisontor von Stefan Kießling (14.) schnell zurück, sondern Bayer spielte Bayern danach zeitweise schwindlig. Ein reguläres Tor von Nationalstürmer Kießling nach tollem Hackenpass des von den Bayern ausgeliehenen Toni Kroos wurde in Bayers Sturm-und-Drang-Phase aber nicht anerkannt (21.). "Irgendwann gewinnen wir auch diese Big Points", rügte Kießling den nach der Pause fehlenden Mut des Spitzenreiters. Auch Rückkehrer Jupp Heynckes stellte die neue Anspruchshaltung des "ewigen Zweiten" heraus: "Ich trauere den Möglichkeiten der ersten Halbzeit nach."

Immerhin: Bayer blieb zwar zum 20. Mal nacheinander in München sieglos, behauptete aber den Vorsprung von sechs Punkten auf die Bayern, die als Konkurrent für die Herbstmeisterschaft nicht mehr infrage kommen. Es geht beim Rekordmeister in der Hinserie nur noch darum, Kontakt nach oben zu halten. "Wir müssen bis Weihnachten jedes Spiel gewinnen", sagte Lahm. Auch van Gaal beschwor den Start einer Serie, räumte aber ein, dass es "vielleicht lächerlich" sei, das ausgerechnet unter dem Eindruck des Leverkusen-Spiels zu verkünden.

Der im Umgang schwierige Niederländer weiß, dass sein Trainerstuhl in München längst zum Schleudersitz geworden ist. Auch wenn er keine Job-Ängste verspürt: "Diese Frage können Sie nicht an mich stellen, das wissen Sie doch", antwortete er einem Reporter: "Ich entscheide nicht darüber. Mein Fokus liegt auf der Mannschaft." Und auf dem nächsten Endspiel gegen Haifa: "Ich werde die Mannschaft wieder gut vorbereiten", kündigte van Gaal an, der mit dem Team wegen der Vorbereitung auf das Hannover-Spiel am kommenden Sonntag nicht an der Jahreshauptversammlung teilnehmen wird. Aber vorher muss gegen Haifa das Ergebnis stimmen. Ansonsten dürfte Hoeneß nach 30 Manager-Jahren den "kaiserlichen" Thron am Freitag begleitet von Misstönen besteigen.

Von Klaus Bergmann und Christian Kunz/DPA
 
 
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