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Alles glänzt - außer Neuer

Der FC Bayern hat auf beeindruckende Art und Weise das Achtelfinal-Hinspiel bei Arsenal London mit 3:1 gewonnen. Die Mannschaft ist viel weiter als im vergangenen Jahr. Nur Manuel Neuer enttäuschte.

Von Klaus Bellstedt

  • Klaus Bellstedt

Arsène Wenger sah ein bisschen aus wie eine Spitzmaus. Die schmalen Lippen des Arsenal-Trainers waren noch schmaler als sonst. Der Franzose schaute dort unten auf seiner Trainerbank ins Leere. Ungläubigkeit war aus seinen Augen herauszulesen. Und das, obwohl in diesem Champions-League-Achtelfinale erst 20 Minuten gespielt waren. Die Bayern führten zu diesem Zeitpunkt durch einen wunderschönen Treffer von Toni Kroos aus der 7. Minute bereits mit 1:0. Ein Spiel von einer derartig verblüffenden Eindeutigkeit hatte Wenger in seiner knapp 17-jährigen Trainertätigkeit bei den Nordlondonern vermutlich auch noch nicht gesehen - wohl gemerkt auf Königsklassen-Niveau.

Die Bayern dominierten dieses Achtelfinal-Hinspiel im Emirates Stadium, mal abgesehen vielleicht von den Anfangsminuten und ein paar Momenten in der zweiten Hälfte, nach Belieben. Es war beeindruckend mit welcher Souveränität und Klasse die Münchner diese Partie angingen. Im grenzenlosen Vertrauen in die eigene Stärke ging der souveräne Bundesliga-Spitzenreiter auf dem Platz zu Werke. In sich total homogen griff ein Rädchen in das andere. Alles fügt sich bei den Bayern derzeit in ein ganzheitliches Gebilde. Ja, es ist auch das Kollektiv, das Jupp Heynckes aus vielen Stars gebildet hat, das dieses Team so stark macht.

Irrlauf von Neuer

Dass an diesem Abend für den neutralen Beobachter nie auch nur ein Hauch von Spannung aufkam, lag an Thomas Müller. Mit seiner unnachahmlich unorthodoxen Art und Weise bugsierte der Mann mit den Spinnenbeinen den Ball in der 21. Minute zum 2:0 für die Bayern über die Linie. Arsenal reagierte mit fiesen Tritten und auch weiterhin mit viel Unvermögen. Aber klar, das lag in erster Linie am Gegner. Die Bayern setzten auch nach der beruhigenden Zwei-Tore-Führung die "Gunners" bei Ballbesitz sofort unter Druck. In der Abwehr stand die Viererkette bis auf einen kleinen Ausrutscher von David Alaba wie eine Wand. Es ist nicht nur lästig, es muss wehtun, gegen eine solche Truppe Fußball spielen zu müssen.

Nur ein einziges Mal tauschten die Engländer die Opfer- in die Täterrolle ein. Das war kurz nach Lukas Podolskis Anschlusstreffer zum 1:2 (55.). Der übrigens wurde begünstigt durch einen aberwitzigen Irrlauf von Manuel Neuer durch den eigenen Fünfmeterraum. Es war eine unfassbare Szene und ein Missgeschick, das eines Nationaltorhüters unwürdig war. Danach keimte für ein paar Zeigerumdrehungen Hoffnung auf bei Arsenal. Aber - und auch das unterscheidet die Bayern 2013 von den Bayern 2012 - sie hielten dagegen. Sie schüttelten sich kurz - und machten einfach weiter.

Ansprüche auf Europas Fußball-Thron

Neben Neuers Slapstick-Einlage und Toni Kroos' überragender Schusstechnik beim 1:0 war es ausgerechnet Arjen Robben, eingewechselt für Franck Ribéry nach gut einer Stunde, der für großes Erstaunen auf den Rängen sorgte. Der Niederländer vergaß sich komischerweise in der 77. Minute selbst. Robben kurvte in seiner unnachahmlichen Art und Weise bei einem Konter auf das Tor zu, aber, oh Wunder, er nahm Philipp Lahm auf der rechten Seite mit. Dessen Hereingabe verwertete schließlich Mario Mandzukic zum alles entscheidenden 3:1 für die Münchner. Der Egomane Robben kann auch uneigennützig, noch so eine schöne Erkenntnis von London.

Der FC Bayern hat mit diesem beeindruckenden Premierensieg in London ernsthafte Ansprüche auf Europas Fußball-Thron angemeldet. Schaut man sich so um unter den weiteren Achtelfinalisten in der Königsklasse, fällt einem lediglich der FC Barcelona ein, der dem deutschen Rekordmeister in dieser Form gefährlich werden könnte. Nur Manuel Neuer muss jetzt noch fehlerfrei bleiben. Dann könnte es wirklich klappen.

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