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Die Geister, die sie riefen

Erst im Sommer wird Pep Guardiola Trainer des FC Bayern. Doch schon jetzt gibt es in München kein anderes Thema mehr. Die Bosse sind genervt, die Konkurrenz stichelt.

Von Maximilian Koch

  Seine Verpflichtung sorgt für viel Wirbel in München: Pep Guardiola

Seine Verpflichtung sorgt für viel Wirbel in München: Pep Guardiola

  • Maximilian Koch

Am 1. Juli beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung. Pep Guardiola löst Jupp Heynckes ab, der Spanier soll in München für den entscheidenden Kick sorgen, um den Club an die Spitze des europäischen Vereinsfußballs zu bringen. Thomas Müller hat das mit der neuen Zeitrechnung offenbar zu ernst genommen. Am Samstag, nach dem wenig glanzvollen 2:0-Sieg gegen Greuther Fürth, sagte der Nationalspieler folgenden Satz: "Bis zum 31.06. um 0:01 Uhr hat der Name Guardiola hier nichts zu suchen." Müller ist auf dem Spielfeld ja für seinen Einfallsreichtum bekannt, doch diesmal übertraf er sich selbst: Den 31.06. wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht geben, solange sie sich auch in München an den gregorianischen Kalender halten. Demnach hat der Juni nur 30 Tage.

Die Lacher hatte der Nationalspieler damit wieder einmal auf seiner Seite, doch in Müllers Botschaft versteckte sich eigentlich ein ernster Kern: keinen Gedanken an den Sommer verschwenden; alle Konzentration auf das Hier und Jetzt. Wem man auch zuhörte am Samstag, ob Kapitän Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger, sie alle äußerten sich ähnlich wie Müller. Allein schon aus "Respekt vor Jupp Heynckes" wolle man die Saison konzentriert zu Ende spielen und wenn möglich den einen oder anderen Titel gewinnen. Solange sei Guardiola kein Thema.

Lemke gibt Intimfeind Hoeneß Ratschläge

Aber ist das überhaupt möglich? Alle sprechen über den neuen Coach, auch die Konkurrenz. "Die Verkündung der Guardiola-Verpflichtung hätte man vorverlegen können", befand etwa Willi Lemke, Aufsichtsratsvorsitzender von Werder Bremen und Intimfeind des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. "Klar ist das ist ein großartiger Coup, aber ich frage mich, ob der Zeitpunkt der richtige ist", sagte er im Sport1-Doppelpass.

Diese Frage wird man erst im Sommer beantworten können, wenn klar ist, ob der Transfer die Mannschaft in ihrer Konzentration tatsächlich gestört hat. Doch schon jetzt scheint klar, dass der Wirbel um den neuen Coach so schnell nicht vergehen wird. Erst recht nicht dann, wenn der Rekordmeister in eine sportliche Krise geraten sollte, die zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ziemlich unwahrscheinlich ist.

Heynckes: "Ich bin hier der Boss"

Vielleicht auch aus Angst vor einem solchen Szenario wählte Jupp Heynckes vor dem Anpfiff gegen Fürth deutliche Worte. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich hier der Boss bin", sagte Heynckes am Sky-Mikrofon. "Das bin ich überall gewesen – egal, wo ich gearbeitet habe." Eigentlich hatte es diese Machtdemonstration gar nicht gebraucht. Niemand stellt in München die Autorität des 67-Jährigen in Frage. Auch jetzt nicht, nachdem feststeht, dass er im Sommer von Guardiola abgelöst wird. Doch Heynckes war es offensichtlich ein Bedürfnis, ein paar Dinge klarzustellen.

Das hatte er auch schon am Freitag getan. Auf der Pressekonferenz zum Rückrundenauftakt äußerte sich "Don Jupp" zur Verpflichtung Guardiolas, sprach sowohl dem FC Bayern als auch dem Spanier seine Gratulation aus. Heynckes wirkte entspannt und gelassen. Lediglich die Tatsache, dass der Rekordmeister voreilig sein Karriereende bekanntgegeben hatte, störte Heynckes. Das wolle er schon selbst entscheiden, vielleicht mache er sogar weiter.

Hoeneß genervt von Guardiola-Hype

Über Nacht wurde aus der kleinen Verstimmung augenscheinlich große Verärgerung. Heynckes' Aussage zielte nicht nur darauf ab, bei seinen Spielern die Sinne zu schärfen und bis zum Ende der Saison den neuen Trainer aus den Köpfen zu streichen. Es klang auch Enttäuschung mit in seinen Worten. Über die Art und Weise, wie der Verein den Trainerwechsel verkündete. Und vermutlich auch über den Zeitpunkt der Bekanntgabe, unmittelbar vor dem Start der Rückrunde.

"Jupp wirkt nicht gerade glücklich und gelöst", ließ Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer via "Bild"-Zeitung mitteilen. Und wie so oft, stand Beckenbauer mit seiner Meinung nicht alleine da. Uli Hoeneß, seit jeher ein guter Gradmesser für die Stimmung bei den Bayern, zeigte sich am Samstag bereits genervt von dem Hype. Auf die Frage, ob denn Stefan Effenberg oder der Spanier Raul mögliche Kandidaten für den Co-Trainer-Posten neben Guardiola seien, antwortete der Präsident in "Abteilung-Attacke"-Manier: "Wer jetzt da demnächst die Eckfahnen trägt oder die Bälle aufpumpt, ist mir so egal wie noch was." Doch ob Hoeneß will oder nicht: In den kommenden Wochen wird ihm der Name Guardiola ein treuer Begleiter sein.

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