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Barcelona? Träumt weiter!

Das Gute zuerst: Der FC Bayern steht trotz einer 0:2-Pleite gegen Arsenal im Viertelfinale der Champions League. Das Bedenkliche: Das Team hat ein Einstellungsproblem. So wird es nichts mit dem Titel.

Von Klaus Bellstedt, München

  Au weia! Arjen Robben Robben verzweifelt während des Spiels gegen Arsenal London an seiner sowie an der Leistung des geamten Teams.

Au weia! Arjen Robben Robben verzweifelt während des Spiels gegen Arsenal London an seiner sowie an der Leistung des geamten Teams.

  • Klaus Bellstedt

In München dauert es immer ein bisschen, bis sich in der Halbzeit die hydraulische Riesenklappe, die den Zugang zu den Kabinen im Bauch der Arena freigibt, öffnet. Normalerweise müssen die Spieler nicht warten. In den Sekunden nach dem Pausenpfiff des Schiedsrichters "geht sich das schon aus", sagt man in Bayern. Aber nicht bei minus fünf Grad. Nicht an diesem bitterkalten Abend. Was man sah, waren vor allem Akteure in roten Trikots, die da so sehnsüchtig darauf hofften, dass sich der Schlund möglichst schnell öffnen würde. Die Aussicht auf einen wärmenden Tee, sie ließ die Bayern-Spieler ungeduldig werden. Dabei hätten sie sich in den ersten 45 Minuten dieser Champions-League-Partie gegen Arsenal London doch einfach nur ein wenig mehr bewegen müssen. Die Körpertemperatur wäre von ganz alleine gestiegen. Aber so? Lagen die Bayern völlig überraschend mit 0:1 hinten. Olivier Giroud hatte früh für die Nord-Londoner getroffen - und die Mannschaft von Jupp Heynckes verstand es nicht, darauf angemessen zu reagieren. Bis zum Schluss nicht.

Das Tempo fehlte. Ja, auch die Klarheit und die Risikobereitschaft in den Aktionen. Das, was sich in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielen gegen Hoffenheim und Düsseldorf bereits angedeutet hatte, setzte sich gegen Arsenal fort. Spannung und Konzentration waren wie weggeblasen. Natürlich lag das auch am Hinspiel-Ergebnis. Der 3:1-Erfolg von vor drei Wochen prägte diese Partie. Er gab den Münchnern das trügerische Gefühl der totalen Sicherheit. Mit dieser Gewissheit im Kopf spielt es sich anders. Nicht schön, schnell und spektakulär, sondern abwartend, zögernd und vielleicht auch ein bisschen arrogant. Den Spielern war gar nicht mal ein großer Vorwurf zu machen. Sie gaben sich immer wieder viele kleine Zeichen untereinander. Robben und Mandzukic, Müller und Kroos. Auch hinten Alaba und van Buyten. Sie schimpften nicht aufeinander. Vielmehr waren die Gesten wie Verbesserungsvorschläge zu deuten: Den nächsten Pass bitte hierhin. Die nächste Flanke etwas genauer in diese Richtung. Immer wieder versuchten sie, das Visier neu einzustellen. Die Bayern waren stets bemüht, das Spiel zu machen. So wäre wohl die Beurteilung im Arbeitszeugnis ausgefallen. Aber alles war irgendwie brotlos und nur durchschnitt - und wäre fast in der totalen Katastrophe geendet.

Hoeneß spricht Klartext

Koscielnys 2:0 fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit ließ den Kühlschrank Allianz-Arena endgültig schockfrosten und zum Eisschrank werden. Der gesperrte Jerome Boateng hielt sich mit blanker Panik in den Augen hoch oben im Ehrengastbereich des Stadions beide Hände vors Gesicht. Plötzlich stand eine ganze Saison auf dem Spiel. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte Arsenal wirklich noch ein drittes Mal getroffen. So blieb es aus Bayern-Sicht glücklicherweise nur beim 0:2 - das Viertelfinale, das vorher nur eine Formsache schien, wurde schließlich schlotternd und zitternd erreicht. Zufrieden waren die Spieler hinterher nicht. Vielmehr war ihnen die Erleichterung aus den vor Kälte dampfenden Gesichtern abzulesen. "Das darf uns nicht passieren", sagte Arjen Robben. "Wir haben vorher noch darüber gesprochen. Du musst dagegen halten", so der Niederländer weiter. Robben konnte der Niederlage aber auch etwas Gutes abgewinnen: "Vielleicht ist es auch positiv, vielleicht war das ein Wake-Up-Call für uns." Mag sein, dass die Bayern vor den jetzt beginnenden entscheidenden Wochen der Saison diesen Weckruf wirklich brauchten - um den Schlendrian aus Köpfen und Beinen herauszubekommen.

Auch Philipp Lahm kritisierte im Anschluss an die Partie die Einstellung seiner Kollegen: "Wenn man nicht zu 100 Prozent auf dem Platz steht, wird es eng. Wir müssen uns wieder verbessern." Das sah Uli Hoeneß ganz ähnlich. Dessen Gesichtsfarbe ist ja immer ein guter Indikator dafür, wie es um die Bayern steht. Puterrot, so ließ sich Hoeneß' Aggregatszustand nach dem 0:2 wohl am besten beschreiben. Dementsprechend deutlich wurde der Präsident: "Unsere Mannschaft muss jetzt den Hebel umlegen. Wir haben schon die letzten Wochen nicht gut gespielt. Wenn sich nun nichts ändert, ist es fünf vor zwölf. So wird es nicht reichen." Während Hoeneß also polterte, analysierte Trainer Heynckes eher im Stile eines Waldorfpädagogen: "Das war ein Denkanstoß für meine Mannschaft, dass es nicht von selbst geht."

Rückschritt auf dem Weg zum Titel

Von selbst ging zuletzt viel beim souveränen Bundesliga-Tabellenführer. Was auch an Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger lag. Dass diese beiden Schlüsselspieler nicht zu ersetzen sind, konnte man an diesem spätwinterlichen Abend von München eindrucksvoll erkennen. Wenn auch nur zwei Mosaiksteine im Gesamtkunstwerk fehlen, dann gerät der Bayern-Motor ins Stottern. Einerseits ist das verständlich, andererseits aber auch bedenklich. Stichwort: Qualität der Bankspieler. Luiz Gustavo beispielweise kann Schweinsteiger nicht mal im Ansatz adäquat ersetzen. Wer aber Champions-League-Sieger werden will, der braucht 16 bis 18 absolut gleichstarke Spieler im Kader. Ja, das ist jetzt Jammern auf sehr hohem Niveau, es war auch nur ein Spiel, das verlorenging. Aber: Barcelona wäre das nicht passiert. Und an dieser Mannschaft gilt es sich nun mal zu orientieren, wenn man den Titel in der Königsklasse gewinnen möchte. Insofern war die 0:2-Niederlage gegen spielerisch arg limitierte Londoner schon ein Rückschritt. Dabei waren die Bayern bis vor kurzem gefühlt bereits auf Augenhöhe mit Barca. Die Betonung liegt auf: gefühlt.

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