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3. Dezember 2008, 15:13 Uhr

"Wir wollen ihren Skalp"

"Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Flotten Fußball gibt es in Hoffenheim", mit diesen Worten hat Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick die nächste Runde im Verbalduell vor dem Bundesliga-Gipfel am Freitag eingeläutet - und gleich noch weiter nachgelegt.

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Gibt die Richtung bei der TSG 1899 Hoffenheim vor: Trainer Ralf Rangnick© Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Ein Medienrummel mit 50 Journalisten und zehn Kamerateams hat 1899 Hoffenheim auf den Bundesliga-Schlager des Tabellenführers aus dem 3300-Einwohner-Dorf beim Meister FC Bayern München eingestimmt. "Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Wenn sie flotten Fußball sehen wollen, sind Sie in Hoffenheim richtig", sagte Trainer Ralf Rangnick bei der bisher größten Pressekonferenz des Aufsteigers am Mittwoch im Trainingszentrum in Hoffenheim. "Wir wollen dafür sorgen, dass die Geschichte etwa so ausgeht wie in den Asterix-Heften", kündigte Rangnick für die Partie am Freitag (20.30 Uhr/Premiere) an. Dank eines Zaubertranks waren die Comic-Helden aus dem gallischen Dorf schier unschlagbar.

Das Geheimnis des Zaubertranks konnte der 50-Jährige allerdings nicht lüften. "Der Doc ist im Moment nicht da", meinte er schmunzelnd. Auf die Frage eines englischen Reporters, wann Hoffenheim gegen den FC Chelsea und Manchester United spiele, sagte Rangnick: "It's a long way to go." Ein langer Weg zur Herbstmeisterschaft ist es nicht mehr: Vor dem Spitzenspiel beim Rekordmeister und dem letzten Vorrunden-Heimspiel gegen den FC Schalke.04 führen die Nordbadener die Tabelle mit drei Punkten und sechs Toren Vorsprung vor München an.

Rangnick kontert Hoeneß

"Wir wollen gewinnen, müssen dafür aber ans absolute Limit gehen", meinte Rangnick. Die beiden Clubs haben erst einmal gegeneinander gespielt - im August 1999 bei der Einweihung des Dietmar-Hopp- Stadions. Der milliardenschwere Mäzen hatte damals "den Franz", den befreundeten Bayern-Präsidenten Beckenbauer, angerufen "und ihn gebeten, mit seinen Bayern zu kommen". Dessen Team gewann damals mit 4:1.

Noch nie haben die Hoffenheimer vor 69.000 Zuschauern gespielt, die Allianz-Arena kennen sie allerdings aus der Zweitliga-Partie gegen 1860. 6000 bis 8000 Fans werden den Klassen-Neuling begleiten. Sie sind auch gespannt, ob die Hoffenheimer den Bayern-Star Franck Ribéry in den Griff bekommen. Der hatte den Rekordmeister 25 Millionen Euro Ablöse gekostet. "Dafür könnten wir unseren Kader zwei bis drei Jahre unterhalten", sagte Rangnick und konterte damit die Attacke von Münchens Manager Uli Hoeneß, der gemeint hatte, in Hoffenheim werde mehr Geld bezahlt, als man immer erzähle.

"Nicht jede Saison läuft normal"

Der Spitzenreiter ist jedoch nicht so vermessen, gleich die ganze Hierarchie auf den Kopf stellen zu wollen. Rangnick: "Wir haben nicht den Anspruch, uns auf der Ebene, auf der sich Bayern befindet, zu bewegen." "Wenn die Saison normal läuft, dann wird Bayern deutscher Meister", sagte er - und ergänzte selbstbewusst: "Aber nicht jede Saison läuft normal. Wir haben schon einige Male bewiesen, dass wir für eine Überraschung gut sind." Für Freitag gelte: "Wir wollen nicht ihre Trikots haben, sondern - um es flapsig zu formulieren - ihren Skalp." Der Coach kann wieder auf den zuletzt verletzten Stürmer Chinedu Obasi zurückgreifen.

Freistoß-Spezialist Sejad Salihovic gab derweil erstmals zu, dass er vor seiner Vertragsverlängerung auch mit dem FC Bayern Gespräche geführt habe. "Aber den Bayern ging es wohl mehr darum, Hoffenheim zu ärgern", sagte der Bosnier. Sein Landsmann Vedad Ibisevic, der mit 17 Treffern die Torschützenliste in der Bundesliga anführt, kündigte in der "Bild"-Zeitung an, nächste Saison "definitiv" in Hoffenheim zu bleiben.

DPA/kbe

 
 
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