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7. November 2009, 14:11 Uhr
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Magath streichelt die Bayern-Seele

Vor dem Schlagerspiel zwischen dem FC Bayern München und Schalke 04 (ab 15.30 im stern.de-Liveticker) redet Schalke-Coach Felix Magath den Münchenern die Krise aus. Beim FC Bayern kümmert das niemanden. Für den Rekordmeister zählt nur ein Sieg.

FC Bayern München, Schalke 04, Felix Magath, Louis van Gaal, Luca Toni, Manuel Neuer, Uli Hoeneß

Felix Magath pflegt das Understatement und hofft so, aus München Punkte entführen zu können© Lars Baron/Getty Images

Mehr denn je vermittelt Felix Magath zurzeit den Eindruck eines in sich ruhenden Zeitgenossen. Da kommt ihm die als brisant eingestufte Rückkehr zu seinem ehemaligen Arbeitgeber FC Bayern München, der ihm nach zwei sehr erfolgreichen Jahren mit den Double-Gewinnen 2005 und 2006 den Stuhl vor die Tür gesetzt hatte, gerade recht. Doch der 56 Jahre alte Fußballlehrer des FC Schalke 04, dessen Familie weiterhin in München wohnt, ist erfahren und klug genug, die alten Narben vor dem Duell an diesem Samstag in der Allianz Arena nicht aufreißen zu lassen.

So hütet Magath sich vor unbedachten Äußerungen, die auf Schadenfreude über die Münchner Krise und die schwierige Lage des unter Beschuss geratenen Kollegen Louis van Gaal schließen ließen. "Van Gaal ist ein ausgezeichneter Trainer. Wenn ein neuer Coach kommt, dann dauert das schon mal eine gewisse Zeit, bis sich alles fügt. Das sind völlig normale Probleme. Ich weiß nicht, ob man da schon von einer Krise sprechen kann", kommentierte "Diplomat" Magath.

Nur kein Öl ins ohnehin lodernde bajuwarische Feuer gießen. Das würde ihm erstens als kleinkariertes Nachkarten ausgelegt, und würde zweitens im Fall der Niederlage (Bayern kann Schalke mit einem Sieg überholen) wohl einen verbalen Bumerang von Uli Hoeneß und Co. nach sich ziehen.

Schalker Understatement ist Trumpf

Geschickt lobt er daher den schwächelnden Rekordmeister als "Topfavorit auf den Meistertitel" und "Maß aller Dinge". Den Höhenflug seiner Elf, die seit sieben Pflichtspielen ungeschlagen ist und unter seiner Leitung einen erstaunlichen Wandel durchmachte, mag Magath nicht überbewerten. Understatement ist Trumpf: "Wir haben keinen Grund, überheblich zu sein. Wir sind noch kein Spitzenteam." Eher beiläufig erwähnt er, dass man als auswärtsstärkstes Liga-Team keineswegs chancenlos nach München reise. "Für den Gast ist ein Spiel dort immer dankbar. Man kann mehr reagieren als agieren. Und das fällt uns in dieser Phase leichter", sagte Magath. Ein Vorteil könne zudem sein, dass die Bayern beim 0:2 gegen Bordeaux "Kraft gelassen" haben. "Wir sind ausgeruht, wir können ganz entspannt nach München fahren und schauen, dass wir das Beste rausholen."

Jegliche Provokation ist tabu. Auch den Profis hat Magath Zurückhaltung auferlegt. So kommt kein Wort dazu, dass Schalke mit dem 1:0-Sieg am 25. April 2009 letztlich den Tropfen lieferte, der das Fass in München zum Überlaufen brachte und Jürgen Klinsmann den Job kostete. Manuel Neuer wollte zu seinem Eckfahnenjubel, mit dem er im April Oliver Kahn kopierte und für Diskussionen sorgte, nicht mehr viel sagen. Und auf das von Hoeneß in dieser Woche wohl gezielt öffentlich wiederholte Interesse am jungen Schalker Nationalkeeper ging auch niemand mehr ein.

"Ich beteilige mich nicht an Spekulationen. Mich interessiert nur Schalke 04", sagte Neuer vor seinem 100. Bundesligaspiel. Mit den Bayern beschäftige er sich nicht. "Es geht nur darum, Punkte für Schalke zu holen." Ähnlich äußerte sich auch der von den Münchnern angeblich umworbene Rafinha. Der Brasilianer gab sich bescheiden, aber selbstbewusst: "Wir haben keine Angst vor den Bayern. Denn auch wir haben Qualität. Und wenn wir unsere Trainingsarbeit im Spiel umsetzen, haben wir eine Chance, in München zu gewinnen."

Angespannte Stimmung bei den Bayern

Beim FC Bayern ist die Stimmung vor dem wichtigen Bundesliga-Spiel nicht so locker wie bei den Blau-Weißen. Kapitän Mark van Bommel sieht die Mannschaft gegen Schalke unter besonders großem Druck. "Es ist ein Moment, wo es gefährlich ist", sagte der Niederländer angesichts der Diskussionen um Trainer Louis van Gaal und der angespannten Atmosphäre mit dem eigenen Publikum nach der Heimpleite gegen Bordeaux in der Champions League.

Jetzt sei kein Gala-Fußball angesagt, sondern Kampf, Leidenschaft und Punkte. "Bayern München hat oft sehr dreckige Siege eingefahren, wenn es darauf ankam. Und alle waren danach zufrieden." Er habe wie Manager Uli Hoeneß das Gefühl, dass man noch Herbstmeister werden könne.

Von Ulli Brünger/DPA
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