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Lieber Sepp, erlöse uns - von dir!

Neues von Sepp Blatter: Auf dem "Camp Beckenbauer" hat der Fifa-Boss eine Verlegung der WM 2022 in Katar in den Winter gefordert. Seine Begründung ist skandalös.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

  Sonnengott. Herrscher der Fifa. König des Weltfußballs: Sepp Blatter

Sonnengott. Herrscher der Fifa. König des Weltfußballs: Sepp Blatter

Schön mollig ist es in diesen Tagen. Auch in Kitzbühel. So um die 30 Grad. Gut, in Katar können sie darüber nur lachen. Da hat es im Moment über 40 Grad. Aber dazu später mehr. Zurück nach Österreich. Im legendären Stanglwirt schwitzen noch bis Donnerstagabend 150 geladene "Größen" aus Sport, Medien und Wirtschaft beim "Camp Beckenbauer" um die Wette und diskutieren über die Zukunft des Sports. Alle sind gekommen. Von Oliver Bierhoff bis Kai Diekmann und von Edmund Stoiber bis zu Maria Höfl-Riesch. Bei so viel geballter Kompetenz darf einer nicht fehlen: Joseph, genannt Sepp, Blatter. Sonnengott. Herrscher der Fifa. König des Weltfußballs.

Ja, auch Blatter macht hier in Tirol die Hitze zu schaffen. Augenzeugen berichten, dass ihm schon bei der Ankunft am Mittwoch nur wenige Sekunden nach dem Aussteigen aus seiner Nobelkarosse die Schweißperlen von der Platte gelaufen sein sollen. Irgendwas müssen die tropischen Temperaturen mit Blatter gemacht haben. Dem Fifa-Boss ist jedenfalls eine Erleuchtung gekommen. Anders sind seine Äußerungen, die eigentlich nur noch zum Lachen sind, nicht zu deuten. Womit wir endgültig in Katar angekommen wären.

"Thema wurde falsch betrachtet"

Blatter hat in Kitzbühel deutlicher denn je die Verlegung der WM 2022 in Katar in die Wintermonate gefordert. "Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen. Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen", sagte der Schweizer. Und man fragt sich: Ist Blatter noch klar bei Verstand? Wieso bitteschön kommt er erst jetzt auf den Trichter und nicht schon bei der Vergabe 2010, für die er und die Fifa-Exekutive maßgeblich verantwortlich zeichnen? Die Wahrheit ist: Sepp Blatter gehörte lange zu den Skeptikern einer Verlegung in die Wintermonate. Jetzt sagt er: Damals habe man sich die Problematik "nicht richtig angeschaut". Das hat skandalöse Züge.

Vor dem "Sky"-Mikrofon mühte sich Blatter später noch um eine Erklärung: "Das Thema wurde nicht unterschätzt, sondern nur falsch betrachtet." Logisch. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach konnte sich seinen Spott dazu nicht verkneifen und erklärte: "Man muss kein Klimaforscher sein, um das Klima dort zu kennen."

Blatters Ende scheint in Sicht

Nach der Blatter-Show von Kitzbühel kommt nun mehr denn je die Frage auf: Wie lange müssen wir Blatter noch ertragen? Die Antwort lautet: Wohl noch eine Weile, aber glücklicherweise scheint ein Ende in Sicht. Wobei: Bei Blatter weiß man nie. In Kitzbühel ließ er immerhin durchblicken, dass die Entscheidung über seine Zukunft offenbar auch von einem aus seiner Sicht geeigneten Nachfolgekandidaten abhänge.

Achtung jetzt: "Die Aufgaben der Fifa sind noch nicht erfüllt. Die Fifa soll jemand übernehmen, der eine Fifa übernehmen kann, die nicht nur finanziell gut ist, was sie momentan ist, sondern die auch mit Glaubwürdigkeit dasteht. Ich bin überzeugt, 2014 ist das so, weil die WM ein Erfolg wird und dann kann ich in Ruhe abtreten", so Blatter. Fifa und Glaubwürdigkeit, genau. Sepp, erlöse uns – von dir!

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